Viele treue "Notiz-Blog"-Leser wollen den Barcelona-Sitzgruppen (Foto) aus der Stadthalle Kleve ein neues Zuhause geben, denn sie fürchten, dass die Stadt Kleve sie "entsorgt", wenn nach dem Eingangsbereich bald auch das Innenleben der Stadthalle erneuert wird. Deshalb haben sie von großer Sorge getrieben, dem Kulturamt der Stadt schon mal mitgeteilt, dass sie bereit sind, die Sitzgruppen zu kaufen. barcelona1

Es ist schön, dass es außer mir noch andere Menschen gibt, die die für viele Besucher vielleicht unscheinbaren Sessel ebenfalls lieb gewonnen haben, und nicht wollen, dass sie so einfach "mir nichts, dir nichts" womöglich in einem Müllcontainer verschwinden, weil im Rathaus der ideelle Wert nicht erkannt wird.

Doch diese Gefahr droht nun ja wohl nicht mehr.

Denn Stephan Derks vom Klever Kulturamt fand heute nämlich in seinem E-Mail-Postfach gleich mehrere Mails kaufinteressierter "Notiz-Blog"-Leser vor. Wie es sich für einen korrekten Stadtverwaltungsmitarbeiter gehört, schrieb er allen eine Antwort.

Hier der Wortlaut der Mail, die die Kaufinteressenten erhalten haben:

"Vielen Dank für Ihre E-Mail. Allerdings scheint da etwas missverstanden worden zu sein, da ich derzeit nicht beabsichtige, die aus den 60er Jahren stammende Sitzgruppe zu veräußern. Der Ordnung halber möchte ich allerdings darauf hinweisen, das es sich bei den in Rede stehenden Sitzgruppen um Originale handelt, für die mir Preise in Höhe von mehr als 3.500,00 Euro angeboten wurden.
Mit freundlichen Grüßen
Stephan Derks"

Der flüchtige Leser kommt jetzt womöglich auf den irrigen Gedanken, dass das Kulturamt die Designer-Sessel von Ludwig Mies van der Rohe gar nicht verkaufen will. Doch der geschulte "Notiz-Blog"-Leser erkennt sofort, was Stephan Derks wohl wirklich mit der Mail erreichen will: Nämlich die Gebote heftig nach oben treiben!

Nach meinen Informationen lag das Höchstgebot, das bei ihm einging, gerade einmal bei 12 Euro pro Sessel. Ein Witz, wenn man bedenkt, was die Designer-Möbel kosten!

barcelona3Stephan Derks ist nicht nur Mitarbeiter des Kulturamtes, sondern auch Journalist (mit offiziellem Presseausweis) und offensichtlich ein gewiefter Zocker. Sein Plan sieht m.E. so aus: Die Designer-Sitzgruppen sollen höchstbietend verkauft, aber nicht verschleudert werden. Er nennt ja selbst den Preis, den er wohl erwartet: "mehr als 3.500,00 Euro"!

Vielleicht stimmt es sogar, dass ihm (wie er behauptet) Preise in dieser schwindelerregenden Höhe geboten worden sind, aber er hat mir gegenüber erklärt, keine Warteliste der Kaufinteressenten zu führen.

Für alle, die die schicken Mies van der Rohe-Sessel vielleicht mal ihr Eigen nennen wollen, bleibt es wohl angezeigt, das Interesse weiter offiziell zu bekunden. Es geht um acht Sessel, zwei Hocker und zwei Glastische. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Herr Derks die Sessel auch zu einem deutlich geringeren Preis verkauft, wenn er sicher sein kann, dass sie "in gute Hände" kommen. Vielleicht sollten Sie das bei Ihrer nächsten Mail an ihn nochmal deutlicher zum Ausdruck bringen und nicht nur einfach ein "popeliges" Gebot schicken. Hier also nochmal die E-Mail-Adresse von Stephan Derks, falls Sie ihm schreiben möchten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Will er nur den Preis für die Designer-Sitzgruppen nach oben treiben? Es sieht ganz danach aus. Stephan Derks (Foto) vom Klever Kulturamt im neuen Stadthallen-Foyer.

