katjes walter-borjans-webNRW-Finanzminister Dr. Norbert Walter-Borjans hatte heute einen kulinarischen Tag in Emmerich: Erst Kaffee trinken beim Kaffeeröstautomatenhersteller Probat, dann Süßigkeiten schnuppen bei Katjes. Nicht der schlechteste Arbeitstag will mir scheinen. „Die nächsten drei Tage mache ich nur noch Termine bei Unternehmen, die mit Lebensmitteln nichts zu tun haben“, meinte er und fand es zumindest selbst recht witzig.

Aber die Kalorienbilanz des Ministers stand natürlich nicht im Vordergrund des Tages. Probat und Katjes sind noch echte Familienunternehmen und da ging es natürlich um die Erbschaftssteuer, die Familienunternehmern große Sorge machte. Katjes-Chef Bastian Fassin hat dazu gegenüber uns Journalisten heute ein paar spannende Sätze gesagt, die ich aber nicht so ohne weiteres publizieren darf. Sie sollten vor der Veröffentlichung nochmal schriftlich mit der Katjes-Pressestelle abgestimmt werden. Da die Zitate dann also sowieso durch die katjes walter-borjans-web2PR-Vollwaschanlage gehen würden, schenke ich sie mir hier gleich ganz und verrate nur, dass Fassin natürlich nicht will, dass im Falle einer Vererbung der Firma zu viel Steuern anfallen. Das ist jetzt nicht wirklich überraschend. Interessant aber, dass er zumindest mal aufzeigte, was passieren würde, wenn zu viel Erbschaftssteuer gezahlt werden müsste: Dann könnte es durchaus sein, dass die Familienunternehmer gezwungen wären, ihre Firma an einen Hedgefonds zu verkaufen, weil sie schlichtweg nicht das Geld haben, die Steuer abzudocken.

Wer jetzt Lobbyismus schreit, dem sei gesagt, dass zwar niemand gerne Steuern zahlt (Obwohl ich selbst gerne mal in die Verlegenheit käme, Erbschaftssteuer zahlen zu müssen), aber man muss Katjes und Probat (wie vielen anderen Familienunternehmern) zu Gute halten, dass sie absolut standorttreu sind. Sweet Home Emmerich. Die beiden Großunternehmen könnten ihre Firmen sicher problemlos in einem Niedrigsteuerland ansiedeln oder sich einfach einen Briefkasten in Luxemburg oder Panama mieten. Tun sie aber nicht. Und dann darf man sicher auch mal versuchen, zusätzliche Belastungen klein zu halten.

Der Finanzminister hörte sich das alles geduldig an. Man merkte, dass er das nicht zum ersten Mal gesagt bekommt. „Das ist Demokratie: Menschen in verschiedenen Positionen und Verantwortungen, die sich austauschen unter der gemeinsamen Auffassung, dass Familienunternehmen für dieses Land wichtig sind“, sagte er diplomatisch. Bastian Fassin äußerte sich dann noch zu dem Ankauf von Steuer-CDs durch den NRW-Finanzminister. Das darf ich hier ja auch wieder nicht schreiben, aber das er ihn dafür gelobt hat, kann ich mitteilen.

Ein Geheimnis wurde dann noch verraten. Natürlich nicht vom Katjes-Chef – das wäre ja erst wieder abzustimmen, sondern von Finanzminister Walter-Borjans, nämlich welche Katjes-Produkte er am liebsten nascht: „Diese schwarzen Fische mag ich sehr gerne.“ Daraufhin sagte Bastian Fassin ein Mann: „Sie dürfen ruhig den Produktnamen nennen: Salzige Heringe.“ Wird gemacht, Chef.

„Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeglichen antworten sollt.“ (Kolosser 4,6)

Olaf Plotke, 8. August 2016

 

Kommentare   

#1 Katzenohr 08.08.2016 23:10
Schön, dass klargemacht wurde, dass Katjes und andere Familienunternehmen eine andere Verantwortung spüren als Amazon und Co.

Das Abstimmen der Zitate mit der PR-Abteilung ist allerdings ein wenig lächerlich. Man meinte es vermutlich nicht böse. Ich denke, das liegt an der medialen Unfähigkeit vieler Familienbetriebe. Ich würde es ihnen nicht krumm nehmen.
Zitieren

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren