schanz2 webKleve (17.3.2016). Der Raum war rappelvoll, die Stimmung gereizt: Auf der Bürgerinformationsveranstaltung zum Fähren-Aus im Blauen Salon der Stadthalle machten viele Schänzer ihrem Unmut lautstark Luft. „Bei uns sind Emotionen im Spiel, weil es unsere Heimat ist, unser Herzblut“, erklärte Schänzer Georg Böhling schließlich in einem versöhnlichen Wortbeitrag. Er machte auch als einer der wenigen Bürger einen konstruktiven Vorschlag statt nur über den bereits gefassten Ratsbeschluss zu schimpfen. Er fragte, ob nicht die Einrichtung einer schanz3-web„Bürgerfähre“ möglich wäre: „So wie es Bürgerbusse gibt, könnte es doch auch eine ehrenamtlich betriebene Bürgerfähre geben.“
Bürgermeisterin Sonja Northing (parteilos) wusch gleich zu Beginn der Veranstaltung ihre Hände in Unschuld. Der Ratsbeschluss zum Fähren-Aus sei vor ihrer Amtszeit gefasst und von ihrem Vorgänger Theo Brauer nur nicht umgesetzt worden. Sie habe dann bemerkt, dass der Ratsbeschluss nicht eindeutig gewesen sei - so wurde eine Präzisierung und neue Abstimmung nötig, die der Rat dann in der letzten Woche vornahm. Ergebnis: Ab dem 1. April wird der Fährbetrieb zwischen Schenkenschanz und Düffelward komplett eingestellt. Northing spürte, was sie an diesem Abend erwarten würde: „Wir werden uns auch ihren Unmut anhören. Auch dafür stehe ich heute gerade.“
Arnold Lamers von den Stadtwerken, die die Fähre betreiben, präsentierte wieder seinen Powerpoint-Vortrag, der deutlich machte, dass die Fähre nur einen Schänzer pro Stunde transportiere. Die Bürger begleiteten seinen Vortrag mit lauten Unmutsäußerungen. Dazu kamen Diskussionen darüber, ob die Fähre nicht öfter deutlich vor 21 Uhr den Betrieb eingestellt habe usw. Es war streckenweise schwer erträglich, was man da zu hören bekam. „Anstatt sich hier zu streiten können wir nicht auch mal nach vorne gucken“, fragte Schänzerin Klaudia Kressin. Aber das gelang nur streckenweise. Immer wieder flammte der Zorn der Bürger auf. Für sie ist es unverständlich, warum 200.000 Euro Netto-Verlust beim Fährbetrieb nicht mehr tragbar sind, aber das erheblich teurere und weniger frequentierte Museum Kurhaus schon. „Ihnen sind die Fährgäste einfach weniger wert“, schimpfte Manfred Maaßen. Als er Kämmerer Willibrord Haas noch als „herzlos“ bezeichnete, schritt Bürgermeisterin Sonja Northing ein, die klarmachte, dass die Diskussion ohne schanz1 webBeleidigungen auskommen sollte und sie notfalls bereit sei, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. „Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch in der Ratssitzung so reagiert hätten, als wir Schänzer beschimpft wurden“, sagte da ein Bürger. Was er genau meinte, blieb im Dunkeln.
Gabi Evers verlas noch einen offenen Brief der Schänzer an Sonja Northing. Darin geht es vor allem um die Sorge der Bürger, dass mit der Fähre ein wichtiger Rettungsweg wegfallen würde. Sonja Northing dankte für den Brief und versprach eine umfassende Antwort.
Der Schaffung eines Landeplatzes für Rettungshubschrauber erteilte die Bürgermeisterin eine Absage. Sie stellte aber klar, dass der Hochwasser-Notfallplan für Schenkenschanz mit allen bekannten Maßnahmen auch künftig Bestand haben wird. Sorgen dieser Art sind also unbegründet.

Olaf Plotke (Text & Fotos)

Kommentare   

#1 Jens-Uwe Habedank 17.03.2016 12:13
Den Netto-Verlust von 200.000 Euro bezweifel' ich - da sind wohl kalkulatorische Kosten drin, die halt nur Buchgeld/ hier Buchverlsut sind.