Olaf Plotke, 21. Februar 2011


stadthallenfoyerHaben Sie es schon gesehen? Die Klever Stadthalle hat ein neues, sehr edles Foyer. Wer am Wochenende die Schwanenfunkersitzung besucht, wird erstmal sehr staunen. Allerdings muss ich sagen, dass nun noch mehr auffällt wie sehr die eigentliche Stadthalle (von 1965) doch "in die Jahre gekommen ist". Sichtbarstes Symbol ist wohl der Fußboden mit der Fernsehbildstörung-Anmutung (siehe Foto unten) - obwohl der ja eigentlich fast schon wieder Kult ist!

Genauso wie die zwei Sitzgruppen (siehe ebenfalls Foto unten), die im alten Foyer stehen, das nun, ja was ist das denn nun eigentlich?

Ist ja auch egal. Auf alle Fälle soll auch das irgendwann mal neu gemacht werden. Der kultige Fußboden kommt dann wohl weg. Und die Sitzgruppen? sitzgruppe_stadthalle

Wenn Sie jetzt denken, "Ach, so ´ne olle Ledergarnitur will doch keiner mehr haben", dann täuschen Sie sich. Das ist nämlich nicht irgendeine Sitzgarnitur - es handelt sich hier um die berühmten Barcelona-Sessel von Design-Legende Ludwig Mies van der Rohe. Der hat den Sessel für den deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 entwickelt. Neuwertig kostet so ein Sessel schon mal locker 1.000 Euro und der Barcelona-Hocker (links im Bild) um die 600 Euro. Deshalb haben einige ganz clevere Klever beim Kulturamt der Stadt Kleve schon mal Interesse am Ankauf der Sessel bekundet. "Die könnten wir gleich mehrfach verkaufen", verriet mir Stephan Derks vom Kulturamt. Vermutlich wären die auch deshalb so begehrt, weil da in den vergangenen Jahrzehnten sicher die gesamte Klever Lokalprominenz mal drauf Platz genommen hat und sicher auch der ein oder andere Minister und "Promi", der seit 1965 mal die Stadthalle besuchte.

Laut Wikipedia sind es übrigens vor allem Rechtsanwälte und Ärzte, die sich diese Sessel kaufen, um sie dann in ihre Wartezimmer zu stellen.

Apropos Warten: Stephan Derks hat mir verraten, dass er sogar eine Warteliste für die Kaufwilligen führen könnte. Führt er aber nicht. Also, wer sich da bislang gemeldet hat und nun glaubt, er würde bei einem Verkauf zum Zuge kommen, bekommt die Garnitur so oder so nicht, weil das eben nirgends schriftlich festgehalten wurde. Pech gehabt. Aber Glück für alle anderen.

Wenn Sie also Arzt oder Anwalt sind und sozusagen schon mal schriftlich Interesse an den Designer-Sesseln anmelden wollen, dann schreiben Sie ganz schnell direkt an Stephan Derks und setzen Sie sich selbst ganz oben auf die Warteliste, die Sie damit auch gleich selbst eröffnen. Hier seine Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Geht natürlich auch, wenn Sie weder Anwalt, noch Arzt sind oder nur einen erschwindelten Doktortitel führen!

Olaf Plotke, 18. Februar 2011

Heute wird der Emmericher Stadtentwicklungsausschuss vermutlich die Einkaufscenterpläne des Immobiliengiganten ITG (hat leider keine Website, deshalb keine Verlinkung möglich) für die Rheinstadt beerdigen. Sicher kein schöner Termin für ITG-Projektentwickler Helmut Berends, der sicher gerne so nahe an seiner Heimatstadt Goch ein großes Einkaufszentrum entwickelt hätte. Aber die Stadtverwaltung gewährte uns Journalisten heute schon mal einen Einblick in die Analyse der Innenstadtexperten von Junker und Kruse aus Dortmund. Und diese Analyse fällt für ITG, gelinde gesagt, vernichtend aus.

Junker und Kruse sind als Einkaufscenter-Kritiker bekannt und ließen bereits in der letzten Ausschusssitzung im November durchblicken, dass das ITG-Center nicht der „Maßanzug“ für die Innenstadt ist, den Emmerich braucht.

Jetzt bekommt die ITG dieses Gesamturteil schwarz auf weiß, bzw. grün auf rot. Denn in der Gegenüberstellung der Centerpläne von ITG und Welasa wurden die Pluspunkte grün und die Negativpunkt rot markiert. Bei der ITG ist fast alles rot, teilweise sogar mit einem Doppel-Minus versehen. Dagegen Welasa: Alles grün, nur einmal gabs bei einem unwichtigen Nebenpunkt nur eine neutrale Bewertung (siehe Grafik aus dem Vortrag von Junker und Kruse, der heute vor dem Stadtentwicklungsausschuss gehalten wird).

