parkleitsystem web3Die letzte Gelegenheit zum Einkauf vor Heiligabend ist normalerweise eine stressige Angelegenheit, denn man ist ja nicht der einzige Vollidiot, der auf den letzten Drücker noch dieses und jenes zu erledigen hat. Deshalb ist mit dem Besuch der Klever Innenstadt per Auto an so einem Tag auf alle Fälle auch immer eine längere Parkplatzsuche verbunden. Zumindest war das in den letzten Jahren immer so.

Ich wollte an diesem Tag vor allem einen der ausgemusterten „Tannebäume“ von Dirk Jansens Glühweinstand am Koekkoekplatz kaufen. Ich hatte mich geistig schon darauf eingestellt, dass zu den Kosten des Baumes noch so ca. 15 Euro fürs Falschparken kommen, weil die Parkplätze „Rathaus“ und „Koekkoekplatz“ wie jedes Jahr bis auf den letzten Platz gefüllt sein würden. Umso größer war mein Erstaunen, dass ich sofort auf Anhieb einen Parkplatz bekam. Und nicht nur das: Ich hatte quasi freie Auswahl. Es war nicht leer, aber alles andere als voll auf dem Parkplatz, stellte ich fest. Und auch beim Gang durch die Innenstadt überkam mich das Gefühl, dass dieser letzte Tag vor Heiligabend nicht gerade das Prädikat „brechend voll“ verdient hatte.

Die meisten Menschen haben ihre Einkäufe wohl einfach rechtzeitig vor dem Fest erledigt und mussten den 23. Dezember zu Hause verbringen, um auch ja den Paketboten nicht zu verpassen. Es wäre ja zu ärgerlich, wenn statt der Weihnachtsgeschenke für die Verwandten nur eine Benachrichtigungskarte der Post auf dem Gabentisch landet…

Amazon wird sich für die Unterstützung des Weihnachtsgeschäfts auch noch bei der Dienstleistungsgesellschaft ver.di bedanken müssen, die ja einige verkaufsoffene Sonntage per Gerichtsbeschluss verhindern konnte. Natürlich zum Wohle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die es einfach mal verdient haben, den Sonntag mit ihrer Familie verbringen zu können. Wie schön. Mit ein wenig Glück helfen solche Urteile auch, dass in den Innenstädten bald viele Geschäfte in Wohnungen umgewandelt werden können – das gut gegen die Wohnungsnot. Gerade in Studentenstädten.

vos kleve webIn Kleve braucht ver.di wohl keine Klage gegen verkaufsoffene Sonntage anzustrengen, denn hier ist man schon weiter: Die Klever Händler beerdigen nach Jahren des Siechtums nun ihre Vereinigung KCN (wie vom Notiz-Blog bereits vor Monaten vorhergesagt), die bislang die verkaufsoffenen Sonntage mehr oder weniger kreativ mit der Illusion eines Stadtfestes kaschierte (Rechts ein Bild aus jenen besseren Tagen). So muss sich vielleicht künftig kein Händler mehr über den Stadtrat ärgern, weil der irgendeinen verkaufsoffenen Sonntag am 9. November nicht genehmigen will, kein Händler muss mehr über die Drehorgel moppern, die gerade vor seinem Geschäft Musik machen muss und Klaus Fischer, Jörg Hopmans, Sven Verfondern, Astrid Vogell , Susanne Rexing sowie Christoph Dammers vom KCN haben wieder mehr Freiizeit. Kleves Handel geht es prächtig. Und Parkplätze gibt es auch genug. Wunderbare Aussichten für 2018.

„Du hast mehr Händler, denn Sterne am Himmel sind; aber nun werden sie sich ausbreiten wie Käfer und davonfliegen.“ (Nahum 3,16)

