Wie gut kennt Helmut Linssen Sherlock Holmes?Blauer Himmel, wundervolle Traumstrände, eine Jahresdurchschnittstemperatur von 27 Grad und eine Bevölkerung, die zu 80 Prozent katholisch ist - oh, wie schön ist Panama!

Aber der schönste Urlaub macht wenig Freude, wenn das nötige Kleingeld fehlt. Wer kann, kann natürlich mit seinem guten Namen bezahlen, aber wenn man Helmut Linssen heißt, ist es vielleicht besser, sich üppig mit Bargeld auszustatten. Und weil unser ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter Helmut Linssen ein echter Finanzblitzmerker ist, hat er genau das gemacht.

800.000 Mark (also echt echtes Geldes) soll er laut dem Magazin „Stern“ in einem Trust mit dem hübschen Namen „Longdown Properties Corp.“ in Panama gebunkert haben. Longdown ist ein kleines Kaff in Devon/England und so langweilig wie man sich ein langweiliges englisches Kaff eben so vorstellt. Bei Wikipedia gibt es ein erschütterdnes Foto, das das traurige Zentrum von Longdown zeigt. Ein Bild wie von de Chirico - trostlos, leer, beklemmend. Man sieht den örtlichen Autohändler, der „Springfield Motors“ heißt und den Pub „Lamb Inn“, beides liegt offensichtlich an einer Durchgangsstraße. Man will wohl vor allem schnell weg, wenn man in Longdown ist. Vermutlich ist es besser tot zu sein als hier leben zu müssen.

Was bei Wikipedia nicht über Longdown steht, aber der klassisch-humanistisch gebildete Kontinentaleuropäer natürlich weiß: Longdown kommt in Arthur Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“ vor. Da findet nämlich Doktor Mortimer einen prähistorischen Schädel. Und das erfüllte ihn, so berichtet es uns Dr. Watson, bzw. Arthur Conan Doyle, „mit großer Freude“.

Dieser Dr. Mortimer ist der Testamentsvollstrecker des auf so grausame Weise vom Hund von Baskerville dahingerafften Charles Baskerville. Und dieser Dr. Mortimer ruft Holmes und Watson zu Hilfe, um den Letzten der Baskervilles zu schützen.

Helmut Linssen beweist also durchaus seinen Hang zu feiner Ironie, wenn er sein in Panama gehortetes Vermögen und die berühmteste Sherlock Holmes-Erzählung mit einem literarischen Ariadne-Faden verbindet. Aber die Sucht nach Lob und Anerkennung für geniale Pläne haben schon viele Genies zu Fall gebracht. Und Helmut Linssen will wohl, dass wir in diesem panamaischen Wirtschaftskrimi sein schöngeistiges Genie erkennen.

Wir erinnern uns wie er die Stern-Recherche bestätigte: „Oh Gott. Oh Gott, oh Gott. In grauer Vorzeit. Tja.“ In grauer Vorzeit.

Wir erinnern uns auch: Was fand Dr. Mortimer in Longdown? Einen Vorzeit-Schädel.

Sherlock. Baker Street. Polizei.Des Rätsels Lösung liegt nun praktisch offen vor uns. Deduzieren Sie, Watson!

Dr. Linssen setzt sich wohl mit Dr. Mortimer gleich, dem Testamentsvollstrecker. Er ist der Mann, der im Grunde das Geschlecht der Baskervilles rettet, diese vom Aussterben bedrohte Sippe, indem er Holmes engagiert.

Wen aber rettete Dr. Linssen? Vielleicht die Landes-CDU? Wer weiß. Fest steht nur, dass kurz nachdem Linssen 2004 das Konto in Panama auflöste, der CDU der Triumph bei der NRW-Landtagswahl gelang und Linssen Finanzminister wurde.

Freispruch für Helmut Linssen also?

Eine unschöne Wendung gibt es noch, die der Schöngeist Linssen sicher auch kennt. Der französische Literaturwissenschaftler Pierre Bayard hat nachgewiesen, dass der große Detektiv dereinst irrte und weder Stapleton noch der Hund die Mörder der Baskervilles waren. Sein eindrucksvoller Beweisgang heißt „Freispruch für den Hund von Baskerville“.

Aber wer  ist dann der wahre Täter? Die Antwort: Es ist eine Frau.