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Aber man muss sich nichts vormachen: Auch das kombinierte Wohn- und Einkaufsobjekt, das Welasa (hat auch keine Website) realisieren möchte, ist nur im Vergleich zu dem ITG-Megacenter gut. Ich bin gespannt, ob Rolf Junker heute im Ausschuss ihm tatsächlich das Siegel „Maßanzug“ verleihen wird. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.

Denn es erscheint nach dem, was man bisher weiß doch ein ziemlich langweiliger Bau zu werden. Ob es gelingt mit ein paar Wohnungen, einem Lebensmittelmarkt und einem Elektronikanbieter die abfließende Kaufkraft in der Rheinstadt zu halten, daran kann man schon zweifeln.

Bitter für die ITG: Sie war wohl einfach zu sehr davon überzeugt, den Rat „schon in der Tasche zu haben“. Denn die anfängliche Euphorie für das 30 Millionen Euro-Projekt war groß unter den Ratsvertretern. Doch dann präsentierten sich die ITG-Profis wohl als ziemlich unbeweglich. Von der gigantischen Verkaufsfläche von über 9.000 Quadratmetern wollte man wohl partout nicht abrücken, wie der Erste Beigeordnete Dr. Stefan Wachs heute verkündete: „Wir haben mit der ITG über unsere Kritikpunkte versucht zu sprechen, um da eine Bewegung zu erzielen, aber die Bewegung war nicht sehr durchgreifend.“ Im Grunde passierte genau das, was ITG-Projektentwickler Berends schon im Gespräch mit dem Kurier am Sonntag hatte durchblicken lassen: „Unter diese Größe können wir nicht gehen“, hatte er gesagt. Allerdings war damals nur von 8.000 Quadratmetern die Rede. Dass es jetzt sogar noch mehr als 1.000 mehr sein sollten, ist schon ziemlich heftig. Hat die ITG hier etwa bewusst versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen?

So richtig negativ ins Kontor haute dann auch noch, dass die Investoren sich noch gar nicht die Grundstücke für ihre Projekte gesichert haben. Ein Anfängerfehler, der besonders die ITG ins Aus manövrierte, weil ihr Center nur gebaut werden kann, wenn sich tatsächlich alle Grundstücke in den Händen des Centerentwicklers befinden. Dagegen Welasa: Das kann, zumindest zum Großteil, auch nur auf den städtischen Flächen gebaut werden. Nur Welasa garantiert Emmerich also, dass die "klaffende Innenstadt-Wunde" (Zitat Dr. Wachs) auch tatsächlich geschlossen wird.

Die heutige Ausschusssitzung ist natürlich noch nicht das endgültige Aus für die ITG. Es wird noch eine öffentliche Bürgerbeteiligung und natürlich den Ratsbeschluss im Mai geben. Doch nach dem Urteil, das das Planungsbüro Junker und Kruse gleich im Ausschuss sprechen wird, ist m.E. nicht mehr mit einer Realisierung des 9.000 m²-Klotzes der ITG zu rechnen. Der „Angriff auf die City“ (Buch von Rolf Junker) durch dieses Einkaufszentrum bleibt also aus.

 

Meine Leser bekommen jetzt und hier schon die wichtigsten Folien zu Gesicht, die die Ausschussmitglieder erst um 17 Uhr zu sehen bekommen:

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(Copyright: Junker & Kruse, Dortmund)

 

Olaf Plotke, 15. Februar 2011

Gestern lud der Agrarausschuss der Kreis Klever CDU zu einer Pressekonferenz in die Alte Schule nach Bedburg-Hau-Huisberden. Der Anlass war, dass der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Deppe (Foto), einen Tag lang durch den Kreis Kleve gefahren war und unsere Landwirte besucht hatte. Die Erkenntnisse aus dem Besuch sollten dann der Presse mitgeteilt werden. Es war eine ziemlich zähe Pressekonferenz, weil der Deppe nicht so richtig vorbereitet wirkte und wir Journalisten ihm die Themen schon ziemlich „aus der Nase ziehen mussten“. So habe ich das zumindest empfunden.

Er hat dann irgendwas von diversen Gänsearten erzählt, die sich hier am Niederrhein auf den Feldern niederlassen und den Bauern die Saat und Ernte wegfuttern. Das hört sich jetzt für den Nicht-Landwirt vielleicht ulkig an, aber es scheint doch ein ernsthaftes Problem zu sein, denn die Gänse sind so hungrig, dass die so ein Feld auch schon mal ratzekahl leerfressen. deppe

Da hört die Tierliebe dann natürlich auf. Deshalb soll die Landesregierung jetzt erlauben, die Gänse abzuschießen oder zumindest, dass die Landwirte ihnen die Eier klauen dürfen.

Da nun das Stichwort „Eier“ einmal gefallen war, lag es nahe, dass der CDU-Agrarexperte dann auch noch mal was zum Dioxinskandal sagen würde. Und das tat er dann auch.Er erklärte, dass der Verbraucher sich darauf verlassen können muss, dass die Lebensmittel im Supermarkt sicher und einwandfrei sind.

Genau. Das finde ich ja auch.

Leider nützen einem Gesetze natürlich wenig, wenn da eine Firma ist, die sie bewusst bricht. Diebstahl ist ja auch verboten und kommt leider immer wieder vor. Schlimmere, ebenfalls verbotene Dinge auch.

Das weiß der Deppe natürlich auch und forderte deshalb gestern, dass Kriminelle nicht in der Lebensmittelindustrie arbeiten dürften.

Dann schob er noch diesen Satz hinterher: „Einer der Geschäftsführer dieser Firma (die für den Dioxinskandal verantworlich sein soll – Anm. d. Verf.) soll ja Stasi-Mitarbeiter gewesen sein!“

Aha. Was soll uns das denn nun sagen?

Der Anti-Kommunismus-Reflex von Konservativen ist mir natürlich wohl bekannt. Allein, ich verstand nicht, was nun der Dioxin-Skandal mit der angeblichen Stasi-Tätigkeit eines möglichen „Dioxin-Panschers“ zu tun haben könnte. Deppe erklärte es mir dann und wenn ich ihn richtig verstanden habe, sollte seine Bemerkung bedeuten, dass ein Stasi-Mitarbeiter eben ein Krimineller ist (oder war). Und solche Leute gelte es halt aus der Lebensmittelindustrie fernzuhalten, weil ein Krimineller eben kriminelle Sachen macht, z.B. Dioxin-belastete Futtermittel verkaufen.

Ich stellte fest, dass das dann natürlich auch für  Steuerhinterzieher gelten müsse, die ja nun ganz bewusst die Allgemeinheit schädigen und denen man nach diesem Prinzip auch viele schlimme Dinge bei Lebensmitteln unterstellen könnte.

Aber die fielen für Deppe dann doch irgendwie nicht unter die Kriminellen von denen Gefahr für unsere Lebensmittel ausgehen.

Schuld sind vermutlich die Kommunisten. So soll man wohl eine Twitter-Meldung von dem Deppe verstehen. Hier der Originalinhalt seiner Meldung (von Deppe am 21. Januar um 7.33 Uhr höchstselbst verfasst und von mir nicht abgeändert oder verkürzt): „Dioxin-Skandal. Chef der Pascher-Firma ist offenbar Ex-Stasi-Mitarbeiter. Stammt das ´Dioxin-Ei´ etwa von den Linken? Kampagne mit Ansage?“

Was soll man dazu noch sagen…

Vielleicht, dass sich Pascha mit zwei A schreibt!

 

Olaf Plotke, 8. Februar 2010

 

 

Nach meinem zugegeben sehr kritischen Notiz-Blog über den Neujahrsempfang der Kreis Klever Grünen wurde ich von einem wichtigen Lokalpolitiker belehrt, dass man nicht negativ über Veranstaltungen berichten dürfe, zu denen man eingeladen ist. Warum nicht? Weil man das als Gast eben nicht macht.

Ich nehme mir solche Ratschläge natürlich zu Herzen und berichte deshalb nur Gutes vom Neujahrsempfang der FDP Emmerich, bei dem ich heute war.

Im Kolpinghaus in Emmerich-Elten freuten sich rund 50 Gäste auf den Auftritt des neuen FDP-Landesvorsitzenden Daniel Bahr (Foto), der auch Staatssekretär im Gesundheitsministerium ist. Der hielt eine Rede, die er zuvor schon auf Neujahrsempfängen in Düsseldorf, Kaarst und Heinsberg gehalten hatte. Vermutlich konnte er sie deshalb auch auswendig.

