100toast„Das Hundertwasserhaus-Wunder“ Dieser Artikel auf der lokalen Titelseite der Rheinischen Post kurz vor Weihnachten 2016 überzeugte auch die letzten Zweifler. Es war die unglaubliche Geschichte von Schwester Hiltrud von den Schwestern der Göttlichen Vorsehung im Herz-Jesu-Kloster Kleve, die eines Morgens nichtsahnend ein Stück Weißbrot in den klösterlichen Toaster steckte und dann das Zeichen sah: Auf dem Toast war ihr das Hundertwasserhaus erschienen – mit Heiligenschein!

Für die RP war es der letzte große Coup einer ganzen Serie. Nachdem sie bereits Wirtschaftsförderer, Politiker, Banker, Schulleiter, diverse Akademiker und Lokalhistoriker befragt hatte (Die Bürger übrigens nicht, denn ihre Begeisterung wurde bereits von Redaktions-Diplom-Empathisten festgestellt), drohte die Geschichte gerade an Schwung zu verlieren. Da war das Hundertwasser-Toastbrot-Wunder also quasi ein doppeltes. In einer Serie, präsentiert von der Volksbank Kleverland, stellte die Rheinische Post in den nächsten Tagen weitere Wunder und Toastbrote vor.

Die Idee war nun nicht mehr aufzuhalten. Selbst sonst eher religionsferne Lokalpolitiker von den Grünen waren schier aus dem Häuschen und witterten die Chance, dass Kleve endlich den immer neidisch beäugten Pilgerort in der Nachbarschaft hinter sich lassen konnte. Es ging alles seinen gewohnten Gang und am 14. Juni 2017 sollte eigentlich im Rat die endgültige Entscheidung für das Hundertwasserhaus fallen, doch dann veröffentlichte die Rheinische Post eine Titelgeschichte, die alles änderte: „Trump Tower für den Minoritenplatz“.

ttwoer1Es war ein Prof. Dr. der Hochschule Rhein-Waal, der diese bahnbrechende Idee der Zeitung steckte, die sofort die Chancen für Kleve erkannte. Warum statt des 38. Hundertwasserhauses nicht den 58-stöckigen Wolkenkratzer des US-Präsidenten auf dem Minoritenplatz bauen? Das wäre doch mal ein Alleinstellungsmerkmal! Großer Jubel auch bei Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers und Kleves Kämmerer Willibrord Haas sowie dem technischen Beigeordneten Jürgen Rauer, die nun wieder einen Grund hatten, zum Oktoberfest zur Gewerbeimmobilienmesse Expo Real nach München zu fliegen.

Die RP blieb an dem Thema dran und veröffentlichte schon einen Tag später Reaktionen der Politik. Zum Beispiel die von FDP-Chef Daniel Rütter: „Der Trump Tower wäre ein echter Gewinn für Kleve. Außerdem wäre es auch nicht schlimm, wenn er am Ende 1,40 Meter höher würde, als ursprünglich geplant.“ In den Tagen danach gab es dann noch eine Serie über andere Wolkenkratzer in anderen Städten, was zwar nichts mit Kleve zu tun hatte, aber immerhin von der Volksbank Kleverland präsentiert wurde.

Die Entscheidung über die Bebauung des Minoritenplatzes mit einem Hundertwasserhaus wurde still und heimlich von der Tagesordnung des Rates genommen. Zu elektrisiert war man von der Idee, dass mit dem Trump Tower auch der US-Präsident nach Kleve kommen könnte. Die RP organisierte eine Zukunftswerkstatt mit der Volksbank Kleverland, auf der Repco-Chef Thomas Euwens, Frank Smola (Erich Tönnissen) und natürlich Lothar Quartier feststellten, dass der Trump Tower genau das ist, was Kleve auf dem Minoritenplatz brauche.

ttower2Die Sache war an dieser Stelle natürlich längst entschieden. Aber die RP setzte noch eins drauf. Sie fragte bei der Pressestelle von Donald Trump an, was er denn von der Idee eines Trump Tower in Kleve halten würde. Die Pressestelle antwortete schriftlich, dass der Präsident derzeit beschäftigt sei, aber die Anfrage sorgfältig geprüft werde. Bisweilen solle beiliegende Autogrammkarte als Zeichen der Wertschätzung des Präsidenten verstanden werden.

US-Präsident prüft Trump Tower für Kleve“, war dann am nächsten Tag der Aufmacher, gefolgt von einer Serie über frühere US-Präsidenten diesmal in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Rhein-Maas.

