demenz-webKreis Kleve (16.9.2016). Kann man über Demenz lachen? Wer einen demenzkranken Angehörigen pflegt, den irritiert die Frage vielleicht, denn Demenz ist alles andere als ein Spaß. Es ist vor allem eine große Belastung für die Angehörigen. Denn sie haben nicht nur die Belastung der Pflege und Betreuung zu schultern, sondern auch noch mit den eigenen Gefühlen zu kämpfen, die entstehen, wenn ein geliebter Angehöriger immer vergesslicher wird und im schlimmsten Fall einen selbst nicht mal mehr erkennt. Das Kreis Klever Netzwerk Demenz findet, dass man trotzdem auch was zu lachen hat.
Am 13. Oktober veranstaltet das Netzwerk Demenz im St. Augustinus-Seniorenheim in Emmerich um 18 Uhr einen Vortrag unter dem Motto „Humor trotz(t) Demenz“. Dann wird Diplom-Psychologin Marion Dobersek einen „lustigen und gleichsam ernsten Vortrag“ halten, wie es in der Ankündigung heißt. Es ist die Abschlussveranstaltung der Reihe, die das Netzwerk ins Leben gerufen hat. Weitere Termine sind am 22. September zum Thema „Demenz - was tun?“ mit Dr. Christoph Baumsteiger und am 29. September über „Prävention und Bewegung“. Alle Vorträge finden im Augustinus-Seniorenheim in Emmerich statt und beginnen um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
„Unser Fokus liegt auf den Angehörigen“, sagt Alexia Meyer, Bereichsleiterin bei der Caritas in Kleve. Denn der Angehörige ist für die Pflege und Betreuung von Demenzkranken eine wichtige Säule, vielleicht die wichtigste. Denn die Erinnerung an den Angehörigen bleibt bei Demenz- und Alzheimerpatienten mit am längsten präsent. Wenn man schon beinahe alles vergessen hat, erkennt man dennoch die eigene Frau. Und selbst wenn man den Namen nicht mehr weiß, so herrscht dennoch ein Gefühl des Vertrauens vor. Das ist wichtig, wenn die Vergesslichkeit so weit fortgeschritten ist, dass der Erkrankte das eigene Zimmer nicht mehr erkennt und deshalb nach dem Aufwachen gleich Angst bekommt. Eine vertraute Person, die einen beruhigt und in den Arm nimmt, kann viel von der Verunsicherung hinwegnehmen. Aber die psychische Belastung der Angehörigen ist groß. Deshalb will das Netzwerk Demenz vor allem sie stärken, ihnen seelische Unterstützung bieten und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen.
Wichtig ist auch hier: Je schneller eine Demenz behandelt wird, desto besser. Denn manchmal hat die Vergesslichkeit ihre Ursache nur in einer Duchblutungsstörung. Deshalb rät das Netzwerk lieber einmal zu viel als zu wenig den Arzt aufzusuchen. Besonders in diesem frühen Stadium ist es aber meist schwierig Erkrankte zum Arztbesuch zu überreden. Auch hier kann das Netzwerk helfen, z.B. mit der nun geplanten Vortragsreihe. Hier kann man auch einfach so hingehen, um sich zu informieren. Das kann die Bereitschaft beim Erkrankten steigern, doch einmal zum Arzt zu gehen.
Anmeldungen zu den Vorträgen unter 02822/704570. Dort gibt es auch Informationen zum Netzwerk und seinen Hilfsangeboten oder per E-Mail an demenzservicezentrum-niederrhein@caritas-wesel.de

Olaf Plotke (Text & Foto)

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