keineerotikWenn man in München 32-16-8 wählt, dann meldet sich bekanntlich am anderen Ende der Leitung eine Dame namens Rosie. Vermutlich hat sie mittlerweile ein Mobiltelefon, aber dessen Nummer ist mir nicht bekannt. Auf alle Fälle war das die Nummer, die man in München wählen musste, wenn man eine Nummer wollte, aber nicht ins Hotel L´Amour, was bekanntlich außerhalb der Münchener Stadtgrenze liegt, denn die Stadt selbst ist ja Sperrbezirk und die Rosie ist darin der Skandal.

fun1Das ist natürlich nur ein Lied von der Spider Murphy Gang und es ist ja auch gar nicht wahr, denn selbstverständlich ist nicht ganz München ein Sperrbezirk, in dem Prostitution verboten ist. Es gibt in ganz München lediglich 27 Sperrbezirke, in denen man dem ältesten Gewerbe der Welt nicht nachgehen darf; ansonsten ist es aber erlaubt.

In Kleve gibt es bislang nur einen Sperrbezirk. Und der erstreckt sich ganz einfach über die ganze Stadt. Rosies gibt es bei uns natürlich auch, aber ich kenne ihre Nummern nicht.

Für die selbsternannten Sittenwächter mag das mit dem Sperrbezirk eine tolle Sache sein, für den städtischen Haushalt nicht. Denn wenn jetzt in Klever Privatwohnungen die Kissenschlachten vollzogen werden, dann bekommt die Stadt davon nicht viel mit - außer vielleicht eine Beschwerde wegen Ruhestörung beim Ordnungsamt.

Bei einem Puff Sauna-Club sieht die Sache schon ganz anders aus. Da kann die klamme Stadt nämlich eine Sexsteuer einführen, wie man das z.B. in Emmerich gemacht und damit zwischenzeitlich sage und schreibe 70.000 Euro im Jahr eingenommen hat. Da kommt Freude auf. Und das sogar doppelt!

Natürlich nennt man das im Verwaltungsdeutsch nicht Sexsteuer, sondern „Steuer für die gezielte Einräumung der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen“. Und natürlich redet auch kein Beamter von Sex, sondern von „Veranstaltungen“ und die Steuer ist auch nicht für die Nummer, sondern für die Größe der „Veranstaltungsfläche“ (!) zu bezahlen. fun2Aber diese Veranstaltungen sind in Kleve halt generell verboten. Zumindest war das bis 2011 so - da erklärte unser Rechtsdirektor Wolfgang Goffin im Klever Stadtrat, dass die ganze Stadt Kleve Sperrbezirk sei. Aber das ist lange her. So lange, dass Kleve mittlerweile über 50.000 Einwohner hat (genau: 50.650) und damit ist die Grenze überschritten, bis zu der man einfach die ganze Stadt zum Sperrbezirk erklären kann (siehe hier). Ich weiß zwar nicht, warum das die schweinische Grenze ist (vielleicht steigt der Bedarf an Ferkeleien ab 50.000 Einwohnern einfach rapide an), aber nun muss der Rat spezielle Sperrbezirkszonen definieren, wenn er nicht will, dass in der ganzen Stadt Gymnastikübungen mit „Happy Ending“ angeboten werden.

Das wird vermutlich eine vergnügliche Aufgabe für den Klever Stadtrat, der sicher mit großem Sachverstand, aber natürlich wenig eigener Erfahrung spannende Diskussionen darüber führen wird, welche Stadtteile nun Sperrbezirk werden und welche nicht.

„Ich habe meinen Rock ausgezogen, wie soll ich ihn wieder anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie soll ich sie wieder besudeln? Aber mein Freund steckte seine Hand durchs Riegelloch, und mein Innerstes erzitterte davor.“ (Hohelied 5, 3-5)

Olaf Plotke, 5. April 2016

Kommentare   

#1 Wolfgang Manser 05.04.2016 19:20
Olaf, Du hast mit diesem Artikel wieder mal den Vogel abgeschossen. Selten habe ich mich so amüsiert...
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#2 Jens-Uwe Habedank 05.04.2016 22:54
Hat Kleve wirklich - nach der Zeit und aller Bemühungen des Meisterbürgers die magische Zahl von über 50.000 Einwohner erreicht?

Die Bilder sind alt und aus Emmerich...

Materborn würde auf jeden Fall Sperrbezirk werden, Kellen wohl mittlerweile eher nicht...

Man kann das "Geschäft" auch auf einer "Tourismus-Fähre" zwischen Düffelward und Schenkenschanz betreiben?
Wer wäre zuständig, Stadt, Schifffahrtsamt, Verkehrsamt oder Stadtwerke Kleve...?

Ein Stadtrat ohne Erfahrung in zwischenmenschlichen Beziehungen, Alltagssituationen - undenkbar...
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#3 Nobody 05.04.2016 23:02
Vielleicht macht man dann auch einen "Ausflug", pardon eine "Besichtigungsexkursion" wie zur Bebauung des Minoritenplatzes.....das wäre dann mal eine Abwechslung zum alltäglichen Ärger mit den Bürgern.... :-)
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#4 Baydreher 06.04.2016 08:59
Diese Ratssitzung sollte man dann wirklich auf keinen Fall verpassen. Es wird ein Gipfel der Verklemmtheit und Verlogenheit. Deftige Sprüche von Faschismusexperten wird es sicher auch geben plus diverser Zitate von Freud.
Es könnte aber auch sein das nichts davon geschieht, weil man tatsächlich ein finanzielles Interesse an der Eröffnung solcher Etablissements hat (Sexsteuer).
Was wäre eigentlich wenn nun einfach ein Saunaclub in Kleve eröffnet? Wenn der Sperrbezirk nicht mehr gilt, könnte man die Ansiedlung dann überhaupt verhindern?
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#5 Erbarmen bitte! 07.04.2016 09:26
@Baydreherzitiere Baydreher:

Was wäre eigentlich wenn nun einfach ein Saunaclub in Kleve eröffnet? Wenn der Sperrbezirk nicht mehr gilt, könnte man die Ansiedlung dann überhaupt verhindern?


Das ist die Frage. Die Verwaltung sollte sich schleunigst mit dem Thema befassen. Es will niemand das wir in Kleve künftig Verhältnisse wie in Emmerich haben.
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