northingwahl2Kleve (12.5.2015). Traumergebnis für Sonja Northing: FDP und Offene Klever wählten sie einstimmig, die SPD mit 95 Prozent Zustimmung heute zu ihrer Bürgermeisterkandidatin. „Sonja, Sonja“, skandierten die rund 200 Parteimitglieder und Gäste im großen Tagungsraum der Wasserburg Rindern und spendeten stehend Beifall.

northingwahl4Vorausgegangen war eine wahre Krönungsmesse. Daniel Rütter (FDP), Josef Gietemann (SPD) und Dr. Fabian Merges (Offene Klever) berichteten in kurzen Einführungsreden noch einmal, wie man auf Sonja Northing gekommen sei und warum sie die beste Kandidatin sei. Dabei gab es auch ein paar Seitenhiebe auf die Bürgermeisterkandidaten von CDU und Grünen. Udo Janssen wurde sein „Weiter so“-Programm von Daniel Rütter als Weg in die Schuldenfalle ausgelegt und Josef Gietemann unterstellte gleich mal den Grünen Wählertäuschung: „Der kleine Klever Koalitionspartner erklärt vor der Wahl: ‚Wir lösen uns aus der Umklammerung der CDU.’ Und nun will der Kandidat die alten Zeiten wieder hochleben lassen.“ Gietemann schloss sein Grußwort beinahe kämpferisch: „Ein ‚Weiter so’ wie seit 70 Jahren ist nicht die Lösung. Vorwärts Sonja Northing - mach Dein Ding!“

Die künftige Bürgermeisterkandidatin durfte dann endlich auch mal was sagen und holte weit aus: Sie begann ganz vorne - bei ihrer Kindheit.

Sie skizzierte eine Familiengeschichte, in der Politik einfach dazu gehörte, weil aus ihr mit ihrem Großvater Johann Derieth (Bürgermeister von Donsbrüggen) und dem Cousin ihrer Mutter, Karl Thelosen (Bürgermeister von Kleve) zwei bedeutende Klever Lokalpolitiker hervorgegangen waren. Unausgesprochen, aber deutlich die Botschaft: In diese Reihe passe ich auch hinein.

Northing ging ausführlich auf ihre berufliche Karriere ein, stellte sich als durchsetzungsstarke, selbstbewusste und mitarbeiterorientierte Führungskraft dar. „Ich führe mein Team mit Liebe, klar und deutlich“, sagte sie.

northingwahl3Wie bereits bei ihrer Pressevorstellung betonte Sonja Northing wieder ihre Überparteilichkeit. Damit will sie punkten, denn Überparteilichkeit scheint sie in gewisser Weise mit Unvoreingenommenheit gleichzusetzen und das kann sogar ihre mangelnde politische Erfahrung ausgleichen, ist sie sich sicher: „Ich kann nicht mit jahrelanger politischer Erfahrung aufwarten. Aber meine scheinbare Schwäche wird eine große Stärke sein. Unvoreingenommen, die Dinge und vor allem die Menschen neu zu betrachten, wäre für alle eine große Chance.“

Ein bisschen Programm gab es auch: Sie will ein großangelegtes, umfassendes Verkehrskonzept für Kleve erstellen - sie will sich dabei an der Stadt Siegburg orientieren, die das ihrer Ansicht nach gut gemacht hat. „Wir sollten von Besseren lernen“, erklärte sie.

In Sachen Schulen will sie die „angebotene Vielfalt“ erhalten und die Betreuung der Schüler verbessern. Wichtig ist ihr eine flexible Betreuung von Schul- und Kindergartenkindern, die über die üblichen Kernzeiten hinausgeht.

Dann noch was zur Kultur: Die Kleinkunst soll gestärkt werden und sie träumt von einem Kulturzentrum ähnlich dem „Doornroosje“ in Nimwegen - natürlich nur wenn es die Finanzlage zulässt.

northign1Das war es dann aber auch schon. Sonja Northing: „Das soll nur ein kleiner Auszug der Ideen sein. Exemplarisch sozusagen, nicht abschließend zu verstehen. Nicht das morgen in den Medien steht, Frau Northing hält ein umfangreiches 3-Punkte-Programm bereit.“

Den anwesenden Parteimitgliedern reichte es auf alle Fälle an Inhalten. Nach ihrer Rede gab es nur eine Nachfrage.

Die Parteien zogen sich dann in getrennte Räume zurück, wo sie dann Sonja Northing mit den drei Traumergebnissen zur Bürgermeisterkandidatin kürten. „Mit dem besten Ergebnis, das bislang überhaupt ein Bürgermeisterkandidat in Kleve bekommen hat“ - ein Seitenhieb auf die knappen Wahlsiege von CDU-Kandidat Udo Janssen und Grünen-Kandidat Dr. Artur Leenders, den sich Moderator Alexander Bungert (FDP) am Ende noch gönnte.