Olaf Plotke, 29. Dezember 2017

Kommentare   

#1 Gerd Bartels 29.12.2017 09:26
Ach mein lieber Olaf,
wie sehr vermissen wir Deinen Journalismus.
Du hast es auch als Querdenker und Mahner
immer geschafft, den Spagat zwischen kritischem
Journalismus und der notwendigen Portion
Kommerz hin zu bekommen.
Jedenfalls hast Du es als Einziger geschafft,
dass man sich auf den Kurier gefreut hat und
das bei einem „Werbeblättchen“.
Schon mal daran gedacht diesen „Vorsprung“
für ein neues Projekt zu nutzen ?
„Bonne Chance“ mein lieber Freund und ein
gesundes und erfolgreiches 2018.
Zitieren
#2 Emmericher 29.12.2017 13:11
Die obige Darstellung gilt genauso für Emmerich.
Es ist erstaunlich, dass die Gefahr durch Amazon und andere Internethändler den innerstädtischen Handel nicht zusammenschweißt. Man macht so weiter wie bisher und hofft, daß das Internet irgendwie wieder verschwindet.
Aber verschwinden wird der innerstädtische Handel. Und daran ist er vor allem selbst schuld.
Zitieren
#3 Tyler Durden 29.12.2017 14:01
Das Bessere ist der Feind des Guten! Ich wage mal eine steile These: in 15 Jahren sind 90% des inhabergeführten Einzelhandels (nicht nur in Kleve) verschwunden. Was übrig bleibt, werden kleine spezialisierte Nischengeschäfte sein.

Natürlich verschwinden mit dem Ausbluten der Innenstädte auch die großen Kaufhäuser und Elektronikfachmärkte. Dank "Multichannel" haben sie sich schon längst auf die veränderten Bedingungen eingestellt.

Mit dem Aussterben des Einzelhandels werden langfristig die Gewerbe-Mieten sinken und Innenstadtlagen werden wieder interessant für kleine Dienstleister, Cafés, Restaurants, Kneipen, Kunstgalerien etc.. Schließlich müssen wir die beim Internet-Einkauf eingesparte Zeit ja irgendwo sinnvoll verbringen!
Zitieren
#4 Ge.Org 30.12.2017 11:13
Ich musste am Samstag noch schnell einen speziellen Wunsch erfüllen: Barbie mit Gelenkarmen, die nicht wie eine Prinzessin gekleidet ist. CPM ohne Kalorien sozusagen...

Runter ins Parkhaus Stechbahn-- das MF-****** mit dem Tesla und dem Dauerparkausweis blockiert wieder den ganzen Tag die einzige Ladesäule (zwei Stellplätze für Elektroautos aber nur eine Steckdose!).

Neue Mitte: Zugig, eisig, nichts los, der Spielwarenladen hat ausschließlich Barbies als Prinzessinnen ohne Gelenkarme (Ellenbogen kann man nicht bewegen; die stehen immer herum wie die Roboter von Kraftwerk).

Fußgängerzone abwärts bis zum Kaufhof, Treppe runter ins Kellergeschoss (Elektro- und Autozubehörabteilung sind verschwunden!)- nichts los, gefühlt wie an einem Mittwochvormittag, dafür gab's aber eine Gelenkarmbarbie in halbwegs normalen Klamotten gekleidet, mit Gitarre, Schreibtisch und Keyboard im Regal.

Dann wieder hoch und zur Belohnung bei Derks "Snack u. Kaffee-Welt" Kaffee und Brötchen bestellt. Ich saß dort dann eine Weile- nichts! Die Stadt war in der Tat leer. Dabei bin ich gerade in den letzten Wochen wieder auf den Geschmack des Offline-Shoppings gekommen-- wenn dieser ******- Sohn mit dem Tesla nicht immer die Ladesäule blockieren würde... Die Stadtwerke, das muss ich an dieser Stelle lobend erwähnen, riefen mich noch an und teilte mir mit, dass es ab kommenden Jahr einen weiteren Ladepunkt im Parkhaus geben soll.

Hat dies jemand letztes Jahr auch schon beobachtet, dass die Stadt so kurz vor den Feiertagen derart leer gefegt war?
Zitieren
#5 Onkel Wolf 30.12.2017 14:10
Das Volk leidet unter einer Orientierungslosigkeit ohnegleichen. Wer hat denn den Kaufhof gebaut? Wer pflasterte die Fußgängerzone? Wer sorgt dafür, daß die Polizei den Lump fängt? Ist es Amazon? Ist es das Internet? Nein! Wer hat letztendlich die Brücke über den Kermisdahl bebaut? Das war nicht der Fremde, das war das Volk, ich! Die Verantwortungslosigkeit muß jetzt ein Ende haben, sofort!
Zitieren
#6 Tyler Durden 30.12.2017 16:15
Immer der gleiche Schmu mit den Steuern...

