„Pakistan hat im Westen kein besonders gutes Image“, sagte Generalleutnant Friedrich Wilhelm Ploeger einleitend. „Dennoch ist es ein bemerkenswertes Land: 1956 war Pakistan der erste Staat, der eine islamische Republik ausrief. Andererseits war Pakistan der erste islamische Staat, der von einer Frau regiert wurde.“ Der Kommandeur des Kommandos Operative Führung Luftstreitkräfte und die Deutsch-Atlantische Gesellschaft als Mitveranstalter hatten adazu in die Kalkarer Kaserne eingeladen. Und mehr als 250 interessierte Gäste waren dieser Vortragseinladung gefolgt.

Als Referenten hatte man den Journalisten Thomas Bärthlein von der Deutschen Welle gewinnen können. Bärthlein ist Asien-Experte und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Pakistan.

In seinem Vortrag betonte Bärthlein immer wieder die dominierende Rolle, die das Militär und die Geheimdienste in Pakistan spielen. „Das Militär und die ihm unterstellten Geheimdienste haben die pakistanische Gesellschaft durchdrungen“, so der Journalist. Und: „Die faktische Militärherrschaft löst keine Konflikte, sondern schafft neue.“

Dabei sei die Politik des Militärs oft „undurchsichtig“. Bärthlein: „Das Militär spielt ein Doppelspiel.“ Auf der einen Seite habe das Militär den militanten islamischen Fundamentalismus massiv gefördert. Denn: Fundamentalisten wie die Taliban lassen sich leicht als Begründung für die Macht des Militärs in Pakistan anführen. Auf der anderen Seite buhle das Militär um westliche Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe und betone seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Taliban. Doch: Auch hier ist die Existenz der Taliban als Schreckgespenst Voraussetzung.

Bärthlein gab seinen Zuhörern zudem einen kenntnisreichen Einblick in die innenpolitischen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten Pakistans. „Pakistan sieht sich häufig als Opfer“, so der Journalist. Auf der einen Seite habe man mehrere Kriege gegen den Nachbarn Indien verloren. Außerdem habe die muslimische Welt zunehmend das Gefühl, der Westen führe einen Kreuzzug gegen sie. „Reflexartig sucht man in Pakistan nach externen Sündenböcken, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.“ Deshalb sei – und hier könne der Westen einen wichtigen Beitrag leisten – der Abbau von gegenseitigem Misstrauen ein wichtiges Element, um das fundamentalistische Pulverfass in Pakistan zu entschärfen.

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