Mit dem Museum Kurhaus - Mio für eine kleine Elite (nebst Grüne beim Jahresempfang) - stimmt ja schon irgendwie. Dazu kommen Mio-Verluste der Stadtwerke bei Parkhäusern für ein paar Niederländer. Die h in Arnheim oder Nimwegen kostet auch zwischen 2,50 und 4,-- Euro...
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#2 B.R. 19.03.2016 12:26
Wäre doch mal interessant zu wissen, wie hoch die Geschäftsführer Gehälter bei dem Draisinen Projekt tatsächlich sind.
Herr Haas gibt zwar immer an, zum Wohle der Stadt Kleve zu handeln.... aber wer weiss, wer weiss...
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#3 Martin Fingerhut 19.03.2016 12:42
Ab 19:00 wurden - 'schon' und trotzdem erst 'endlich' - ein paar jener Fragen beantwortet,
die erst nach 14:06 onLine standen
(
www.kurier-am-sonntag.de/notizblog/10725-un-faehr-der-faschismus-experte-spricht#comment-14377
)

Wenn das kein prompter Service ist !

allerdings :
Wer liest da während der DienstZeit heimlich NotizBlog ?

und vor allem :
Warum hatten diese Fragen überhaupt gestellt werden müssen ?
Warum war der Vortrag vor dem Rat an jenen Stellen lückenhaft ?
Warum hat niemand aus dem Rat dies bemerkt ?

Zur BürgerInformation waren auch etliche RatsMitglieder gekommen,
wie Frau Northing gleich zu Beginn erfreut konstatierte.

Es sollte wohl demonstriert werden,
daß sich der Rat für die Belange der Bürger interessieren würde.

Nicht jedem RatsMitglied gelang es,
den Eindruck zu erwecken, er würde der Diskussion folgen.

Wem die ganze Zeit über das eigene mobieltje spannender ist,
will wohl gar nicht erst über sein DesInteresse hinwegTäuschen.
Ist es dann einfach nur instinktlos, nicht lieber gar nicht erst zu kommen,
oder soll sein ständiges demonstratives "HandyStreicheln" eine Art Protest sein,
um den Bürgern die Augen zu öffnen,
auch die übrigen RatsKollegen kämen in erster Linie als GoodWillAttrappen ?

Einige Schänzer bestätigten,
dies sei das 1. Mal, daß sie überhaupt zu einer Information eingeladen wurden,
wofür sie sich auch bedankten.

trotzDem bleibt :
Warum findet das ganze erst NACH dem RatsBeschluß statt ?

Hätte eine Diskussion VOR dem Beschluß
nicht weit sinnvoller, konstruktiver und erfolgreicher sein können ?

Der FährWeg von der BürgerVerA--- bis zur BürgerBeteiligung ist sehr weit.
Die BürgerInformation war ein erstes Schrittchen.
Hoffen wir, daß die Fähre der Fairness nicht auf halber Strecke versenkt wird.
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#4 Martin Fingerhut 22.03.2016 09:44
@ #1 Jens-Uwe Habedank :

Wie weit die Möglichkeiten der Interpretation reichen :

Mal war von 400.000 EURo Verlust jährlich die Rede,
dann "nur" noch von 200.000 bis 250.000 EURo.

Herr Haas erklärte das ganz einfach :

Die 400.000 EURo sind jene Kosten,
die sich aus der BuchFührung der StadtWerke ergeben.
Um 400.000 EURo verringert sich deshalb der Gewinn der StadtWerke.
Deshalb brauchen die StadtWerke weniger Steuern zu zahlen.
Um ca. 150.000 bis 200.000 EURo weniger Steuern.

Und da praktisch alles, was nach Steuern bei den StadtWerken übrigBleibt,
an die Stadt abgeführt wird,
landen eben "nur" 200.000 bis 250.000 EURo weniger in der StadtKasse.

Aus Sicht der Stadt "kostet" die Fähre folglich
200.000 bis 250.000 EURo.

Wenn bereits dies demonstriert,
wie breit der InterpretationsRahmen ist,
warum interessiert sich die große Mehrheit unseres Rates nicht für mehr Details ?
Warum sind es allein die Offenen Klever,
die verlangen, die Kalkulation offenZuLegen ?

Warum schlafen alle anderen ?

Oder spielen auf ihren mobieltjes rum
( s. #3 ) ?

Soll da was verheimlicht werden ?
vertuscht ?
kaschiert ?
Was ?
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#5 Der Laie 22.03.2016 12:54
Diese Alibi Veranstaltung im Nachhinein hätte man sich auch schenken können.
Ein guter Stil wäre es gewesen, die betroffenen vor einer Entscheidung anzuhören um danach Für und Wider abzuwägen.
Klar die Schänzer, nachdem sie auch für die Benutzung der Fähre Geld zahlen mussten, haben mit den Füßen abgestimmt und vermehrt den Weg über Griethausen genommen.
Warum sind auf den Dörfern die Tante Emma Läden verschwunden,weil die Läden nur vom Verkauf der vergessenen Butter im Supermarkt nicht überleben konnten.
Wenn jetzt die Fähre ausfällt, geht auch in Schenkenschanz das Leben weiter,wie begeistert waren denn die Einwohner in Grafwegen als der Kartenspieler Weg für den Auto Verkehr gesperrt wurde?
Aber eines dürfte klar sein, die Stadtverordneten werden schon stichhaltige Argumente brauchen, warum der eine oder andere Verlustbringer für das Allgemeinwohl in Kleve wichtig ist,die Fähre aber nicht dazu gehört.
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#6 Martin Fingerhut 24.03.2016 10:59
Die "BürgerInformation" läßt sich eigentlich auf einen einzigen, kurzen Satz Frau Northing's zusammenFassen :
" Es bleibt alles wie es auch bisher schon ist. "

Damit meinte sie eigentlich :
Für Zeiten mit HochWasser bleibt alles unverändert,
denn die Pläne, ab welchem Pegel wie agiert werden soll, bleiben wie sie sind.

Die "kleine" Fähre, allein für Personen evtl. mit fietsen, bleibt erhalten.
Sie wekselt nur von den StadtWerken zurück zur Stadt.
Bei HochWasser kann zunächst sie
und bei extremen WasserStänden ein Boot des THW's eingesetzt werden.

Nur die "große" Fähre, auch für Autos, wird verkauft.
( "Verramscht" dürfte treffender sein,
denn wer kauft eine Fähre, die sich in wenigen Jahren derMaßen mißBewährt hat ? )

Angeblich sei diese, die große, Fähre für HochWasser sei sie ohneHin nicht eingesetzt worden.

Das quitierten etliche Schänzer mit Erstaunen,
denn offenbar erinnerten sie sich noch sehr gut daran,
wie bei HochWasser auch die AutoFähre nützlich war.

Dies wurde von "vorne" - dem Tisch der Verwaltungen von Stadt und StadtWerken -
recht unwirsch abgestritten.

Dabei bestätigte am Ende selbst Herr Cosar
- der einzige StadtVerordnete, der sich zu Wort meldete ( vgl. #3 ) -
wohl die Erinnerung der Schänzer.
Schließlich habe er selber beim HochWasser '95 maßgeblich geholfen
und u.a. die - große ! - Fähre gesteuert.
So zumindest habe ich ihn verstanden.

Allerdings muß das die VORHERIGE große Fähre gewesen sein.

Die momentane hingegen scheint noch gar kein HochWasser erlebt zu haben
und wahrscheinlich war es das, worauf die Verwaltungen so sehr beharrten :
DIESE neue große Fähre wäre für HochWasser auch nicht geeignet.

Damit bestätigte sich jener Verdacht,
der sich schon eine Woche zuvor während der RatsSitzung aufgedrängt hatte :
Die große Fähre ist - unbedacht - ZU groß angeschafft worden
( s. www.kurier-am-sonntag.de/notizblog/10725-un-faehr-der-faschismus-experte-spricht#comment-14377 ).