Wer also heute nicht dabei war, kann sich einfach das Video auf Bahrs Website oder bei YouTube angucken (hier klicken)– da hält er die (fast) gleiche Rede halt in irgendeiner anderen Stadt. Aber: In dem Video sieht man, dass Bahr immer mal wieder auf sein Manuskript gucken muss. In Emmerich-Elten hat er heute komplett frei geredet. Super! bahr1

Der Landesvorsitzende ehrte dann noch zwei langjährige Parteimitglieder, die als Geschenk u.a. französischen Rotwein bekamen. Bahr erzählte da noch schnell eine Anekdote. Er hat nämlich in seinem Büro ein Rezept aus dem Jahr 1926 hängen, auf dem einem Patienten als Medizin eine Flasche französischer Rotwein verschrieben wurde. „Aber ich muss Sie enttäuschen“, beeilte sich Bahr hinterher zu schieben. „Das wird in Deutschland heute nicht mehr kommen, dass Sie Wein auf Rezept bekommen.“ Ich dachte mir nur, dass man ja bekanntlich nie „nie“ sagen sollte, denn vielleicht kommen die Winzer ja mal auf die Idee, sich ein Vorbild an der Hotellobby zu nehmen.

Der Emmericher FDP-Chef Christof Kukulies (Foto unten) machte am Ende des offiziellen Teils dann noch einen brillanten, wenn auch sehr schwarzhumorigen Scherz, den aber außer mir glaube ich keiner so recht verstanden hat, ich habe außer mir zumindest niemanden lachen sehen. Kukulies empfahl allen Gästen nämlich noch ausdrücklich, FDP-Einkaufswagenchips mitzunehmen. Besser kann man sich eigentlich nicht mehr selbst auf den Arm nehmen. chip

Christoph Kukulies mit einer "pfiffigen Idee"!

 

Olaf Plotke, 6. Februar 2011

Es hätte so schön sein können.

Die Stiftung Museum Schloss Moyland hatte Journalisten gestern zur Jahrespressekonferenz in das Restaurant „Alte Post“ in Moyland eingeladen, um dort das Jahresprogramm vorzustellen und um einfach den Kontakt zu den Medien zu verbessern. Das macht man so. Vor allem, wenn man wie Schloss Moyland gute Presse dringend nötig hat. Da traf es sich gut, dass auch eine Kollegin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus Düsseldorf anwesend war.

Das Ambiente edel, das Essen lecker, die Museumsleitung vollzählig, Fördervereins-Chef Hans Geurts gut gelaunt und die Journalisten freundlich – alles Zutaten für einen perfekten Abend aus Museumssicht. Es sollte anders kommen.

Erst berichtete Moyland-Verwaltungschef Johannes Look, dass in Moyland wegen des Umbaus die Besucherzahlen eingebrochen sind – knapp 100.000 weniger. Aber Look – ganz Kommunikationsprofi – drehte das ins Positive: „Das zeigt uns, dass die Menschen sich vor allem für die Sammlung interessieren und das stimmt uns optimistisch, dass die Zahlen mit der Wiedereröffnung im September wieder deutlich anziehen werden.“ Das ist einleuchtend und lässt Moyland im guten Licht dastehen. Kein Journalist widersprach. Dann stellte Museumsdirektorin Dr. Bettina Paust das Jahresprogramm vor und gab einen ersten Ausblick auf die Neugestaltung des Museums. Bis dahin alles gut. Wir Journalisten waren froh über die Appetithäppchen, die man uns hinwarf und der Museumsleitung sah man die Freude darüber an, dass es Ihnen nun schon seit Monaten gelingt, die Spannung hoch zu halten.

In dieser schönen Seligkeit meldete sich dann Hans Geurts zu Wort. Der ehemalige Bürgermeister von Bedburg-Hau ist Vorsitzender des Fördervereins, der das Museum Schloss Moyland immerhin mit sechsstelligen Beträgen Jahr für Jahr unterstützt. Ein wichtiger Mann also. Und der sorgte dann für einen handfesten Eklat. geurts2

Er setzte mit diesem Satz zu einem Rundumschlag an, der dafür sorgte, dass Dr. Bettina Paust und Johannes Look zwischenzeitlich und offensichtlich stinkesauer den Saal verließen: „Der Vorstand des Fördervereins macht sich Sorgen, dass Moyland in der hiesigen Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird.“ Das hat natürlich auch wirtschaftliche Folgen für das Museum, denn wenige Besucher bedeuten geringe Einnahmen. Geurts ist der Ansicht, dass der Einbruch der Besucherzahlen des Museums im letzten Jahr (auf 37.000) sehr bedenklich ist und kennt natürlich auch die Gründe dafür.

Ganz oben auf der Liste: die Kunst (also Beuys), denn die stößt die Besucher ab. Sein Vorschlag: Auch regionale Künstler im Schloss Moyland ausstellen. „Auch wenn das die Museumsleitung nicht so gerne hört: Man sollte diese typisch niederrheinischen Künstler nicht von Moyland fernhalten“, sagte Geurts und hatte zumindest mit dem ersten Satz recht.

Nein, das hörte Dr. Paust wirklich nicht gern. Denn Moyland will ein Museum von Weltrang sein und kein Ort, an dem Hobby-Künstler ihre Aquarellversuche präsentieren.

Doch Geurts wischte alle Einwände von Paust einfach vom Tisch: „Mit Moyland identifizieren die Menschen hier ein Schloss, dass auch eine Geschichte hatte, bevor Beuys hier einzog.“ geurts3

Klar, dass Dr. Bettina Paust an diesem Punkt innerlich kochte und zwar so stark, dass alle Anwesenden das merkten. Geurts legte in aller Seelenruhe noch mal nach: „Ich bin kein Kunsthistoriker, sondern Pragmatiker!“ Das sollte den Journalisten vermitteln, dass er sich nicht vom schönen Schein ablenken lässt, sondern nur an den wichtigen Dingen interessiert ist, nämlich am Geld. Und das kommt nach Geurts nur dann in die Kasse, wenn es dem Museum gelingt, möglichst viele Menschen anzulocken. So weit, so gut – wer will da widersprechen?

Aber ob das mit Ausstellungen von regionalen „Künstlern“ gelingt, darf man bezweifeln. Aber vielleicht kommt von Geurts ja auch bald noch der Vorschlag ein paar Karussells im Schlossgarten aufzustellen oder überhaupt gleich Hennie van der Most (Wunderland) mit der Neukonzeption des Museum Schloss Moyland zu beauftragen. Dann würde zumindest die Kasse klingeln…

Dr. Paust war auf alle Fälle auf 180. Und als die Museumsleiterin ihm dann deutlich widersprechen wollte, fuhr Geurts ihr über den Mund: „Darüber müssen wir hier nicht diskutieren!“ Rumms – da war er wieder, der alte Bürgermeister Hans Geurts, dem man nicht widersprechen kann und sollte. geurts1

Paust und Look verließen den Raum. Geurts berichtete den fassungslosen Journalisten dann noch, „dass die (die Museumsleitung – Anm. d. Ver.) seit Jahren vergeblich versuchen mich an Beuys ranzuführen. Van Gogh – das ist für mich Kunst.“

Hans Geurts muss man unterstellen, dass er wusste, was er da tat. Er blamierte mit Dr. Bettina Paust eine angesehene Museumsdirektorin und Kunsthistorikerin von Format nicht nur vor Lokaljournalisten, sondern auch vor einer Kollegin der Deutschen Presse-Agentur, die es in der Hand hat, allen kulturinteressierten Journalisten auf der ganzen Welt diesen Dissens mitzuteilen. paust

Die Verantwortlichen in Moyland klagen oft und öffentlich darüber, dass Beuys-Witwe Eva ihnen „Stolpersteine in den Weg legt“. Gestern offenbarte sich, dass sich die Moyländer auch gerne selbst ein Bein stellen.

Aber egal ob wegen der Stolpersteine oder der gestellten Beine – so kommt man nicht vom Fleck oder zumindest nur ein kleines Stück und fällt dabei auf alle Fälle auf die Nase.

Olaf Plotke, 2. Februar 2011

Nota Bene (22. November 2011): Ich habe meine Meinung über das Auftreten von Hans Geurts und sein damaliges Anliegen übrigens mittlerweile grundsätzlich geändert und bin zu einer komplett anderen Bewertung gekommen. Aus dokumentarischen Gründen lasse ich den obigen Notiz-Blog trotz, bzw. gerade wegen meines Sinneswandels hier stehen. Bitte lesen Sie meine aufrichtige Entschuldigung an Hans Geurts. Mit einem Klick gelangen Sie dorthin.