Als dann schließlich auch dem Friseur des Präsidenten und sein Meerschweinchenlieferant noch ein paar belanglose Sätze über Kleve entlockt waren, gab es wirklich gar nichts mehr zu dem Thema zu berichten. In der Redaktion machte sich Panik breit. Aber da wandte sich glücklicherweise ein indischer Gastprofessor der Hochschule Rhein-Waal mit einem tollen Vorschlag an die Zeitung…

„Doch du sollst das Haus nicht bauen, sondern dein Sohn, der aus deinen Lenden kommen wird, soll meinem Namen das Haus bauen.“ (2. Chronik 6,9)

Olaf Plotke, 4. November 2016

Kommentare   

#1 Ron Manheim 04.11.2016 20:57
Was hat denn Hundertwasser mit einer blöden Kuh zu tun?
Zitieren
#2 B.R. 04.11.2016 21:54
Diamantenfieber in Weeze ausgebrochen

Einer der größten Freizeitparks in Europa wird in Weeze am Niederrhein geplant.

Fast die gesamte geplante Attraktions-Technik soll mit Weltneuheiten aufwarten; für ganz Europa ist nur ein "Diamonda"-Park geplant. Geht das Konzept auf, würde der Kreis Kleve künftig in der touristischen Wahrnehmung mit Disney-Paris gleichziehen .

www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/diamonda-fuer-750-mio-euro-aid-1.971239
Zitieren
#3 Klever Geck 05.11.2016 00:42
Dieses Blog bringt es auf den Punkt.
Zitieren
#4 Peter Wanders 05.11.2016 10:15
Also Olaf,
ich wollte ja noch für den Start, bevor der große Hundertwasser-Investor kommt, vorschlagen, dass man schon mal eine Kopie der Hundertwassertoiletten in Kawakawa (Neuseeland, gebaut durch Hundertwasser selbst) aufstellt. Eine Hundert-Wasser-Toilette - was für ein Name für solch ein Örtchen.
Aber gegen so einen Trump-tower kann so ein Toilettchen natürlich nicht anstinken.
Zitieren
#5 Elvira Rohra 05.11.2016 11:31
Kleve ist eine sehr interessante Stadt........ deshalb lebe ich sehr gerne hier!

Manches dauert vielleicht ein bisserl länger! :-)

Nun ist wieder etwas Ruhe eingekehrt, und man konnte aus Ehrerbietung und Pietätsgründen für den, leider verstorbenen Herrn Dr. Schumacher, auch Innehalten.

Als vor längerer Zeit von Seiten der Stadtverwaltung Kleve, das Thema "Minoritenplatz-Bebauung" der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, erlaubte ich mir u.a., bei bezugnehmender Abteilung der Stadtverwaltung, eine schriftliche Anregung und Idee, eine Realisierung einer Architektur und Umsetzung im Sinne von "Hundertwasser" (Beispiel Essen!!!), als u.a. Symbol der Weltöffnung, Internationalität etc......, zur Überdenkung zu unterbreiten.

Auch habe ich damals, und auch immer wieder, halböffentlich (leider ohne Printmedien!!!) diese Anregung zu Sprache gebracht.

Von Seiten der Stadtverwaltung, zuständiges Bauamt, wurde diese Anregung mit ein wenig "Ironie" verschmäht.
Diese Bauart würde in eine Großstadt passen, aber für Kleve wäre es weltfremd und nicht realisierbar.

Umso erstaunter und nachdenklicher stimmt es mich jetzt, dass nach relativ längerer Zeit, dann doch plötzlich darüber, von Seiten der Stadtverwaltung Kleve, der Politik und öffentlich über Printmedien, darüber diskutiert und berichtet wird.

Liegt es vielleicht daran, dass Kleve nun Hochschulstandort ist, und an den angehobenen Großstadtpreisen, für früher bezahlbaren Wohnraum???

Ja, Kleve ist eine wunderbare Hochschulstadt.......aber man darf und sollte die realen Situationen der Menschen, die dort leben, auch in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum, nicht vergessen und unbedingt beachten........

Wem nützt es im Endeffekt, wenn man sein Einkommen für Miete, Strom usw. aufbringen muss, und keine finanziellen Mittel mehr für Kultur, eigene Weiterbildung usw., ermöglichen kann?
Zitieren
#6 ThreatyMala 07.11.2016 09:27
Sehr geehrter Herr O. Plotke,

:D

!

Mit freundlichen Grüßen,
K.
Zitieren
#7 Erbarmen bitte! 07.11.2016 11:02
Sollte Kleve nicht lieber erstmal ein bezugsfertiges Rathaus haben, bevor man sich an Luftschlösser wagt? Wo bleibt das Machtwort des vernünftigen Kämmerers?
Zitieren
#8 Elvira Rohra 07.11.2016 14:55
Grundsätzlich ist es sehr, sehr lobenswert, dass sich die junge Generation mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzt.

Nur, lt. RP Online war u.a. zu lesen, ""Workshop "Junge Mitte" plädiert für ein Hundertwasserhaus in Kleve"".
"Diese Häuser seien bunt und hätten außergewöhnliche Formen"
Besonders gut finden sie, dass bei Hundertwasserhäusern Bäume auf dem Dach stehen.

Es ist natürlich so, dass vielleicht jeder Mensch, der ein Haus auf seinem eigenen Grundstück bauen möchte, ein buntes Haus mit "ungewöhnlicher" Architektur und Baum auf dem Dach, bauen kann. Deshalb ist es aber noch lange kein "Hundertwasserhaus".

Natürlich weiß ich nicht, wie die aktuellen Bildungsrichtlinien für Kunst und Kunstgeschichte, sowie Ethik und Projektarbeitskreisen in den Schulen vorgegeben und einzuhalten sind, aber es wäre sehr hilfreich, wenn man auch das Leben und Wirken eines, international aktiven Menschen, in diesem speziellen Fall "Stowasser - Hundertwasser", genau analysiert und hinterfragt.

Ich meine mich zu erinnern.....es gab in Kleve auch schon ein buntes Haus, das per Gerichtsbeschluss wieder weiß gestrichen werden musste.... ? Nur eine wirklich sehr gute "Drachenwand" als Kunstwerk erinnert daran..... ;-)
Zitieren
#9 Peter Wanders 08.11.2016 10:11
@Elvira Rohra
Und wenn es nach so manchem Ratsmitglied geht sollte man vor die weiße Wand am liebsten noch nen tiefschwarzen Gefängnisklinker setzen.
Aber mal ehrlich, wer braucht denn ein kunterbuntes Haus in Kleve.
Nachdem die von den Bürgern gewollten Pläne zunächst in 2 Riesenblöcke vergewaltigt wurde, man der dritten Maßnahme statt der Renovierung ein Krankenhaus in ein Gefängnis umgewandelt hat und der vierte Klotz durch eine Bürgerinitiative verhindert wurde, machen wir jetzt mal das genaue Gegenteil.
Wir setzen dem ganzen die Krone auf.
Wir träumen von einer Villa Kunterbunt.
Und vergessen dabei, dass dieses Phantasiegebilde auch noch von jemand bezahlt werden muss.
In unserer Verwaltung gibt es keinen, der dies städteplarisch umsetzen kann. Die bekommen die Sanierung des KAGs seit Jahrzehnten nicht hin, geschweige denn irgendein anderes größeres Projekt ohne einen teuren juristischen Fehler.
Schuster bleib bei deinen Leisten. Aber solide Schuster gibt es in Kleve auch schon lange nicht mehr.
Jetzt lasst diesen Platz doch einfach mal in Ruhe.

Die Verwaltung bekommt, wie jetzt auch der Rat bemerkt hat, all die anderen Projekte auch schon nicht zeitgerecht hin.
Da kommt nur Murks raus, wenn man die Abteilung des technischen Beigeordneten nun noch weiter überlastet.

Vor 10 Jahren gab es kältefrei im KAG. An den Zuständen hat sich immer noch nichts geändert.
Es wäre doch für Kleve ein wahres Wunder, wenn die Schüler des KAGs in einem mängelfreien Gebäude unterrichtet werden.

In der Schulplanung herrscht in Kleve gerade absolutes Chaos.
Falls die Verwaltung und Politik es irgendwann hin bekommen so etwas einfaches wie ein Schulgebäude ohne Fehler in der Ausschreibung und Planung fristgerecht hinzustellen, dann dürfen sie sich auch mal an so was wie Stadtplanung heran trauen.
Aber was Stadtplanung betrifft legt sich die Verwaltung doch ständig quer und behindert Investoren.
Vom kleinen Bauvorhaben bis zu den Projekten eines Herrn Tjaden.

Wir werden noch viele Toastbrote essen müssen, bis in Kleve das Wunder einer korrekten Städteplanung und europäischen Ausschreibung geschieht.

Auf meinem Toastbrot war heute morgen nur ein gerasteter Klotz zu sehen. Und solange wir keinen neun Toaster kaufen, wird sich das auch nicht ändern.
Zitieren
#10 Jens-Uwe Habedank 08.11.2016 13:47
@ Peter Wanders:
Kann man daraus - Stichwort Toaster u.Ä. - folgern, dass ein Herr Rauer "verbrannt" ist..?
Zitieren
#11 Erbarmen bitte! 09.11.2016 09:12
Ihre Glaskugel funktioniert erschreckend gut, Herr Plotke.
Jetzt halte ich auch den Trump Tower in Kleve für möglich.
Zitieren
#12 Josef Peters 09.11.2016 21:40
So schön geschrieben .Eigentlich!! Sollten sich jetzt einige Verantwortlichen in Kleve auf den Arm genommen fühlen. Habe da aber Bedenken weil die zu weit von der machbaren Wirklichkeit weg sind..Schade für Kleve.
Zitieren
#13 Konrad Gocher 10.11.2016 12:27
Wie utopisch es zu sein scheint, besondere Hausformen zu bauen, zeigt das Alfred Jodokus-Kwak Haus in Goch. Biosphärenhaus und Nebengebäude ala Schlumpfhausen. Nette Idee, aber irgendwie scheint der gemeinnützige Investor nicht in den Tritt zu kommen.

Hoffentlich wird das Hundertwasserwerk in der Nähe des Spoywassers auf dem Minoritenplatz nicht auch so eine langwierige Nummer.
Zitieren

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren