Der Kreis Klever CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Palmen (Foto) ist ein Mann mit vielen Talenten und Titeln. Neben dem hübschen Zusatz MdL kann er auch noch Stadtdirektor a.D. und Staatssekretär a.D. auf seine Visitenkarten drucken.palmen

Okay, die „Bin ich mal gewesen“-Titel machen nicht ganz so viel her. Aber Palmen hat nun ganz aktuell wieder einen Titel erhalten, der doch recht schmucksam ist. Die Euregio Rhein-Waal hat ihn nämlich zum Euregio-Ambassadeur ernannt.

Na, wenn sich das nicht mal toll anhört!

Obwohl ich zuerst dachte, dass Euregio-Botschafter beeindruckender klingen würde. Oder denkt man dann, dass er nur so eine Art Schirmherr für die Euregio ist?

Was muss unser Landtagsabgeordneter als Euregio-Ambassadeur eigentlich so tun? Darf er in einer Staatskarosse mit CD-Kennzeichen (Corps Diplomatique) durch die Gegend brausen und im Parkverbot stehen ohne aufgeschrieben zu werden?

Vermutlich nicht. Denn die Pressemitteilung der Euregio klärt auf: „Die Euregio-Ambassadeure halten Kontakt zu Lehrinstituten, ökonomischen, sozialen und kulturellen  Organisationen, um die Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit zu sondieren.“

Aha.

Klingt irgendwie langweilig, finde ich.

Weiß eigentlich jemand, was die Euregio so genau ist und macht?

Ein Blick auf die Website (www.euregio.org) klärt uns auf: „Hauptanliegen der Euregio Rhein-Waal ist die Verbesserung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Wirtschaft und Gesellschaft.“

Prima. Gut, dass wir das nun auch wissen.

Auf alle Fälle fördert die Euregio gerne mal kulturelle Aktivitäten, wenn sie denn grenzüberschreitend sind.

Mir hat mal eine Künstlerin erklärt, dass sie deswegen zu ihren Festivals immer ein bis zwei holländische Kollegen einlädt, weil es dann fette Fördergelder von der Euregio gibt. Das brachte mich auf die clevere Idee, meine Grillparty bezuschussen zu lassen, weil ich auch immer meinen Nachbarn einlade, der Holländer ist. Aber ich habe dann doch nie einen Antrag gestellt.

Manfred Palmen ist nun also Ambassadeur der Euregio. Was ihn jetzt so genau für diese Position prädenstiniert, weiß ich nicht. In der Pressemitteilung steht nur, dass er Mitglied des Landtags ist, aber das wissen wir ja alle hier im Nordkreis Kleve. Vermutlich hat den Ausschlag gegeben, dass Palmen viel herum kommt, gute Kontakte hat und sich sehr für unsere Region einsetzt.

Ich kann mir auf alle Fälle vorstellen, dass Manfred Palmen diesen Posten ganz gut ausfüllen kann. Und ich glaube auch, dass wir nicht befürchten müssen, dass er nun unter der Arbeitsbelastung zusammenbricht. Palmen ist ja hauptberuflich nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern betreibt auch noch eine Rechtsanwaltskanzlei in Emmerich. Das hat er offensichtlich bisher ganz gut mit einander vereinbaren können. Und da der Ambassadeursjob sicher eher so eine „Grüß-Gott-Onkel“-Sache ist, ist er einfach immer dann Ambassadeur, wenn er auch als Landtagsabgeordneter unterwegs ist.

Palmen selbst beschäftigt derzeit allerdings die Frage, ob der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Bodo Wißen aus Rees (Foto) für die Referentenstelle im nordrhein-westfälischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium geeignet ist. Wißen war vor der Wahl von einigen Experten als Kandidat für den Posten des Verkehrsministers gehandelt worden, weil er als verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion so eine gute Figur in den letzten fünf Jahren abgegeben haben soll.

Wißen verpasste bei der Wahl vor einigen Monaten aber den Wiedereinzug in den Landtag und Verkehrsminister wurde dann auch ein anderer SPD-Mann. Wißen drohte die Rückkehr zur Telekom als Sachbearbeiter.Bodo_Wissen_1-55

Aber dann wurde er vor einigen Wochen plötzlich Referent im Ministerium. Zwar in dem Ministerium, in dem auch der Verkehr angesiedelt ist, aber Wißen ist nun für Stadtentwicklung und Denkmalpflege zuständig. Das kann einen schon etwas verwundern.

Und die Frage von Manfred Palmen an die Landesregierung ist sicher zulässig, was den SPD-Mann denn nun zu diesem Posten befähigt?

Der CDU-Politiker vermutet nämlich, dass es sich hier um einen reinen „Versorgungsposten“ für einen SPD-Politiker handelt.

Ich kann mir denken, dass Herr Palmen da auch ganz richtig vermutet. Dass das „richtige“ Parteibuch schon mal ganz dienlich sein kann, ist ja nun kein großes Geheimnis. Das ist ja wohl bei allen Parteien so. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass die FDP einen Grünen-Politiker in der Parteizentrale einstellen würde. Das wäre mit dem Vertrauen etwas schwierig. Denn nur bei den eigenen Leute kann man sicher sein, dass sie keine Interna ausplaudern.

Obwohl ich zugebe, dass das mit der FDP jetzt ein schlechtes Beispiel ist.

Also natürlich würde ich nie behaupten, dass Bodo Wißen einen „Versorgungsposten“ erhalten habe. Ein Ex-Landtagsabgeordneter, der obendrein noch Beamter ist, kann erstmal alles. Das hat mir zumindest mal ein Politiker gesagt.

Und die Kreis Klever Genossen setzen große Hoffnungen auf Bodo Wißen. Er soll wohl mal die SPD-Kreistagsfraktion führen und dereinst auch den Platz von Barbara Hendricks im Bundestag erben. Für die Genossen vielleicht schwer vorstellbar, dass ein Sachbearbeiter bei der Telekom dafür der richtige Mann wäre.

Aber ein Referent der Landesregierung…. Das hört sich schon ganz anders an.

Fast so schön wie Euregio-Ambassadeur.

 

Olaf Plotke, 6. Dezember 2010

 

zirpel

Hans-Josef Zirpel (Foto) hat in Kalkar für Aufregung gesorgt. Mit der Gründung einer Bürgerbewegung gegen die Marktplatzsanierung hat er es sich mit den Damen und Herren in Rat und Verwaltung verscherzt. Und das, obwohl Zirpel immerhin CDU-Mitglied ist und bis vor kurzem sogar als Vorsitzender an der Spitze der CDU Kalkar stand.

Aber dass die Steigerung von Feind eben Parteifreund ist, weiß man ja längst.

Nun, der Herr Zirpel hat also diese Initiative gestartet und damit so großen Erfolg, dass er bereits mehr als 1.200 Unterschriften gegen die Sanierung des historischen Marktplatzes im Kalkarer Rathaus abgegeben hat. Er will, dass der Rat die Bürger selbst entscheiden lässt, ob sie die modernen Lichtstelen oder die alten Lampen haben möchten.

Klar, dass das Bürgermeister Fonck und den Ratsfraktionen nicht so passt, haben sie doch schon alles so hübsch auf den Weg gebracht und entschieden.

Kurz nachdem er nun die Unterschriften im Rathaus abgeliefert hat, tauchen plötzlich in den Medien Berichte über Zirpel auf, die ihn in ein sehr schlechtes Licht rücken. Im Wesentlichen geht es dabei um die Geschäfte Zirpels. Da wird ihm vorgeworfen, er hätte Mieten nicht gezahlt, Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt, Rechnungen geschrieben, obwohl kein Auftrag vorlag und noch einige weitere unschöne Dinge.

Kann ja sein, dass das alles stimmt, aber mit der Bürgerinitiative hat das im Grunde nichts zu tun. Die mehr als 1.000 Bürger haben ja nun nicht wegen Herrn Zirpel unterschrieben, sondern weil sie die Marktplatz-Umgestaltung nicht wollen.

Warum tauchen die Berichte denn nun eigentlich so plötzlich in den Medien auf?

Ich werde mich hüten, darüber zu spekulieren, dass hier vielleicht irgendwer durch eine gezielte Diskreditierung Zirpels die ganze Bürgerinitiative in Verruf bringen will.

Aber es ist doch erstaunlich, was man plötzlich über einen „unbequemen“ Bürger zu lesen bekommt. Immerhin geht es ja um Vorwürfe, die nicht erst von gestern sind, sondern teilweise Jahre zurückliegen. Angeblich ist die erste Anzeige gegen Zirpel, die jetzt bekannt wurde, aus dem Jahr 2008.

Diese und andere Dinge erfährt die staunende Öffentlichkeit also nun nach fast zwei Jahren. Bis Februar 2010 war Zirpel Vorsitzender der CDU Kalkar. Am 2. November startete die Bürgerinitiative ihre Unterschriftensammlung. Am 18. November überreichte Zirpel Bürgermeister Fonck die 1.200 Unterschriften. Am 23. November tauchten erstmals die Vorwürfe über den Geschäftsmann Zirpel in den Medien auf.

Zufall?

 

Olaf Plotke, 30. November 2010

Spielen Sie eigentlich gerne Memory? Sie wissen schon, dieses Spiel, bei dem ganz viele zugedeckte Kärtchen mit Symbolen auf dem Tisch liegen, Sie sich krampfhaft merken, wo welches Symbol liegt und ihr Mitspieler Ihnen zeigt, wie babyeinfach das ist. Und während der Pärchen um Pärchen einsammelt, kocht so langsam aber sicher die Wut in Ihnen hoch, weil sie merken, dass Ihr Gegenüber einfach nicht aufhört mit dem Aufdecken.

Während man am Anfang noch denkt: "Hätte ich auch gewusst", ist man schließlich fassungslos und erschüttert, weil man sich so unsagbar dämlich vorkommt, wenn der Gegner am Ende einen Kärtchenstapel in Wolkenkratzer-Größe auftürmt, um zu messen, wer die meisten Pärchen aufgedeckt hat, obwohl Sie doch genau wissen, dass der "blöde Hund" turmhoch gewonnen hat.

Wenn Sie das Gefühl kennen, wollen sie gegen Dominik Moersen aus Xanten vermutlich nicht Memory spielen. Denn der junge Mann, den Sie hier auf dem Foto sehen, ist Gedächtnistrainer. Ja genau, so ein Super-Merker. gedchtnis_2sp

Einer, der keinen Einkaufszettel braucht und sich eine Wegbeschreibung über 25 Stationen kreuz und quer durch die Großstadt problemlos merken kann. "Jeder kann seinem Gedächtnis Flügel verleihen", verspricht Dominik Moersen jetzt in einer Pressemitteilung. Denn der sympathische Super-Merker erklärt an zwei Abenden bei der VHS in Goch wie auch wir unsere Merkfähigkeit steigern können.

Super, dachte ich - da gehst Du mal hin.

Kalender gezückt, Bleistift in der Hand, wollte ich nun aber den Kurs bei Mister McBrain eintragen. Ging aber nicht, weil er zwar schrieb, dass es sich um zwei Abende handelte, aber nur den ersten Termin mitteilte. Der ist am 1. Dezember. Wann der zweite Abend ist, hat er dann wohl vergessen dazu zu schreiben.

Das erinnerte mich sehr stark daran, dass ich mal auf einer Veranstaltungsmesse (auf der sich Künstler präsentierten, um von Veranstatern gebucht zu werden) auch so einen Gehirn-Jogger getroffen habe, der behauptete den gesamten Brockhaus auswendig gelernt zu haben. Nun gibt es den Brockhaus ja in zig Varianten.