Helmut Linssen hat als Einziger den Niedergang des Kabinetts Rüttgers überstanden und einen neuen, wichtigen Posten ergattert. Er ist jetzt Schatzmeister der Bundes-CDU. Er ist „der Mann, dem Angela Merkel vertraut“, wie der "Stern" schreibt. Und wir ahnen warum...

„Uns geht es gut“, sagte der kleine Tiger, „denn wir haben alles, was das Herz begehrt.“

Olaf Plotke, 5. Februar 2014

Kommentare   

#1 Wim Heuvens 05.02.2014 12:25
Ich glaube, Helmut Linssen hat das Geld dort geparkt, um unverzüglich und direkt im Falle einer Nachfrage von seiten der Armen in Mittel- und Südamerika das Geld vor Ort zu haben .... um zu helfen. Denn ... er ist ja bekennender (Amtskirchen-)Christ. Oder sind das vielleicht garnicht die Christen, die Jesus wollte?
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#2 B.R. 05.02.2014 14:46
Ich warte schon gespannt auf den NRW Wahlkampf:
CDU Schatzmeister Helmut Linssen stellt den Bürgern das neue Jedermann Steuersparmodell der Union vor:
Das Vermögen wird auf ausländischen Konten der Bahamas oder Panamas eingezahlt.
Diese Konten zeichnen sich dadurch aus,
dass keine Zinsen gezahlt werden;
also braucht auch nichts versteuert werden.

Sie brauchen sich auch keine Mühe machen,
dem Fiskus irgendetwas mitzuteilen;
da keine Erträge erwirtschaftet werden,
haben Sie auch keine Offenlegungspflichten gegenüber dem Finanzamt.

Ob 10.000, 100.000 oder 1 Millionen:
Legen Sie ihr Geld auf Konten in Mittelamerika an,
Sie haben garantiert nichts mit dem Fiskus zu tun, und brauchen garantiert keine Steuern zu zahlen.

Wir bedanken uns bei den Wählerinnen und Wählern
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#3 Anke_Danke 05.02.2014 21:05
Toller Bericht mit viel Hintergrund.
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#4 Erbarmen bitte! 05.02.2014 21:11
Ich darf in diesem Zusammenhang vielleicht daran erinnern, dass Helmut Linssen sich keines Verbrechens schuldig gemacht hat.
Es ist nicht verboten, Geld im Ausland zu verwahren.
Ich verstehe, dass ein Konto in Panama zu Spekulationen einlädt, aber der Sachverhalt wurde soweit ich weiß, von den Finanzbehörden geprüft und nicht beanstandet, da Dr. Linssen keine Erträge aus dem angelegten Geld hatte, die er den Finanzbehörden verschwiegen hätte.
Was soll nun also die künstliche Aufregung?
Herr Plotke, warum schreiben Sie nicht mal was über die feine Frau Schwarzer? Oder haben Sie da Beißhemmungen, weil sie aus Ihrem Lager kommt?
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#5 B.R. 05.02.2014 22:38
Für mich stellt sich das jetzt so dar:
Für die Gewinne aus den geheimen Konten
bis ca. 2000,
machte Helmut Linssen die Verjährung geltend;
konnte somit nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden.

Von 2000 bis 2004 sollen keine Gewinne angefallen sein;
insofern waren im Nachhinein hier auch keine Steuern nachzuzahlen.

Zu dem Zeitpunkt gab es in Deutschland aber noch umfangreiche Steuersparmodelle
für besserverdienende :
z.B. gut laufende Schiffsfonds mit umfangreichen Steuervorteilen wie Tonnagebesteuerung und Vorziehen der Abschreibungen,
ausländische Immobilienfonds mit steuerfreien Auslandseinkünften,
Aktienfonds mit steuerfreien Kursgewinnen.
Insofern erschließt sich das mir nicht ganz, Vermögen auf geheimen Konten im Ausland zu bunkern, um Einkommensteuer zu sparen.