1. Amazon verbucht seit 2015 deutsche Umsätze/Gewinne in Deutschland
www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2015-05/amazon-deutschland-steuer

2. Gewerbe- und Körperschaftssteuer wird in Deutschland auf den Gewinn bezahlt, der ist aber - nicht nur bei Amazon - in der Regel sehr gering im Vergleich zum Umsatz

3. Die weit wichtigere Steuer für den Staat ist die Mehrwertsteuer. Und da ist es vollkommen unerheblich, ob die zugrunde liegenden Umsätze im Internet oder beim Einzelhandel erzielt wurden.

4. Verlierer sind allerdings die Kommunen, da ihnen die Gewerbesteuer durch die Lappen geht. Das wäre aber durch eine Reform aus Berlin zu ändern, wenn der politische Wille da wäre!
Zitieren
#7 Tyler Durden 30.12.2017 16:21
Zur Veranschaulichung:
de.statista.com/statistik/daten/studie/74052/umfrage/steuereinnahmen-des-bundes/

(Nebenbei ist es eine unfassbare Frechheit, dass die Einnahmen aus Energiesteuern mittlerweile über 50% der Lohnsteuereinnahmen betragen!)
Zitieren
#8 B. Steuert 04.01.2018 14:52
[quote name="Tyler Durden"]Immer der gleiche Schmu mit den Steuern...


3. Die weit wichtigere Steuer für den Staat ist die Mehrwertsteuer. Und da ist es vollkommen unerheblich, ob die zugrunde liegenden Umsätze im Internet oder beim Einzelhandel erzielt wurden.

...
/quote]

Wobei man wissen muss, dass die Mehrwertsteuer nicht von Amazon, sondern vom Verbraucher bezahlt wird.
Zitieren
#9 Tyler Durden 04.01.2018 15:38
Selbstverständlich wird die USt vom Verbraucher bezahlt.

Genau darum ist es vollkommen egal, ob der Verbraucher im lokalen Einzelhandel oder bei Amazon einkauft. Der Staat (=wir alle) erhält die Steuereinnahmen und verteilt dann nach Haushaltsplan.

Es geht mir mehr um dieses "Argument", die die großen Internetunternehmen zahlen ja keine Steuern. Erstens hinterziehen diese Unternehmen i.d.R. nicht, sondern nutzen die Steuergesetzgebung kreativ aus. Das ist legal und das macht zuhause auch jeder brave Steuerzahler, der den großen "Konz: 1.000 ganz legale Steuertricks" im Bücherregal stehen hat. Und jeder der glaubt, der lokale Einzelhandel würde nicht ebenso alles versuchen, seine Steuer- und Abgabenlast zu senken, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Und zweitens: Schauen Sie sich einmal die Bilanzen großer Unternehmen an. Da werden zwar Millionen und Milliarden umgesetzt, aber der Gewinn liegt meistens nur im kleinen einstelligen Prozentbereich. Und nur von diesem Gewinn müsste Körperschafts- und Gewerbesteuer gezahlt werden. Das ist viel weniger, als man uns in dieser Debatte glauben machen möchte.

Wenn der Einzelhandel stirbt, dann ist er halt weg. Die Lücke wird gefüllt werden und wir Verbraucher werden uns ganz schnell umgewöhnen. Oder vermisst heute - jenseits der Nostalgie - wirklich noch jemand die Tante-Emma-Läden?!

Der lokale Einzelhandel verliert an allen Fronten gegen das Internet. Warum soll ich als Verbraucher lokal einkaufen? Der Internethandel ist ungleich vielfältiger, flexibler, verbraucherfreundlicher, bequemer, fast immer günstiger und demnächst sogar schneller. Wenn ich Beratung brauche, bietet mir das Internet eine unglaubliche Fülle an Rezensionen, Foren, Verbraucherportalen etc.. Dafür brauche ich keinen Verkäufer vor Ort, der mir sowieso nur das Produkt mit der höchsten Marge empfiehlt.

Und ganz nebenbei: Wer glaubt denn wirklich, dass unsere lokalen Einzelhändler ihre Weihnachtsgeschenke auch nur vor Ort und nicht bei Amazon & Co. einkaufen?!
Zitieren
#10 Jens-Uwe Habedank 17.01.2018 18:29
Wie Geschenke, Einkaufen - war schon wieder Weihnachten..?
Oh je - verpaßt...

Was ich nicht verpassen werde ist aber:
www.lokalkompass.de/kleve/politik/buergermeisterin-stellt-sich-den-fragen-d817249.html

(...)
Zitieren

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren