flucht1 webKleve (17.7.2016). Huzeffa Zavery erzählt die Geschichte einer Flucht. Der indische Student der Hochschule Rhein-Waal sitzt auf einem Stuhl, blickt ins Nichts, gestikuliert manchmal ein wenig. Neben ihm Sufian Sasila aus Syrien, der auf einer E-Gitarre sparsame Akkorde, manchmal nur einzelne Töne spielt. Das Duo spielt einen Ausschnitt aus ihrem Programm „Home Again“ - ein Stück über die Flucht von Menschen vor dem Krieg übers Mittelmeer nach Europa. Das Publikum an diesem Tag besteht aus Flüchtlingen, dem Klever Stadtkämmerer Willibrord Haas und Bürgermeisterin Sonja Northing.
Eigentlich geht es um das Angebot für Flüchtlinge, das das Haus der Begegnung zusammen mit der Stadt Kleve und dem Sozialverein Papillon anbietet. In das Haus an der Sackstraße 88 in Kleve sind jede Woche zu eigenen Terminen je nur Männer und Frauen eingeladen, um mit ehrenamtlichen Helfern des Hauses der Begegnung über Probleme, Fragen und Sorgen zu sprechen oder einfach, um ein paar angenehme Stunden miteinander zu verbringen. Denn die Freizeitangebote in dem Haus sind groß: vom gemeinsamen Kochen über kickern bis hin zum Lesen ist hier vieles möglich.
An diesem Tag ist Bürgermeisterin Sonja Northing in das Haus gekommen, um sich über das Angebot zu informieren. Einige Flüchtlinge nutzen die Gelegenheit, um mit der Bürgermeisterin über ihre Situation zu sprechen, z.B. über noch nicht bearbeitete Anträge. Northing war früher Sozialamtsleiterin, kennt die Materie aus dem Effeff und kann kompetente Antworten geben. Sie hält auch eine kurze Rede, in der sie Papillon lobt, weil der Verein das Haus kostenlos zur Verfügung stellte und natürlich die Helfer vom Haus der Begegnung, die so viel wertvolle Arbeit leisten. Aber sie wendet sich natürlich auch an die rund 50 Flüchtlinge - Männer, Frauen und Kinder - die an diesem Tag hier sind. „Wir tun alles, damit es Ihnen gut geht, soweit es uns möglich ist“, sagt sie. Northing sagt viele Höflichkeiten, aber sie verlangt auch etwas: „Wir möchten Sie kennenlernen, aber ich bitte Sie auch, uns Deutsche kennenzulernen.“
Das Beeindruckendste an diesem Vormittag ist aber der Auftritt von Huzeffa Zavery und Sufian Sasila. Der Ausschnitt aus ihrem Programm „Home Again“ geht unter die Haut, so intensiv bringt das Duo die Flucht über das Meer mitsamt der Angst und Verzweiflung, der Normalität des Sterbens und der Hoffnung auf ein neues Leben herüber. Das Stück basiert auf Erzählungen von Flüchtlingen, die Tanya de Kruijff aus Nimwegen gesammelt und zu einer Text- und Klangcollage verarbeitet hat. Premiere hatte das Stück vor einigen Wochen in Nimwegen. Für eine Aufführung in Kleve wird derzeit ein Spielort gesucht.
Ob man das Stück in Kleve sehen und hören wird, steht also noch nicht fest. Zum offenen Café des Hauses der Begegnung in der Sackstr. 88 in Kleve können Familien und Einzelpersonen an jedem ersten Mittwoch im Monat von 14 bis 17 Uhr kommen.

Olaf Plotke (Text & Foto)

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