windkraft goli webGoch / Kranenburg (21.10.2016). Im Goli-Theater trafen am Donnerstagabend Befürworter und Gegner des Windkraftprojekts im Reichswald aufeinander. Nach dem Windkraft-kritischen Film „Fukushima und die Mopsfledermaus“ folgte eine Podiumsdiskussion, die vor allem offenbarte, wie tief auf Seiten der Projektgegner das Misstrauen gegen das demokratische System sitzt und wie groß die Ignoranz auf Seiten der Befürworter ist.
Hubert Zillig (Gegenwind) und Stefan Blome von der Kranenburger Energiegenossenschaft bemühten sich redlich, eine sachliche Diskussion über die geplanten Windkraftanlagen im Reichswald zu führen. Leider wurde die Diskussion durch die anderen Teilnehmer bestimmt.
Andreas Mayer von den Kranenburger Grünen gelang es, auf beinahe keine Frage von Moderator Andreas Gebbink zu antworten und meinte, er dürfe doch sagen, was er wolle. Tat er dann auch. „Ich bin dafür, der Windenergie so viel Raum wie möglich zu verschaffen“, sagte er. Bei Projektgegnern war er eh schon der Buh-Mann, der sich immer wieder Zwischenrufe anhören musste, aber seine ganze Körpersprache und seine demonstrative Positionierung abseits des Podiums machte deutlich, dass er hier die größtmögliche Anti-Haltung einnehmen wollte (siehe Foto oben).
Regisseur Philipp von Becker streute Zweifel am demokratischen System und Politikern, indem er sie unverhohlen als korrupt darstellte: „Korruption gibt es nicht nur in Italien. In unserem Land wird genauso geschummelt, betrogen und getrickst wie in jedem anderen Land. Und dazu gehört eben auch das Thema Windenergie.“ Damit nährte er den völlig unbewiesenen Vorwurf von Gegnern des Windkraftprojekts, die Kranenburger Ratsherren würden hier vor allem eigene finanzielle Interessen verfolgen.
Jeroen Boot von Gegenwind kritisierte alle Gutachten als nicht unabhängig und deshalb unglaubwürdig. „Aber wir verlangen beim Bau jeder Tankstelle, dass der Projektierer ein Gutachten finanziert, warum soll das hier anders sein? Wir können das doch dem Steuerzahler nicht zumuten“, sagte Stefan Blome.
Die Beiträge von Blome und Zillig förderten dann noch eine neue Erkenntnis zu tage: Kommt die Konzentrationszone im Wald nicht, wird nicht ganz Kranenburg mit Windrädern vollgestellt. Laut Blome sind nur noch zwei Stellen in Frasselt und eine westlich von Kranenburg mit insgesamt 7 Windrädern denkbar.

Olaf Plotke (Text & Foto)

Kommentare   

#1 Ludger Pauls 21.10.2016 15:52
Misstrauen ist hier auch angebracht.
Es wurde korrekt darauf hingewieden, dass Gutachter einen entsprechenden Spielraum haben und sich dennoch im gesetzlichen Rahmen bewegen (können).
Ein Gutachter steht den Interessen des Bestellers sicher nahe und der mögliche Rahmen um den Erwartungen zu entsprechen, wird auch sicherlich komplett ausgenutzt.
Bei den Seiten der Befürworter hat Herr Plotke zu der Eigenschaft Ignoranz bei Herrn Blome auch noch die Arroganz vergessen. Herr Blome weiss alles, andere sind nur dumm.
Herr Mayer war, so glaube ich, geistig nicht immer anwesend. Entweder hatte er die Fragen nicht verstanden (Thema: sehr schlechte Visualisierung von ABO Wind) oder er antwortete so langatmig und am Thema vorbei, dass man glaubte man wäre im "falschen Film". Darauf hin verliessen die ersten Leute das Kino.

Fazit:
Die Befürworter möchten weiterhin "ohne NOT" und ohne "Bürgerrückhalt" Technik und Industrie in unseren Wald verlagern.
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#2 Francesco Scalice 21.10.2016 15:57
Schade! Alle haben in gewisser Weise recht und man findet einfach keinen Konsens. Das muss anders gehen.

Einerseits hat Gegenwind nicht ganz unrecht, wenn es um "unseriöse" Strukturen im Energiesektor geht, nur scheinen sie Opfer mit Tätern zu vertauschen. Es ist ja gerade die Vielfalt der Akteure, die das ändern, nur Gegenwind betreibt eine Politik, die genau das Gegenteil zur Konsequenz haben wird. Googelt mal "Hambacher Forst". War schon einer von euch Gegenwindler dort demonstrieren? Wenn nicht, dann aber schnell hin, sonst ist das mehr als unglaubwürdig, was ihr da macht!

Andererseits haben die Befürworter zwar absolut Recht, dass Windkraft im Wald immer noch besser ist, als keine Windkraft, aber etwas weniger wäre doch auch gut!

Kommt aufeinander zu, nur so funktioniert das in der Demokratie! Ich will keins von beiden, 12 große Anlagen oder gar keine. Beides wäre ein Fehler.
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#3 Sonnenanbeter 21.10.2016 16:13
@ Ludger Pauls:
Herr Mayer hat aber doch einen Satz gesagt, mit dem er in die Geschichte eingehen wird:
"Ohne Geld geht die Sonne nicht auf!"
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#4 Ludger Pauls 21.10.2016 16:34
@Francesco Scalice:
Ich bin weder Öko noch gegen erneuerbare Energien.
Ich möchte verhindern, dass (wie geschrieben) man ohne Not Industrie in den Wald holt.
Ich beschäftige mich schon mehr als 20 Jahre mit dem Thema Windkraft. Länger als die meisten Leute.
Als Maschinenbauer und normal denkender Mensch ist es mir unbegreiflich, dass man sich die mit WEAs einhergehenden Risiken in den Wald holt.
Entweder sind bei mir die Synapsen nicht gut verbunden oder bei den "Windkraft-im-Wald-Befürwortern"?

@Sonnenanbeter:
Jepp, der Spruch war 1a. Und sooo grün!" ;-)
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#5 Heinz Goertz 21.10.2016 16:54
@Francesco Scalice, Zitat Herr Scalice:

Kommt aufeinander zu, nur so funktioniert das in der Demokratie! Ich will keins von beiden, 12 große Anlagen oder gar keine. Beides wäre ein Fehler.


Lieber Herr Scalice, ist Ihnen nicht klar, dass es hier um Geld, um sehr, sehr viel Geld geht, und nicht um Windkraft?
Haben sie in etwa eine Ahnung um welche Summen es bei der sogenannten Energiewende geht?

Haben Sie nicht? Das würde Ihren butterweichen Kommentar erklären. Glauben Sie etwa, dass Firmen wie ABO-Wind auch nur einen Cent investieren würden, wenn er sich nicht vergolden ließe?
Ist ja auch ok. So funktioniert unsere Wirtschaft. Finanziert über die Stromrechnungen der Haushalte.

ABER: Es geht hier um Wälder, die nicht nur unserer Generation gehören! Wer erlaubt uns bitte, an den letzten Resten halbwegs ökologisch funktionierender Flächen, Raubbau zu betreiben???

Woher nehmen die Leute, die das propagieren, ihre technische und moralische Kompetenz, um so etwas auch nur zu denken?
Ich denke da an die Herren aus der Führungsriege der Kranenburger Energiegenossenschaft. Inkompetenz in geballter Ladung. Sie haben zwar nichts zu entscheiden, stehen aber dauernd in der Zeitung, seltsam.

Stehen hier im näheren Umkreis des Reichswaldes nicht genug Windräder?
Wenn das am Lindchen, ... und bald in Rees so weiter geht, sind es doch schon an die Hundert Windräder.
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#6 Heike Boot 21.10.2016 18:11
@Francesco Scalice:
"Alle haben in gewisser Weise recht".....scharf bemerkt! Ja und dann?? Vielleicht darf ich in diesem Zúsammenhang auch Herrn Mayer zitieren: "Einen Tod muss man sterben". Er hat ja so recht, sprich: man muss sich entscheiden. Und wir entscheiden uns ganz deutlich Für Den Wald. Es gibt viele Wege um das zu demonstrieren. Einen schönen Weg haben wir am 8. Oktober bei einer Demo gezeigt. Und es geht weiter, vielleicht sogar so wie im 'Hambacher Forst'. Ich verstehe übrigens nicht ganz was an uns unglaubwürdig ist aber für den Fall einer Waldbesetzung können wir noch tatkräftige Leute gebrauchen ;)
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#7 Jens-Uwe Habedank 21.10.2016 20:54
#6, Heike Boot:
Für den Fall/ Notwendigkeit einer Waldbesatzung - stehe ich sofort zur Verfügung! Wann, wo treffen?
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#8 Thomas Velten 22.10.2016 15:13
In Kranenburg geht es schon mal ein bischen durcheinadner mit der Windkraft:Zitat aus der NRZ vom 11.11.2011:

In ihrer Sitzung am Donnerstag Abend erneuerten die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses ihren schon vor zwei Jahren gefassten Beschluss, dass in Kranenburg keine sogenannten Konzentrationszonen (mindestens zwei Anlagen) für die Errichtung solcher Anlagen ausgewiesen werden können. Dies gelte auch unter Berücksichtigung des von der rot-grünen Landesregierung verabschiedeten Windenergie-Erlasses vom 11. Juli dieses Jahres.

Zugleich bekräftigte Bürgermeister Günter Steins, die „interkommunale Zusammenarbeit zwischen Kranenburg und Kleve fortsetzen“ zu wollen (beide Kommunen wollen seit März 2010 gemeinschaftliche Konzentrationszonen ausweisen). Hintergrund waren gleich zwei Anträge auf Errichtung von Windkraftanlagen. (...)