Zur Kommunion bekam ich mal eine schmale vierbändige Ausgabe. Okay, ich würde es nie und nimmer schaffen, die auswendig zu lernen, weil ich mir ja beim Memory nicht einmal dann die Lage eines Pärchens merken kann, wenn ich die Karten vorher markiert habe. Aber egal, also ein Gehirn-Meister, der meinen Kommunion-Brockhaus auswendig gelernt hätte, der hätte mich dann nicht so beeindruckt. Aber dieses Superhirn behauptete, er hätte eine 20 Bände umfassende Ausgabe plus soundsoviele Zusatzbände auswendig gelernt.

Da sagen Sie erstmal nichts und denken sich in der stillen Hinterhältigkeit eines Durchschnittsbürgers: "Na Freundchen, das wollen wir aber mal testen."

Habe ich dann auch gemacht.

Ich näherte mich Doktor Gehirnlappen dann auf die charmante Art: "Wie macht man das denn? 20 Bände? Ich kann mir ja nicht mal merken, wo ich das Taschenbuch hingelegt habe, das ich gestern angefangen habe zu lesen. Und Sie wissen wirklich alles, was da drin steht? Toll. Super. Ich bin ganz von den Socken."

Der Mega-Memorierer tat als würde er ganz schamviolett und brabbelte dann so was in der Richtung von: "Alles eine Frage der Technik. Ich bin jetzt aktuell dabei, auch noch die Britannica auswendig zu lernen."

Das hat ja mal ein amerikansicher Journalist gemacht und ist dann bei der US-Variante von "Wer wird Millionär?" in einer der ersten Runden gnadenlos rausgeflogen.

Also übernahm ich auch mal die Rolle vom Jauch. "Sie kennen also den ganzen Brockhaus - dann könnten Sie mir also so ohne Probleme sagen, an welchem Tag genau John Lennon erschossen wurde?"

Der Merk-Master verzog keine Miene und antwortete trocken: "Natürlich" und wippte dabei so bedeutungsvoll einmal auf den Zehen, was ihn wohl größer machen sollte.

Dann passierte eine kleine Ewigkeit gar nichts.

Ich machte derweil mehrmals so eine nickende Kopfbewegung mit aufgerissenen Augen. Das war natürlich kein Krampf, sondern der körpersprachliche Ausdruck dafür, dass ich von Doktor Obermerker nun die Antwort erwartete, die ich ja kannte.

Nun kommt L wie Lennon vermutlich irgendwo in den Bänden 9-11 vor, tippte ich und hoffte, dass er die jetzt nicht alle im Geiste durchblättern musste.

Als eine weitere Ewigkeit vergangen war, sagte ich höflich: "Das wäre jetzt die günstige Gelegenheit, Ihr umwerfendes Gedächtnis unter Beweis zu stellen."

Aber der Gedächtnis-Profi meint nur kühl: "Das mache ich nie. Ich will mich und mein Können hier ja präsentieren und keine Veranstaltung geben. Wenn Sie solche Fragen beantwortet haben wollen, müssen Sie eine meiner Veranstaltungen besuchen und Eintritt bezahlen."

Das war nett gesagt und ließ darauf schließen, dass er sich betriebswirtschaftliche Vorgänge zumindest besser merken kann als den Todestag von John Lennon.

Ich habe von dem Superhirn dann trotzdem noch einen Prospekt mitgenommen, nach dessen Lesen mir dann klar war, dass er vielleicht besser den Duden auswendig gelernt hätte. Aber was hätte das schon gebracht, wenn er das genauso erfolglos gemacht hätte wie mit dem Brockhaus.

So habe ich nun also zwei Großhirnrinden-Großmeister ein wenig kennen gelernt. Der eine wusste offenbar nicht, wann John Lennon erschossen wurde und der andere hat anscheinend vergessen, das Datum des zweiten Seminarabends in Goch in seine eigene Pressemitteilung zu schreiben.

Mein Tipp: Besser den Brockhaus kaufen und wenn es Sie denn interessiert, selbst mal nachschlagen, wann John Lennon erschossen wurde.

Und wenn Sie wissen wollen, wann der zweite Gedächtnis-Abend mit Dominik Moersen in Goch ist, dann verrate ich es Ihnen hier: am 8. Dezember.

 

Olaf Plotke, 22. 11. 2010

Meine beiden letzten Notiz-Blogs befassten sich ja vor allem mit sprachlichen Sonderbarkeiten und Phänomenen. Das scheint für einige Leser schon auszureichen, um mich zum lokalen Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“) zu machen.

Auf alle Fälle erreichte mich heute die Mail eines treuen Lesers, der mir berichtete, er hätte sich kürzlich mit Freunden über das Wort „billig“ gestritten.

Es ging irgendwie darum, dass er sagte, „billig“ habe einen schlechten Beigeschmack und deshalb wäre es korrekt bei Angeboten zu einem sehr niedrigen Preis von „günstig“ oder „preiswert“ zu sprechen. Die Freunde (Deutschlehrer) hielten dagegen, dass das Erfindungen der Werbeindustrie seien, die nur verschleiernde Wirkung hätten. Und genau deshalb wäre „billig“ nun doch das richtige Wort und würde das Gegenteil von teuer bedeuten.

Mein Leser wurde wohl überstimmt oder die Diskussion verlief zumindest ergebnislos im Sande. Und jetzt soll ich wohl Munition für das nächste Treffen liefern.

Nun bin ich ja kein Sprachwissenschaftler, sondern lediglich ein professioneller „Wörter-Gebraucher“.

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, greife ich auf zwei praktische Ratgeber-Bücher zurück, die in Notlagen eigentlich auf beinahe jede lebenswichtige Frage eine Antwort geben und mit denen man als Journalist ganz gut durchs Berufsleben kommt: Da wären zum einen „Grimms Märchen“ und „Grimms Wörterbuch“ aus dem 19. Jahrhundert.

Ich lese da, dass „billig“ sich im Deutschen eigentlich „billich“ schreibt, aber das die Endung „ch“ aus Gründen, die heute keiner mehr kennt, zum „g“ wurde. Also ein Schreibfehler, der sich durchgesetzt hat.

Aha. Das ist ja mal was für die nächste Cocktailparty.

Aber was bedeutet „billig„ oder „billich“ denn nun genau? „Dem Rechte der Natur, oder der im Innern, im Gewissen, empfundenen Verbindlichkeit gemäß."

Klingt irgendwie hübsch und intelligent, hilft aber auch nicht recht weiter.

Ich finde schließlich diese Erklärung: „In der engsten Bedeutung wird dieses Wort im Handel und Wandel häufig gebraucht für mäßig; besonders von der Bestimmung des Werthes einer Waare. Ein billiger Preis, der so wohl dem Werthe der Waare, als auch den übrigen Umständen angemessen ist."

Das hört sich alles andere als günstig an.

„Billig“, so erfahren ich noch, kommt vom Wort „bill“, was wir aus dem Geschichtsunterricht noch von der „Bill of Rights“ aus dem Jahr 1689 kennen, das Gesetz der Rechte.

Und die älteren Leser dieses Blogs kennen sicher auch noch das Wort „Unbill“. Wenn einem dies widerfährt, dann geht es alles andere als gerecht oder billig zu.

Also, wenn ein braver Händler eine Ware billig anbietet, dann zu einem durchweg gerechten Preis.  Sie haben billig eingekauft, wenn Sie nachher zu Hause verkünden: "Da kannst Du echt nicht meckern!" oder "Da kannst Du nix sagen!"

Schön, so ein Ausflug in die Geschichte der Sprache macht viel Spaß. Aber was nützt uns das jetzt?

Wie immer wenig.

Eine praktische Anwendung ist mir dann doch eingefallen und ich habe Sie meinem Leser auch gleich mit auf den Weg gegeben. Ich riet ihm, seinen Freunden zu sagen, er würde sich um den Weinkauf für das nächste Treffen kümmern, wenn sie denn die Kosten tragen würden, weil er einen Händler gefunden hätte, der einen absolut billigen Chateau Lafite Rothschild von 1993 anbietet (Die Flasche kostet so um die 900 Euro). Könnte allerdings sein, dass ihm dann eine gewisse Unbill widerfährt…

Olaf Plotke, 16. November 2010

Heute kam in der Redaktion eine Pressemitteilung des Kreises Kleve mit folgender Überschrift an: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer zum Deutschunterricht“ (Kein Scherz – ehrlich!)

