fonckssigmaGestern noch feierte Britta Schulz ihren großen Sieg zur neuen Bürgermeisterin von Kalkar, heute dann das böse Erwachen.

Als neue Bürgermeisterin muss sie ab dem 21. Oktober den Dienstwagen ihres Vorgängers benutzen - einen Opel Insignia, der Fonck auf wundersame Weise zufiel. Denn der Bürgermeister von Kalkar ist auch Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft SEG. Und die überlässt dem Bürgermeister gerne einen Dienstwagen für die private Nutzung. Der Mann konnte gar nichts dafür - der Rat hat ihm den Wagen förmlich aufgedrängt. Man kommt eben viel rum.

Nun darf also Dr. Britta Schulz mit dem Opel durch die Gegend brausen und natürlich auch mal mit ihm in den Urlaub fahren oder zum Verwandtenbesuch zu Ex-Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach Königswinter.

Allein beim Anblick des Kennzeichens traf Britta Schulz beinahe der Schlag: Denn der Wagen hat das Kennzeichen KLE-F 1957 (siehe Foto oben). Potzblitz! Da hat doch die Zulassungsstelle dem von der SEG finanzierten Dienstwagen ein Kennzeichen zugeteilt, das genau zu Bürgermeister Fonck passt: F = Fonck und 1957 ist just sein Geburtsdatum. Was für ein Zufall.

britta schulz„Damit kann ich doch nicht durch die Gegend fahren“, schüttelte eine entrüstete Bürgermeisterin Schulz mit dem Kopf und ließ ihren Mitarbeiter Frank Sundermann sofort mit dem eigenen Dienstwagen nach Kleve zur Zulassungsstelle fahren, um dort ein anderes Kennzeichen zu besorgen.

Wie durch Zauberhand kam Sundermann mit dem Kennzeichen KLE-S 1959 zurück. Britta Schulz starrte verwundert auf die Buchstaben- und Zahlenkolonne: „Nanu, das ist ja mein Geburtstag. Und dann auch noch der Anfangsbuchstabe meines Nachnamens. Was für ein Zufall!“ Frank Sundermann lächelte und antwortete nur: „Wunder geschehen. Das müssten Sie doch am besten wissen, Frau Bürgermeisterin.“

Das Auto stand gerade einen Tag auf dem städtischen Parkplatz, da berief die Kalkarer CDU einen Pressekonferenz ein. „Wir sind entsetzt über die Rasanz, mit der Britta Schulz sich von der vorausschauenden Finanzpolitik ihres Vorgängers verabschiedet hat“, verkündete der CDU-Vorsitzende und Franktionschef Klaus-Dieter Leusch. „Statt sich um die Stadt und ihre Bürger zu kümmern, denkt die neue Bürgermeisterin erstmal nur an sich und behandelt städtisches Eigentum als wäre es ihr eigenes.“ Zum Beweis hielt er ein Foto des Opel Insignia mit dem verräterischen Kennzeichen hoch.

Die Tageszeitungen kommentierten Schulz’ "Dienstwagen-Affäre" scharf. Da war von „Sonnenköniginnentum“, „Ruch von Bereicherung“, „Augenmaß verloren“ und „eitler Sebstbeweihräucherung“ zu lesen. Und ein Internet-Blog verglich Britta Schulz gar mit dem früheren Gocher Bürgermeister Karl-Heinz Otto. Die Empörung, die diese Enthüllung auslöste, war enorm. Viele Wähler sahen sich von Britta Schulz getäuscht und die CDU Kalkar empfand es als ihre demokratische und moralische Pflicht, den Bürgerprotest mit einer Unterschriftensammlung zu unterstützen, in der gegen diesen schamlosen Egoismus der Bürgermeisterin protestiert wurde.

2.212 Unterschriften überreichte CDU-Fraktionschef Klaus-Dieter Leusch der Bürgermeisterin in der anschließenden Ratssitzung. Es war eine unglaubliche Demütigung. Britta Schulz ertrug sie nicht lange: Sie trat schon drei Tage später zurück.

Fonck-webGerhard Fonck trat bei der anschließenden Bürgermeister-Neuwahl „zum Wohl der Stadt“ noch einmal an und gewann mit 87,5 Prozent gegen den Grünen- und Forum-Spitzenkandidaten Willibald Kunisch sowie den parteilosen Bewerber Norbert van de Sand.

Und so saß Gerhard Fonck nach 6 Monaten Abstinenz wieder in seinem Bürgermeister-Büro, stellte einen Bilderrahmen mit Familienbildern auf den Schreibtisch, hob den Telefonhörer hoch und rief Frank Sundermann an: „Können Sie bitte mal eben meinem Dienstwagen ein neues Kennzeichen besorgen?“ „Klar“, sagte Sundermann. „Irgendwelche speziellen Wünsche?", fragte Sundermann zurück. Fonck lehnte sich zurück, das Leder des Sessels quietschte angenehm luxuriös und der Bürgermeister sagte nur: „Nein, das offizielle Kennzeichen - wie üblich.“

„Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheißt, dass sein Bund ewiglich bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name.“ (Psalm 111,9)

Olaf Plotke, 28. September 2015

 

(Mit Dank an die Webseite www.hoennepel.de von der ich das Foto des Dienstwagens oben 'mopsen' durfte.)

Kommentare   

#1 Willi Heuvens, Spark.ang.a.D. 28.09.2015 18:50
Das mit dem Dienstwagen kann man nicht glauben, nicht von Herrn Fonck, der ist doch Christ ...
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#2 Norbert van de Sand 28.09.2015 18:59
Ja, ich glaube alles von dieser wahren Geschichte. Nur bei der Neuwahl "zum Wohle der Stadt" ist dem Redakteur ein schwerer Fehler mit der Prognose von 87,5 % für Fonck unterlaufen. Die Prozentzahl mag ja stimmen, aber mit Sicherheit nicht der Name des Siegers!
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#3 D.Janssen 28.09.2015 19:03
Herr Plottke..................was ist denn ein Opel Sigma?

Also ich kenne Opel Signum und ich kenne Opel Insignia......Aber Sigma................was ganz extravagantes! :)
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#4 Willi Heuvens, Spark.ang.a.D. 28.09.2015 19:11
Ich empfehle: Toyota - nichts ist unmöglich ...
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#5 O.Plotke 28.09.2015 19:11
@ D. Janssen:

Oh danke - vertan.
Ich bin leider kein Autofachmann.
Ist jetzt korrigiert. Ist ein Insignia.
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#6 W. Schwaya 28.09.2015 20:58
Olaf, hättste Dir doch denken können. Kommt vom lat. Insignien. Da es kein Zepter und Krone mehr gibt......
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#7 interna 28.09.2015 21:22
Und was macht Herr F1957, wenn Frau BS weiter mit seinem Kennzeichen fährt oder gar einfach ihr eigenes Auto nutzt?
Herr F hat jetzt genügend Zeit zum Spazierengehen und drüber Nachdenken, wie's kam.
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#8 Dieter Brammen 28.09.2015 22:42
Also irgendwie kann Herr Fonck einen schon ein bisschen Leid tun. Auch wenn er selber am Wahlergebnis Schuld hat. Die Bürger vergessen halt nicht, und vor allem die nicht, die vorher nicht ernst genommen wurden.
Dennoch, 16 Jahre den Job gemacht zu haben ist auch eine Leistung und muß man erst einmal nachmachen.
Anscheinend wird er ja jetzt bereits mit 58 die Pension beantragen. Gelten da eigentlich andere Bedingungen als bei normalen Arbeitern die bei Geburtsjahr 1957 bis 64 arbeiten müssen? Wenn ja hätte ich mich auch abwählen lassen !
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#9 Happy End 28.09.2015 22:50
Herr Fonck bekommt einen Beratervertrag wie Herr Surieck beim Kreis. Dann darf er auch weiter Opel fahren.
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#10 Jens-Uwe Habedank 29.09.2015 06:47
Hätte Britta Schulz "F1957" behalten - wäre ihr vorgeworfen worden, täglich auf den Alt-Bürgermeister herum zu treten...
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#11 interna 29.09.2015 08:15
@9Happy End
Aber doch nur einen Corsa oder Adam.
Und nicht vergessen: Spreen hat u.a. dank Suerick mehr als 50% im ersten Wahlgang geschafft.
Suerick ist da die graue Eminenz.
Fonck ist aber alles andere als dies.
Daher vielleicht doch eher einen Matchbox Insignia.
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#12 Norbert van de Sand 29.09.2015 09:01
@ Dieter Brammen: Fonck ist Wahlbeamter; da gelten, ähnlich wie bei Landtags- und Bundestagsbeamte ganz andere Bedingungen zum Erhalt der Pension!
Was seine Leistungen angeht, so stimme ich Ihnen zu. Ich habe als Ratsmitglied mit Fonck manch erbitterten Kampf (besonders in den letzten 5 Jahren) gefochten. Trotzdem muss auch ich sagen: Er hat in den 16 Jahren in Kalkar auch viel Positives bewirkt. Das sollte man auch nicht vergessen!
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#13 Happy 29.09.2015 09:13
Wie darf man das verstehen.

Ist Frau schulz von ihr Amt zurück getreten und Herr Fonck ist Bürgermeister wieder geworden
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#14 Charly 15.10.2015 22:57
Hier macht sich die CDU doch mal wieder lächerlich-kein Wunder das der Bürger anders entschieden hat.
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