Mit ihrem Beschluss folgten die Politiker den Empfehlungen aus der Untersuchung der möglichen Flächen für Windkraftanlagen durch das Moerser Ingenieur- und Planungsbüro Lange. „Wegen der fehlenden Größe der Flächen, aus Arten- und Vogelschutzgründen sowie Gründen des Landschaftsschutzes können in Kranenburg auch nach dem neuen Erlass keine solchen Zonen eingerichtet werden“, unterstrich Heidrun Müller vom Planungsbüro.
Was allerdings nicht heiße, dass keine Einzelanlagen gebaut werden könnten. Gegen die Genehmigung von Einzelprojekten (Firma Energiekontor, in Frasselt und noch zu gründende Energiegenossenschaft, am Teufelsberg) sprach sich der Rat allerdings bereits 2009 aus.

Quelle: www.derwesten.de/.../korb-fuer-windkraft-genossenschaft-id6066078.html#plx1652945686

Wenn es nicht passt, wird eben das nächste Gutachten in Auftrag gegeben...
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#9 Heinz Goertz 22.10.2016 16:37
@ 8. Thomas Velten, Zitat Herr Velten:


Zugleich bekräftigte Bürgermeister Günter Steins, die „interkommunale Zusammenarbeit zwischen Kranenburg und Kleve fortsetzen“ zu wollen (beide Kommunen wollen seit März 2010 gemeinschaftliche Konzentrationszonen ausweisen). Hintergrund waren gleich zwei Anträge auf Errichtung von Windkraftanlagen. (...)

So war es auch gedacht, bis ABO-Wind auf den Plan trat.
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#10 Johannes Rütten 23.10.2016 15:19
Die Diskussion lief (wieder einmal) an den Realitäten vorbei. Viele der Gegner – hier vor allem die auf niederländischer Seite – zweifeln tatsächlich die Rechtmäßigkeit der Planungen an, was dann zu den im Beitrag (und bei den "Ansichten") geschilderten Unterstellungen führt. ABO hat schlicht und einfach das Recht, einen entsprechenden Antrag für dieses Projekt zu stellen. Und das bedarf, wie bei jedem anderen Bauvorhaben, entsprechender Unterlagen. So wie ein Architekt versucht, Vorgaben des Bebauungsplans im Sinne des Bauherrn zu interpretieren, versucht ABO dies mit den „Gutachten“. Ich nenne solche eher Expertisen, und die sind natürlich nicht objektiv! Aber es ist eben die Aufgabe der Genehmigungsbehörde, also des Kreises, diese zu prüfen; und anscheinend hat man vieles gefunden, was einer Genehmigung entgegensteht. Anstatt sich ständig an Herrn Steins und dem Kranenburger Rat abzuarbeiten, sollte man die Sinne derer schärfen, die darüber tatsächlich zu entscheiden haben. Die Kranenburger Seite wird sich durch noch so viele Diskussionen nicht von ihrer Unterstützung abhalten lassen; zumal der Widerstand in der eigenen Gemeinde quasi gleich null ist; und entscheiden tun andere! Die Kritik des Bürgermeisters an der Stellungnahme des Kreises zum RPD könnte sich allerdings als Eigentor erweisen!
Aufgrund der eindeutigen Einwände zum RPD seitens Kreis und NABU und des unverhohlenen Eingeständnisses von überwiegend finanziellen Interessen ohne Rücksichten (Interview mit Herrn von Aretin, KaS 25.09.) verstärkt sich bei mir die Einschätzung, dass das von mir in einem Leserbrief als „Frevel an der Natur“ bezeichnete Ansinnen die Grenze der Legitimität klar überschreitet. Ein „Frevel“ kann zwar legal, jedoch niemals legitim sein!
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#11 Heinz Goertz 23.10.2016 19:13
@ 10. Johannes Rütten,

sehr richtig Ihr Kommentar.

Deshalb frage ich mich immer wieder, was die Herren von der Energiegenossenschaft Kranenburg bei solchen Veranstaltungen zu suchen haben? Den Bauantrag für 12 Windräder hat doch ABO-Wind gestellt.

Oder hat die Firma ABO-Wind, die Energiegenossenschaft Kranenburg e.G., beauftragt, das Marketing für die 12 Windräder zu betreiben?

Die Beschreibung des Zwecks der Genossenschaft(siehe unten) grenzt an Größenwahn. Oder ist ABO-Wind größter Anteilseigner?
Das würde einiges erklären

www.handelsregister-anfordern.com/Kleve/Energiegenossenschaft+Kranenburg+eG.html
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#12 Mayer Andreas 24.10.2016 15:30
Sehr geehrter Herr Plotke,

Ein Journalist wie Sie ist ja scheinbar in allen Gebieten ein Fachmann. Sie verteilen Haltungsnoten und waren scheinbar nicht mit meiner Haltung zufrieden. Vielleicht hätten Sie statt rechts in der Ecke in der Mitte Platz nehemn sollen. Ich war der Meinung, dass ich mich nicht hinter dem Podium verstecken solle und gleichzeitig auch meinen Gesprächspartern und dem Publikum zu wenden müsse. Aber Spass bei Seite: ihrem Motto 'satirisch, kritisch, kontrovers' sind Sie wohl nicht treu. Höchstens, dass Sie Ihre eigene Meinung kundtun wollen und Vorschub leisten an enthemmte Diskusionen (Oder ist das Ihre Auffassung von 'kontrovers'?)
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