Es gibt ja auch schon Vermutungen,
dass die Gelder frühzeitig ins Ausland geschafft wurden,
um der Erbschaft - und Schenkungsteuer zu entgehen.
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#6 Anke_Danke 06.02.2014 14:25
#4 Erbarmen bitte! 05.02.2014 21:11

Und was hat Frau Schwarzer mit dem Kreis-Kleve zutun?
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#7 O.Plotke 06.02.2014 14:32
@Erbarmen bitte:
Es ist wie Anke_Danke schreibt eben kein lokales Thema, deshalb habe ich hier nichts über Alice Schwarzer geschrieben.
Gereizt hat es mich trotzdem, deshalb hatte ich bereits am 3. Februar diesen Text hier auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht:

"Liebe Alice Schwarzer,

ich habe Ihr „In eigener Sache“ gelesen und spreche Ihnen für Ihre wie immer klaren Worte meine Hochachtung aus.
Sie haben klargestellt, dass Sie erst in den letzten Jahren ein Unrechtsbewusstsein entwickelt haben für die Steuerhinterziehung.
Das finden jetzt alle skandalös, die immer brav ihre Steuern zahlen. Also alle Beide. Wie dumm nur, dass der eine beim "Spiegel" ist (Der Andere bin übigens ich).
Dass Sie jahrzehntelang kein Unrechtsbewusstsein hatten, kann ich mir vorstellen. Wer wie Sie, engagiert und an allen Fronten gegen das Unrecht eintritt, das den Frauen in aller Welt widerfährt, der kann nicht in jedem Bereich des Rechts das gleiche Unrechtsbewusstsein entwickeln.
Wie Johanna von Orleans dereinst die Engländer bekämpfte, so kämpfen Sie ja derzeit gegen die Prostitution. Musste sich die heilige Johanna auch über ihre Steuersünden befragen lassen? Natürlich nicht.
Aber das war damals auch noch kein Thema. Die von Männern dominierte Welt erfand einfach ein anderes Verbrechen, um sie brennen zu sehen.
So ähnlich ist es jetzt ja auch bei Ihnen. Man will Sie vernichten. Und das nur wegen lächerlicher 200.000 Euro Steuern, die dem Staat entgangen sind. Was ist das schon?
Für 200.000 Euro kann man es im Puff gerade mal einmal so richtig krachen lassen. Und das ist ja dann, Ihnen sei Dank, auch bald verboten. Danke, dass Sie mich vor dieser Sünde bewahren.
Aber der Staat kann nicht und die Staatsdiener dürften auch gar nicht von Ihrem Steuergeld in den Puff gehen.
Was also wollen die dann damit?
Sie hätten es deshalb ohnehin nur wieder in alternative Verkehrsprojekte reingesteckt, die weit weniger Spaß machen als der Puff, in den Berliner Flughafen zum Beispiel.
Frau Schwarzer, ich danke Ihnen, denn Sie haben eigentlich mit Ihrer Steuerhinterziehung-Geschichte nur offengelegt wie chauvinistisch unsere Behörden in Wahrheit sind.
Frauen werden eben nicht nur sexuell, sondern auch finanziell erniedrigt. Und zwar ganz perfide indem man sie hierbei - und nur hier - genauso behandelt wie Boris Becker und Klaus Zumwinkel. Das ist Frauenverachtung der schlimmsten Art.
Das mit aller Schärfe herausgearbeitet zu haben, ist Ihr Verdienst.

Mit freundlichen Grüßen auch an Ihren Schweizer Bankschließfachnachbarn André Schmitz

Olaf Plotke"
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#8 B.R. 06.02.2014 18:20
Wie Herr Linssen jetzt zugegeben hat,
handelt es sich bei den Auslandskonten
um Vermögen seiner Eltern.

Dann ist doch zu vermuten,
dass hier nicht nur Einkommensteuer nicht abgeführt wurde,
sondern auch Erbschaft oder Schenkungsteuer nicht abgeführt wurde
und wegen der Verjährung nicht nachgezahlt
werden musste.

Ein Finanzminister in NRW im Jahre 2005
mit geheimen Konten, der damals noch zur Rechenschaft gezogen werden hätte können;
das sind aber schon sehr seltsame Zustände.

Seltsam auch diese Zeiträume:
Kurz bevor Herr Linssen Finanzminister wurde, wurden die Konten aufgelöst.

Die fragliche CD wurde erst nach dem Ausscheiden von Herrn Linssen angekauft;
in 2010 .

Erträge wurden angeblich erwirtschaftet in den Jahren,
die angeblich verjährt waren;
Verluste bzw. keine Gewinne wurden gemacht in den Jahren, die noch nicht verjährt waren.

Mit den Cds, das kann man hier nachlesen:

www.sueddeutsche.de/politik/helmut-linssen-zu-steuer-vorwuerfen-der-cdu-schatzmeister-spricht-in-raetseln-1.1880769

Und wie die Finanzbehörden bei Pofalla ermittelt haben sollen,
kann man hier nachlesen:

www.freitag.de/autoren/menschenzeitung/pofalla-der-pate-der-bundesregierung
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#9 Anke_Danke 08.02.2014 09:16
Es ist doch wohl klar daß das illegale Kohle war, sonst macht die ganze Story keinen Sinn.

Koch durfte im hessischen Spendenskandal ungestraft "jüdische Vermächtnisse" erfinden, warum sollte Linssen nicht die eigenen Eltern mißbrauchen? Wehren können die sich ja nicht mehr.
Wann wurde denn von der CDU schon mal jemand bestraft? Schäuble für seine 100.000 DM-Lüge? Fehlanzeige! Kohl für seine Aussageverweigerung in Beugehaft? Fehlanzeige!

Wenn, dann gibt es ab und zu mal ein Bauernopfer, aber sonst.....


Man frage die Großmeister der Geldzauberei:
- LeislerKiep
- Roland Koch
- U. Höness
- Peter Graf hat den Knast sehr deutlich und ausführlich von innen gesehen.
Oder gleich bei der Vatikanbank anrufen.

Oder nehmen wir den Fall-Schwarzer :
Gibt es viell. bald eine Frauenquote für Steuerhinterziehung?
Ich hätte nie geglaubt, dass Alice jetzt auch noch die letzte Männerdomäne (Steuerbetrug) zerschmettert.
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#10 Wim Heuvens 08.02.2014 13:48
@ 9

Die von Ihnen Genannten gehören hinter Schloss und Riegel, aber unverzüglich. Schade, dass wir nicht in einem Rechtsstaat leben ...
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#11 Rainer Severin 16.02.2014 19:06
@Heuvens

Super Comedy!

Danke dafür! Linssen ist, zumindest meiner Auffassung nach, ein Krimineller und Steuerhinterzieher. Bei seinen Begründungen kommen dem normalen Arbeitssklaven, sorry, "Arbeitnehmer", doch glatt die Tränen. Herr Linssen gehört in den Knast, aber "Amigos" gibt es nicht nur in Bayern. Dass solche Subjekte noch frei herum laufen, ist dem "durchlässigen" System der "Bundes"republik Deutschland zu verdanken. Wie haben ein Grundgesetz, in Anwendung sind die BürgerInnen die Blöden und Politiker und Abzocker wie Hoeness können sich alles erlauben.
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#12 Mutter Teresa 05.04.2016 11:20
Zitat Herr Heuvens:

"Ich glaube, Helmut Linssen hat das Geld dort geparkt, um unverzüglich und direkt im Falle einer Nachfrage von seiten der Armen in Mittel- und Südamerika das Geld vor Ort zu haben .... um zu helfen. Denn ... er ist ja bekennender (Amtskirchen-)Christ. Oder sind das vielleicht garnicht die Christen, die Jesus wollte?"

Sicher geht es den vielen zehntausend anderen auch so wie Herrn Linssen. Sie handeln aus reiner Nächstenliebe.
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#13 Mutter Teresa 05.04.2016 17:12
Reich sind die, die (fast) nichts brauchen.

Falls Herr Linssen und Konsorten es noch nicht bemerkt haben:

Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Was für ein Unglück für die, die soviel haben und nichts mit nehmen können.
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#14 Bernd Derksen 05.04.2016 20:29
Den Kreisgrünen gefällt der "Klassiker" so gut, dass sie ihn heute, mit über zwei Jahren Verzögerung, auf ihrer Facebook-Seite verlinkt haben.
Das ging ja fix. ;-)

[Vielleicht besteht also doch noch Hoffnung zu erfahren, mit welcher ungehörigen Kommentierung ich mir die dortige Sperre eingehandelt habe.
Gut, vielleicht ist Ihnen dieses "lokale Alleinstellungsmerkmal" der gelebten Toleranz auch so wichtig. ;-) ]

________
Das Baker-Street-Foto erinnert mich an meinen Besuch dort. Vermutlich wegen offenkundiger Bedürftigkeit ;-) ließ man mich kostenlos ins Museum (normal 6 Pfund). Das erlebt man auch selten ... (In Indien z.B. musste man als Ausländer dafür meist ein Vielfaches des Inländer-Eintritts zahlen.)
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