Olaf Plotke, Text & Fotos

PS: Lesen Sie auch die Rede von Sonja Northing (mit vielen Fotos vom Abend) im Wortlaut, um sich ein eigenes Bild zu machen (hier klicken)

PPS: Auf diesen Satz klicken und direkt zum Notiz-Blog "Sie hat die Arme schön: So gewinnt Sonja Northing die Bürgermeisterwahl" gelangen (hier klicken).

Kommentare   

#1 Erbarmen bitte! 13.05.2015 08:51
Traurig, dass den Mitgliedern von FDP, SPD und OK drei inhaltliche Punkte von bescheidener Qualität reichen, um jemanden zur Bürgermeisterkandidatin zu wählen. Das sagt auch etwas über den Anspruch der Parteien aus.
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#2 HeinzS 13.05.2015 09:36
Offensichtlich hat sie gelernt,da die Vorstellung um Welten besser war,als bei der Veranstaltung der GRÜNEN.
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#3 Willi Heuvens, Spark.ang.a.D. 13.05.2015 10:47
Trotzdem und als Hintergrund, dass ich Arthur Leenders für den besseren Bürgermeister halte, sage ich: alle Achtung Frau Northing! (aber: lassen Sie sich nicht zum Zugpferd von Nitsch und Co. machen)
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#4 Der Laie 13.05.2015 11:43
@2 Heinz S
In jedem Falle dürfte sich Frau Northing im Gegensatz zu den anderen Kandidaten der ehrlichen Unterstützung durch die Partei Gremien sicher sein.

@1 Erbarmen bitte
Schaumschläger hatte Kleve in der Vergangenheit doch schon genügend,
oder wie war das mit der Sekundar- und Gesamtschule, erst vehemend dagegen sein und sich dann nach zwangsweiser Umsetzung als Macher feiern lassen wollen.

Kleve hat es verdient,einen Neuanfang und Wandel zu bekommen.
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#5 Paul Zigan 13.05.2015 12:29
Zum Kommentar Erbarmen bitte! Es wurden einige inhaltliche Punkte (mehr als 3!!) von FDP, SPD und der OK vorgetragen. Die Rede von Frau Northing ergab weitere Anliegen und Wünsche für die Zukunft.

Waren Sie bei der Veranstaltung anwesend oder haben Sie Ihre Aussagen auf Basis "Hörensagen" erstellt?

Ich hoffe, es geht weiterso im Stile der gestrigen Veranstaltung, dann ist mir nicht um den Wahlsieg am 13. September von Frau Northing nicht bange.
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#6 B.R. 13.05.2015 14:58
Freut mich zu hören, dass den demenzkranken Bürgern in Kleve demnächst wohl völlig unbürokratisch geholfen werden soll.

Ansonsten eine weiterhin sehr schwache Vorstellung der alternativlosen 95% Notfall-Kandidatin. Für wen haben denn die fehlenden 5% gestimmt: für Erich Honecker oder für Marie Luise Klotz ?
Vier oder fünf Anläufe braucht man, um lokalpolitische Themen wenigstens überschriftsmäßig etwas zu konkretisieren.
Das Schockierendste ist aber, dass man die Frauen in Kleve für so dumm hält, dass man ihnen rote Rosen schenkt, in der Hoffnung, das würde ausreichen um als Bürgermeisterin gewählt zu werden.
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#7 willi winzig 13.05.2015 16:11
@BR

Warum schwache Vorstellung?
Von den anderen beiden BM-Kandidaten sind mir Vorstellungsreden oder ähnliche Erläuterungen, weshalb diese sich zu Höherem berufen fühlen, gänzlich unbekannt. Nirgendwo haben diese überhaupt irgendwas veröffentlicht.

Und warum meinen Sie Frau Northing würde glauben, die Frauen würden sie wählen, wenn sie diesen rote Rosen schenkt? Oder nehmen sie auch an, die Grünen gingen davon aus, Frauen würden diese wählen, weil sie an ihren Infoständen Sonnenblumen verteilen?
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#8 Michael Zumbrägel 13.05.2015 16:39
@6 B.R.
bitte noch ein wenig Geduld, erst die Nominierung, dann das Programm. Frau Northing hat mit allen unterstützenden Parteien vorab diskutiert - nicht nur mit den Vorständen/Findungskomission, sondern mit den Mitgliedern - da kommt noch viel mehr als gestern Abend.....

Es wird eine echte Alternative zu dem geboten was war und für das, für das die anderen beiden Kandidaten immer noch stehen, das ist sowohl innerhalb der Verwaltung als auch für die politische Kultur außerhalb des Rathauses extrem notwendig und wichtig und kann der Stadt nur gut tun.

Wo sind denn die Inhalte der CDU und der Grünen?

Ich habe von dem, was Frau Northing machen möchte jetzt schon ein deutlicheres Bild als von den Vorstellungen der beiden Herren.
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