babybroschre_KopieDie intelligentesten Babys müssen definitiv in Kleve wohnen.
12. November 2010

Eins vorweg: Im heutigen Notiz-Blog dreht es sich mal nicht um Fußball und auch nicht um den FC Kleve – versprochen!

Denn heute ist der 11.11. und da gibt es im Rheinland nur ein Thema und das ist Karneval. In der Neuen Mitte wird heute der neue Klever Karnevalsprinz vorgestellt. Und viele, viele Klever wollen dabei sein. Deshalb ist es um 17.11 Uhr picke packe voll in dem Einkaufszentrum. Ganz schön eng.

Weil ich auch Fotos mache, stehe ich mal auf dem Podium, mal in der Menschenmasse davor. Und während ich so vor dem Podium mit der Kamera in der Hand warte, sagt eine Frau zu mir: „Hier kann man aber Platzangst bekommen.“

Ich weiß zwar was sie meint, stelle mich aber bei dieser Aussage immer absichtlich dumm und frage mit einem ungläubigen Blick zurück: „Wieso?“ Das löst dann wiederum bei ihr einen ungläubigen Blick aus und sie sagt: „Na, weil es so voll ist.“

Das ist natürlich Unsinn wie wir Sprach-Besserwisser besserwissen. Denn Platzangst ist exakt das, was das Wort aussagt: Angst vor zu viel Platz. Und davor muss man heute in der Neuen Mitte wirklich keine Angst haben – eher vor zu wenig Platz.

Und genau das wäre dann mit dem wenig bekannten Wort Raumangst zu umschreiben, sagt mir zumindest Wikipedia. Ich finde das allerdings irreführend, weil das Wort Raum vom althochdeutschen Wort „rum“ kommt und so viel bedeutet wie „Platz zur freien Bewegung“. Eher kein Ort, an dem man dicht gedrängt auf den Karnevalsprinzen wartet.

Ich bin ja dafür, die Angst vor zu wenig Platz als Engangst zu bezeichnen. Denn das Wort „Enge“ kommt vom althochdeutschen Wort „engi“ und heißt eben das, was wir darunter verstehen, nämlich „wenig Raum lassend“. Und wenig Raum ist heute in der Neuen Mitte.

Ganz im Gegensatz zu einem Ausflug ins Berliner Olympiastadion im Jahr 1989, den wir mit der Schule gemacht haben. Da standen wir mit unserem Biologielehrer und unserer Deutschlehrerin im menschenleeren Olympiastadion und der Biologielehrer sagte: „Hier kann man ja Platzangst bekommen!“ Was ich nickend bejahte. Und alle Leser dieses Blogs tun das jetzt auch, weil sie wissen, dass der Lehrer Recht hatte. Daraufhin sagte die Deutschlehrerin dann aber: „Ja, wenn es denn voll ist.“ Ich war nun leidlich verwirrt, wollte aber gerade meine Deutschlehrerin belehren, als mein Biologielehrer sagte: „Ja, genau!“

Da wurde mir im Alter von 15 Jahren bewusst, dass es es etwas gab und gibt, das mir mehr Angst macht als Enge oder Platz.

Olaf Plotke, 11.11.10

 

Da lag ich ja mit meinem gestrigen Tipp fast goldrichtig. Die Ratssitzung hielt sich sehr eng an das Storyboard, das ich hier gestern skizziert hatte (siehe voriger Notizblog-Eintrag). Sogar das mit den Stühlen stimmte.

Deshalb war ich auch selbst schuld, das ich erst keinen Sitzplatz bekam – ich war nämlich doch nicht so früh da, wie ich es mir gestern selbst auferlegt hatte.

Ich musste also stehen – so wie viele andere auch, die früher da waren als ich. Ich habe ca. 60 Besucher gezählt. Es war auf alle Fälle rappelvoll.

Ich bekam dann aber doch noch einen Sitzplatz, weil Dr. Hedwig Meyer-Wilmes mir den freien Stuhl neben ihr am Tisch der Grünen-Fraktion anbot (Danke noch mal dafür!). Aber ich habe den Stuhl natürlich vom Fraktionstisch weggezogen, damit da keiner auf falsche Gedanken kommt.

Es war schon enorm, wie hellseherisch meine Mutmaßungen auch über die Aussagen der Ratsvertreter waren. Dass Dr. Artur Leenders von den Grünen wieder seine bekannte Schallplatte abspielen würde, dass der Bürgermeister vom Rat geschützt werden müsste, war ja noch keine große Leistung. Aber ein wenig stolz bin ich schon, dass diese Sätze fielen: „Was wir heute beschließen, ist alternativlos“ – ich hatte gestern geschrieben: „Wir können nicht anders!“ Und eine Punktlandung gab es bei „Sind ja alles Steuergelder!“. Leenders sagte nämlich wortwörtlich heute: „Wir unterhalten uns hier über Steuergelder!“

Auch bei den Lobhudeleien in Richtung FC Kleve lag ich richtig gut. Tatsächlich fielen heute nämlich Sätze wie diese hier: „Ich tue es schweren Herzens, weil die jetzt handelnden Personen beim FC so ein tolles Engagement gezeigt haben.“ und „Wir sind nicht gegen den FC oder den Fußball.“

fc_rausFalsch lag ich aber damit, dass Bürgermeister Theo Brauer durchblicken lassen würde, es gäbe schon konstruktive Gespräche mit dem Verein. Den Part übernahmen heute CDU-Chef Udo Janssen und SPD-Chef Alexander Frantz. Die sagten: „Das ist nicht das Ende. Denn wir sagen Ja zu Gesprächen.“ (Janssen) und „Ich könnte mir vorstellen, dass wir in der Zukunft ein seriöses Angebot des Vereins erhalten und dann mit der neuen Führung sprechen können.“ (Frantz).

Das hört sich doch ganz so an, als ob man hinter den Kulissen bereits eifrig mit der Vereinsführung an einer Lösung strickt, aber der Rat nun öffentlich sein Gesicht wahren und Härte demonstrieren musste. Dazu würde dann auch die doch recht abgeklärte Haltung der FC-Verantwortlichen passen (Nitsch: „Es geht weiter!“), von denen allerdings keiner so genau weiß, ob sie denn nun verantwortlich sind. Auf alle Fälle haben die sich heute alle noch gemeinsam mit Mom Zevens zum Bierchen verabredet.

Während die FC-Führung also recht gefasst wirkte, waren die Fans richtig stinkesauer auf die Stadträte. Drei Zitate habe ich mir aufgeschrieben. „Ihr seid immer nur für uns da, wenn Ihr gewählt werden wollt!“ Das heißt ja wohl, dass die Partei der Nichtwähler nun wieder eine Stimme mehr hat.

Dieses Zitat finde ich aber noch besser: „Der Brauer braucht sich auf unserer Weihnachtsfeier im Krankenhaus nicht mehr blicken zu lassen!“ Das klingt schon sehr böse, obwohl es natürlich sein kann, dass Herr Brauer sich freut, wenn er in der Weihnachtszeit mal etwas mehr Zeit hat. Außerdem kann er ja einfach einen seinen Stellvertreter hinschicken: Artur Leenders wär´ doch angesichts des Fan-Zitates eine mutige Wahl.

artur2Bei dem Zitat, das ich mir dann noch aufgeschrieben habe, hatte ich anfangs Interpretationsprobleme. Es geht nämlich so: „Wieso bekommt der Brauer das Bier eigentlich immer umsonst, während wir dafür 5 Euro zahlen müssen?“

Ich finde, das ist eine berechtigte Frage, obwohl der Zitatgeber natürlich gratis meint und nicht umsonst. Wäre ja doof, wenn die ganze Trinkerei am Ende umsonst war.

Also ich bin mir sicher, er meint gratis.

Wenn das stimmt, ist die Frage „Wieso bekommt der Brauer das Bier eigentlich immer umsonst (im Sinne von gratis), während wir dafür 5 Euro zahlen müssen?“ aber im Grunde doch ganz leicht zu beantworten.

Der Brauer bekommt das Bier deshalb gratis, weil er sein Bier doch erst probieren muss, bevor er es für 5 Euro an die Fußball-Fans verkauft, die es dann benutzen, um auf die Zukunft des FC Kleve anzustoßen.

Olaf Plotke, 10. November 2010

 

 

So, nun ist die Demonstration des 1. FC Kleve also vorbei. Ich habe gerade den aktuellen Bericht dazu geschrieben, ein paar hübsche Fotos dazu gesetzt und vor allem die sehr gute Rede von Christian Nitsch abgetippt, die er mir freundlicherweise in die Hand gedrückt hat.

Also die Rede war gut - Nitsch gefällt mir als Frontmann sowieso immer besser. Vielleicht der beste SPD-Mann, den Kleve zurzeit so hat.

Christian Nitsch ist nämlich im Kreis-Vorstand der SPD und Sachkundiger Bürger in der Ratsfraktion in Kleve. Mit seiner Begeisterung für den FC Kleve konnte er die Genossen in der Fraktion aber wohl noch nicht so anstecken.

Was der Fraktionschef Alexander Frantz da so vor einer Woche im Hauptausschuss über den Verein gesagt hat, muss Nitsch sehr übel aufgestoßen sein, der ja als Zuhörer anwesend war. Da sagte der Fraktionschef zum Beispiel, dass die SPD schon immer gegen die Zuwendungen an den FC gewesen sei und sprach von Restrisiken, wenn Kleve dem Fußballverein nochmal hilft.

Also die SPD ist (genau wie die anderen Ratsfraktionen) gegen weitere Zahlungen an den FC Kleve. Zumindest war das bis jetzt der Stand der Dinge.

Nun hat sich aber die SPD-Kreisvorsitzende, Bundestagsabgeordnete und SPD-Bundesschatzmeisterin Dr. Barbara Hendricks auch mal zum FC Kleve geäußert. "Meine persönliche Meinung ist, dass die Stadt auf die Rückzahlung des Zuschusses zur Zeit verzichten sollte", sagte sie (Den ganzen Brief in Sachen FC Kleve kann man auf der Kurier-Website nachlesen).

Dieser Satz ist eine bemerkenswerte Aussage, weil jeder daraus lesen kann, was er will. Sie sagt ja nicht, dass der Rat auf sein Geld verzichten soll. Nur "zur Zeit" soll er es nicht zurückfordern. Und das ist natürlich ihre "persönliche Meinung" - sie sagt das also nicht als Bundestagsabgeordnete, Kreis-SPD-Chefin oder SPD-Bundesschatzmeisterin. Nur so, ganz privat wie "Du und ich". Im Gegensatz zu mir hat sie diese "persönliche Meinung" natürlich über ihr Büro verschicken lassen und nicht über ihr privates E-Mail-Konto.

Das ist aber auch eigentlich völlig egal. Barbara Hendricks ist auf jeden Fall irgendwie dafür, dass der FC Kleve überlebt und der Rat soll dabei helfen. Punkt. Aus.

Mich würde ja mal interessieren, was nun wiederum die Klever SPD-Ratskollegen, die doch sehr tief in der Materie stecken und den ganzen Sachverhalt sehr genau kennen, zu der "persönlichen Meinung" von Ihrer Bundestagsabgeordneten sagen.

Naja, morgen wissen wir alle mehr.

Hier aber schon mal mein Tipp für den Ablauf der morgigen Ratssitzung:

Erstmal müssen viele Stühle rangekarrt werden, weil so viele Besucher kommen. Ganz schöne Schlepperei.

Dann werden alle Fraktionen ihr Bedauern über die entstandene Situation äußern und sich auf so Formalitäten zurückziehen, wie wir sie schon gehört haben. Tenor: "Wir können nicht anders!", "Wir müssen den Bürgermeister und uns schützen!", "Sind ja alles Steuergelder" etc. Aber gleichzeitig wird kräftig Süßholz in Richtung FC Kleve geraspelt. Tenor: "Tolles Engagement!", "Wir sind beeindruckt über die Solidarität", "Wir sind so zerissen", "Ein Verein kann stolz auf solche Mitglieder und Unterstützer sein", "Wir sind grundsätzlich auch der Meinung, dass Fußball Teil der Kultur und Identität einer Stadt ist".

So, aber dann kommt es zum Schwur und der Rat wird mehrheitlich, vielleicht auch einstimmig dabei bleiden und auf der Rückzahlung beharren.

Aber damit die FC Kleve-Fans nicht gleich "auf die Barrikaden gehen", lässt Bürgermeister Theo Brauer durchblicken, dass man ja schon in konstruktiven Gesprächen mit der FC-Führung sei (Kurier-Leser wissen das längst und haben am Wochenende die Fotos dazu gesehen). Ob es aber eine Lösung geben wird und wie die aussehen könnte, das wären Dinge, die man jetzt nicht öffentlich diskutieren kann.

So stelle ich mir das morgen vor. Eine Wette würde ich darauf nicht abschließen. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass in Sachen FC Kleve alles möglich ist.

Wir sehen uns dann morgen im Rat. Wer pünktlich ist, bekommt auch mit Sicherheit einen Sitzplatz.

Olaf Plotke, 9. November 2010

Über die Pressekonferenz des 1. FC Kleve am Freitag ist viel geschrieben worden, auch im Kurier am Sonntag (siehe aktuelle Ausgabe oder PDF-Datei hier auf der Website). Neben der großen Solidarität der Fans hat mich übrigens Christian Nitsch total beeindruckt.

Man kennt ihn ja als Mitglied des Kreisvorstands der SPD, als Chef des Hauses Maternus und Betreuungszentrums Hasselt und durch sein Engagement für den Fußball in Warbeyen. Am Freitag war Nitsch in der Rolle des Moderators und FC-Vertreters zu sehen. Ich fand sein Auftreten extrem stark.

Das Bild, das die FC-Führung unter seiner klugen Moderation abgab, war das Bild eines Vorstands, der offen, ehrlich und transparent ist. Eine Führungsmannschaft, die niemandem was vorspielt, sondern aus echtem Engagement für einen Verein an die Öffentlichkeit und den Stadtrat appelliert.

Das Bild, das die Lokalpolitiker vor ein paar Tagen im Hauptausschuss von der FC-Führung gezeichnet haben, konnte man am Freitag in den Herren Verlage, Ernst, Hagen und Nitsch nicht wiederfinden.

Olaf Plotke, 8. November 2010

 

Vor einer Woche haben wir im Kurier am Sonntag die provokante Frage gestellt, ob Tiere eine Seele haben und in den Himmel kommen. Das ist eine Frage, die die Menschen bewegt, denn wir haben sehr viele Leserbriefe zu dem Thema erhalten. Einige werden in der kommenden Ausgabe  abgedruckt.

Fasziniert hat mich, dass es Leserbrief-Autoren gibt, die mit der Bibel beweisen, dass Tiere definitiv in den Himmel kommen und andere mit dem gleichen Buch das Gegenteil belegen. Eine Zeugin Jehova schreibt: "Tiere haben eine vom Schöpfer festgelegte Lebensdauer und sind nicht für ewiges Leben geschaffen."

Das mit der festgelegten Lebensdauer klingt irgendwie gemein. Ich tröste mich damit, dass die Zeugen Jehova bei der Auslegung der Bibel ja schon öfter legendär daneben lagen. So hatten sie den Weltuntergang bereits für 1914, 1925 und 1975 vorher gesagt. Das ist ja bekanntlich nicht passiert.

Obwohl der erfolgreichste Song in den amerikanischen Billboard-Charts 1975 "Love Will Keep Us Together" von Captain & Tennille war und "Fame" von David Bowie und John Lennon nur das siebterfolgreichste Lied des Jahres war. Schon fast ein Weltuntergang. John Lennon zog sich 1975 dann auch für 5 Jahre komplett aus dem Showgeschäft zurück und kümmerte sich fortan um die Erziehung seines Sohnes Sean. Als er dann 1980 endlich wieder eine Platte mit neuen Songs rausbrachte, ging für mich tatsächlich die Welt unter. Nicht wegen der Platte, sondern weil John Lennon kurz nach der Veröffentlichung von einem Irren in New York erschossen wurde.

John Lennon wäre vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden.

Wenn es einen Himmel gibt, dann ist er mit Sicherheit dort. Gott ist bestimmt auch Beatles-Fan.

 

Olaf Plotke, 22. Oktober 2010