Ich finde es immer gut, wenn sich unsere Lehrer weiterbilden, weil das letztlich vorteilhaft für die Schüler ist. Allerdings war ich bislang auch davon ausgegangen, dass alle Lehrer so gut ausgebildet sind, dass sie bereits lesen können.

Können sie wohl auch.

Denn nach dem Lesen der Pressemitteilung war dann klar, dass es hier nicht darum geht, den Lehrern das Lesen beizubringen, sondern ihnen ein paar gute Tipps und Anregungen für ihren Deutsch-Unterricht zu geben. Und ein Hauptaugenmerk liegt dabei eben auf der Leseförderung.

Das finde ich richtig, weil man als Journalist ja irgendwie auch an die Zukunft denkt und hofft, dass auch künftige Generationen noch gerne und häufig den Kurier am Sonntag aufschlagen und Spaß an Angeboten wie diesem Blog hier haben.

Umso erstaunlicher ist dann aber die Bezeichnung unter der diese Weiterbildung für Lehrer stattfindet: DeutschTag.

Ja, sie lesen richtig – DeutschTag, genau so seltsam und falsch geschrieben wie es hier steht.

In den Jahren 2008 und 2009 gab es bereits den EnglischTag und den MatheTag. Aber das macht es ja auch nicht besser.

Da beklagen Lehrer in der ganzen Republik, dass die Kinder sich durch SMS und E-Mail ihre Schriftsprache verderben und dann bilden wir die Lehrer im Rahmen einer Veranstaltung weiter, deren Bezeichnung schon so fehlerhaft ist, dass man doch ernsthafte Zweifel an der Qualität der Weiterbildung hegen kann.

Aber diese Zweifel sind wohl nicht angebracht, weil die Organisation der Weiterbildung, die in der Pressemitteilung dann natürlich auch noch „FortbildungsTag“ genannt wird, in den Händen eines Kompetenzteams lag, das seltsamerweise nicht KompetenzTeam geschrieben wird. Leiter ist auf alle Fälle der Schulamtsdirektor (oder vielleicht doch SchulAmtsDirektor?) Hans-Hermann Buyken, der hoffentlich nicht daran schuld ist, dass man in seinem Namen die deutsche Sprache so verhunzt.

Ich weiß natürlich wie gut unsere Beamten ausgebildet sind und kann mir deshalb nur vorstellen, dass hier ein böser Zauber am Werk ist, der auf unsere Verwaltungen wirkt und den Bindestrich weghext. Denn das Verschwinden des Bindestrichs hat auch in anderen Behörden eingesetzt.

So gibt es in Uedem nämlich ein BürgerBüro, in Wuppertal die EnergieAgentur, in Kleve die TouristInfo und ganz schlimm wirkte sich der böse Zauber auf die Touristen-Information in Emmerich aus: Die heißt nämlich jetzt infoCenterEmmerich. Das ist natürlich totaler Mumpitz, weil hier nicht nur der Bindestrich fehlt, sondern auch noch der Wortanfang mit einem kleinen i geschrieben wurde. Aber mir geht es jetzt mal nur um den Bindestrich.

Man liest ja immer wieder, dass die Menschen sich nicht mehr binden wollen. Deshalb haben die Vereine und Parteien weniger Mitglieder und angeblich steigen darum auch die Scheidungsraten. Aber das sich das jetzt auch auf den Bindestrich auswirkt...

Kann nicht mal jemand eine FacebookGruppe gründen zur Rettung des BindeStrichs?

OlafPlotke15November2010

babybroschre_KopieDie intelligentesten Babys müssen definitiv in Kleve wohnen.
12. November 2010