Ich habe nur ein Foto von Dir. Es stammt vom traditionellen Klever Kirmesrundgang der Journalisten im Jahr 2011. Du sitzt mit Kollegen in einem Karussell und wehrst das Foto ab, das ich von Euch machen will. Heute sitze ich hier, betrachte dieses Bild und versuche mich an diesen Tag zu erinnern. Es war ein schöner Sommertag und wir waren alle ausgelassen. Vermutlich haben wir beide auch zusammen gelacht - das konnten wir ja. Obwohl wir uns eigentlich nicht mochten.

Wir arbeiteten eine kurze Zeit gemeinsam beim Klever Wochenblatt, aber wir arbeiteten nie zusammen. Mir ging Deine Art zu schreiben auf die Nerven und Dir meine. Wir haben oft und viel diskutiert – wir waren nie einer Meinung. Und wenn ich Deine Kommentare gelesen habe, habe ich mich geärgert, so wie Du Dich wohl auch über meine. Aber ich habe Deine Kommentare immer gelesen. Denn ich habe die Leidenschaft bewundert, die aus ihnen sprach.

Vor drei Wochen haben wir uns bei einem gemeinsamen Abendessen im Kreise von Kollegen zuletzt gesehen. Heute zähle ich diese Tage rückwärts. Wie einen Countdown. Bis zu diesem schrecklichen Unfall am Montagabend. Ich schreibe diese Zeilen in Dein Echo in mir.

Man sagt, dass der Tod ein Teil des Lebens sei. Aber das stimmt nicht. Der Tod gehört nicht zum Leben. Er ist dem Leben als eine Gewissheit gegenwärtig, er hängt wie ein Damokles-Schwert darüber, er macht das Leben dadurch so einzigartig, so wertvoll. Der Tod selbst aber bleibt unbegreiflich, ist für das Individuum keine wirkliche Erfahrung. Denn er hat selbst keine Materie, er ist uns nur als Form gegenwärtig. Und so gilt hier Fichtes Wort: „Ich werde überhaupt nicht für mich sterben, sondern nur für andere – für die Zurückbleibenden, aus deren Verbindung ich gerissen werde…“

Du bist am Montag aus vielen Verbindungen gerissen worden. Eine dieser Verbindung ist die zu Deinen Journalistenkollegen. Du wirst uns fehlen. Und ich werden die Diskussionen mit Dir vermissen, die ich manchmal nach dem Lesen Deiner Kommentare im Geiste mit Dir geführt habe. Bei den nächsten Pressekonferenzen wird ein Platz frei bleiben. Und Dein Fehlen wird ein Dröhnen sein.

Ich bin traurig, dass Du die Feder aus der Hand legen musstest.

Olaf Plotke, 20. Dezember 2016

Kommentare   

#1 julle 20.12.2016 21:16
Sehr schön geschrieben, das ist ein sehr trauriger Abschied von einem Menschen.
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#2 Mariar Reinders 20.12.2016 22:17
Lieber Olaf Plotke, Danke für Ihr ehrliches und mutiges Echo. Eine gute Beschreibung einer tollen Frau!
ich werde sie auch vermissen. Danke!
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#3 Bedburger 21.12.2016 07:20
Eine traurige Nachricht. Wir verlieren eine engagiere Streiterin für die, die sonst kaum gehört werden.
Das sie auch von Kollegen der Mitbewerber geschätzt wurde wie man hier sieht, spricht für sie.
Sie wird nicht vergessen.
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#5 Jens-Uwe Habedank 21.12.2016 11:01
Ich bin sprachlos - A. Henseler (und nicht wie so oft verniederrheinert "Hoenselaer"...) wr genau so, wie von Frau A.H.-Holderberg beschrieben; Allseits ein Verlust!
Den Hinterbliebenen mein Beileid.
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#6 Kaubeuhut 21.12.2016 11:59
Ergreifender, fairer Artikel.
Mein Beileid für die Trauernden.

"Erinnerungen sind wichtig, denn manchmal bleibt nichts anderes mehr."
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#7 Max Knippert 21.12.2016 14:43
Olaf, dieser Artikel hätte Annette gefallen.

Den Raum den du mit `Dein Echo in mir´ beschreibst, berührt mich und ich möchte es dir gleich tun.

Annette ich habe dich auf dem Kunstacker kennen gelernt und wir haben spontan und lange über alles mögliche gesprochen. Deine Leidenschaft und dein Mitgefühl für Menschen in Not hat aus dir heraus gesprudelt. Das ist/war vorbildlich. Als du mich später einmal gefragt hast, das vergessene und teilweise zerstörte Jugendzentrum Moms öffentlich zu machen, habe ich dir gerne geholfen. Wir haben aufgeräumt gekehrt und du hattest auch gleich einen Sponsor für die kaputten Fenster gefunden. Das dir dafür keiner gedankt hat war dir egal. Das Moms wird wieder von den Menschen genutzt, die dir am Herzen lagen.

Als wir uns einmal im Krankenhaus trafen und du mir erstmals auch deine berührenden persönlichen Umstände erzählt hast, wurde dein Wesen so deutlich. Dein Engagement für deine Mutter war wunderbar und Ungerechtigkeit war dir in Allem ein Gräuel und du hast dich zur wehr gesetzt und dabei dich selbst nicht geschont. Resignation habe ich bei dir nicht mal Ansatzweise gespürt.

Wir waren uns nicht sehr nahe, aber ich habe dich sehr geschätzt und einige Projekte die wir gemeinsam an gedacht haben, wird es so jetzt nicht mehr geben können. Du wirst mir und Vielen und sogar einer ganzen Stadt fehlen, aber an erster Stelle natürlich deiner Familie. Ich wünsche deinen Liebsten alle Kraft.
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#8 Charly Stoffels 21.12.2016 17:19
Auch ich was erschüttert von der Nachricht das eine der "unsrigen" aus dem Leben gerissen wurde. Annette war eine liebe, ehrliche und umgängliche Kollegin, wir haben uns leider nur knapp 13 Jahre gekannt, sie wird positiv in meinem Gedächtnis bleiben. Mein Bekeid den Angehörigen.
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#9 Ina Henseler 21.12.2016 22:02
Danke ! Das waren schöne worte für mama !
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#10 Jens-Uwe Habedank 22.12.2016 19:08
@#9 und Olaf Plotke:
Schön zu sehen - dass es doch noch, bei allen Unterschieden aus welchen Gründen auch immer, am Ende zum gegenseitigen Respekt gelangt.
Genau dafür - Hat A. Henseler immer gestanden; und hat auch hier etwas bewirkt!
Ich werde sie vermissen!
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