valentina webKleve (6.11.2016). Gut verpackt in Mappen lagerte die Kunstsammlung von Rose und Gustav Wörner in ihrer Klever Wohnung. Nur ein Bruchteil der 5.000 Werke kam an die Wand. Den Rest bekam fast niemand zu sehen. Wenn man Sammler ist, versteht man das. Man muss nicht sehen, was man hat und schon gar nicht zeigen. Man muss nur wissen, dass man es hat. Nach dem Tod des Ehepaars kam die Sammlung als Schenkung an das Museum Kurhaus. Und das macht nun zusammen mit dem Haus Koekkoek diese unfassbare Sammlung erstmals in ihrer Breite sichtbar. Man muss keine Ahnung von Kunst haben, um hier begeistert zu sein. Denn aus den Bildern, Skulpturen und Kunstgegenständen spricht eine große Leidenschaft, die mich überwältigt hat. Dazu hat natürlich auch Ausstellungsmacherin Valentina Vlasic beigetragen, die diese Leidenschaft auf einzigartige Art und Weise vermitteln kann, wenn sie einen durch die Ausstellung führt. Deshalb: Wenn es irgendwie geht, versuchen Sie so eine Führung zu bekommen.
Die Ausstellung im Museum Kurhaus verspricht im Titel eine Reise durch 500 Jahre Kunstgeschichte. Aber das stimmt nicht. Denn die Sammlung umfasst eigentlich Werke von 1.300 vor Christus bis ins 20. Jahrhundert. Bemalte Teppichstücke aus Peru gehören zu den ältesten valentina web2Ausstellungsstücken. 1.300 vor Christus! Ich finde es immer wieder überwältigend, solche Dinge betrachten zu können. Sie sind nur eine kleine Facette dieser Ausstellung, aber sie zeigen, dass Rose und Gustav Wörner nicht nach den Vorgaben von Kunstexperten gesammelt haben, sondern einfach das gekauft haben, was ihnen gefiel. Und ihnen gefiel irgendwie alles, was Menschen an Kunst produziert haben: Schmuck, Vasen, Teppiche, Bilder, Skulpturen, Stundenbücher, Lehrbilder und und und.
Es gibt im Museum Kurhaus einen Raum, der nur japanische Kunst aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zeigt. In einem anderen Raum sieht man persische Miniaturen aus dem 18. Jahrhundert, auf denen man fast nur Männer sieht und dann diese fast 3.000 Jahre alten Tierstatuen aus dem heutigen Iran.
Natürlich haben die Wörners auch Kunst gesammelt, die wir in einem Museum erwarten: Moderne Kunst von Nagelkünstler Günther Uecker, Emil Nolde, Käthe Kollwitz, Eduardo Chillida, Otto Piene uva. Das Kurhaus hat riesige Wände vollgehängt mit den Grafiken und Bildern der Sammlung. Sie ist so groß, dass man nicht alles zeigen kann und das Museum Koekkoek ab Sonntag, 6. November, weitere Werke zeigt. So gigantisch ist das, was Rose und Gustav Wörner in ihrem gemeinsamen Leben zusammengesammelt haben.
Ein Gang durch das, was man jetzt schon im Kurhaus sehen kann, ist ein wahrer Kunstrausch. Man guckt hier, man guckt da - man sieht überall überraschendes, spannendes, unverhofftes. Es ist so faszinierend, wie Moyland anfangs war, als die van der Grintens die Wände bis unter die Decke mit Bildern vollhängten, um so viel wie möglich zu zeigen von dem, was sie hatten. Und so wie damals in Moyland so ist auch die Sammlung Wörner in ihrer Bilderflut selbst ein Kunstwerk. Ein Kunstwerk, das man jetzt bestaunen kann.

Olaf Plotke (Text & Fotos)

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