Ein Eindruck, den erfahrene Schänzer von Beginn an gehabt hatten.

Wenn die Fähre ZU groß ist, dann sind garantiert auch die Kosten ZU groß.

Es dürfte also auch die indirekte Folge der damaligen FehlEntscheidung sein,
daß die große Fähre viel zu teuer ist.

Die kleine PersonenFähre soll erhalten bleiben
und eventuell - so die Idee Frau Northing's - für Touristen genutzt werden,
denn die ÜberFahrt bei SchenkenSchanz ist bei vielen beliebt
und für manches TourAngebot wichtig.

Sonst aber " bleibt alles wie es ist ".

Außer natürlich der großen Fähre,
die es in 1 Woche nicht mehr geben wird.

Aber so, wie es bei HochWasser auch mit der ZU großen Fähre gewesen wäre.

eben die Nachricht des Abends :

" Es bleibt alles wie es auch bisher schon ist. "
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#7 Martin Fingerhut 01.05.2016 10:57
1 Monat ist die Schanz nun ohne Fähre.
1 Monat ist Kleve nun ohne Fähre.

War es ein "unFähres" Verfahren ?

Spätestens seit dem vorigen Sommer war bekannt,
daß die Fähre versenkt werden soll.

Die Schänzer hätten die Zeit nutzen können,
sich lautStark zu Wort zu melden.

Haben sie nicht.

Ist es also fair, die Fähre abzuschaffen ?

Ist etwas schon allein deshalb fair, weil niemand sich wehrt ?

Mag sein, daß es wirtschaftlich vernünftig ist,
die Fähre lieber zu verkaufen
als weiter zu betreiben.

Mag sein - doch sicher wissen wir Bürger es nicht,
denn das wenige, was an Zahlen präsentiert wurde,
waren nur ein paar Etiketten auf der Verpackung.

Was tatsächlich in dem Paket alles zusammenGeschnürt lag,
hat niemand aus dem Rat geprüft,
hat niemand aus dem Rat prüfen können,
hat kaum jemanden aus dem Rat interessiert,
haben allein die offenen Klever prüfen wollen.
Und die Klever Bürger haben soWieSo keine Chance,
Zahlen der StadtWerke wirklich zu prüfen.
Denn " zum Glück " ( = zur Bequemlichkeit der Verwaltung )
ist all soWas in pseudo-extrene Betriebe ausgelagert.
Und alle Daten hinter hohen Mauern verborgen.

Die Schänzer hätten VOR der Entscheidung beteiligt werden sollen.
Doch BürgerBeteiligung ist in Kleve entweder tabu oder eine Farce.

Die Schänzer sagten, wenigstens seien sie jetzt
- zur ausführlichen Verkündung des TodesUrteils -
zum ersten Mal überhaupt eingeladen worden.

Ist das also ein LichtBlick,
der Hoffnung keimen läßt ?
Daß Bürger doch wenigstens ein klein bißchen wichtig genommen würden ?

Nun, Schänzer, Ihr seid zum 1. Mal zu so etwas eingeladen worden.

Es war ja auch das 1. Mal, daß Eure Fähre versenkt wurde.

Zu "BürgerInformationen", welche Straßen in Kürze wie umgemodelt werden,
ist schon x-fach eingeladen worden.

einziger Unterschied :
Bisher wurde jeder, der es wagte die UnFehlbarkeit der Verwaltung anzuzweifeln,
von einem schier endlosen Tsunami der Empörung, ja der Verachtung überschwemmt.
Als einige Schänzer darauf hinwiesen,
daß der FährMensch gerne schon mal zu früh FeierAbend gemacht hatte,
bekamen sie verbal nur noch einen nassen WaschLappen ins Gesicht geschleudert.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Hurra !
nur nasser WaschLappen statt Tsunami !

Es gibt also doch einen Fortschritt !

allerdings :
lediglich " ungefähr fair " ist immer noch unfair !
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#8 Martin Fingerhut 04.06.2016 08:08
Die Schänzer wurden nach 1 Woche informiert,
was über sie längst beschlossen und besiegelt war.
in einer "BürgerInformationsVeranstaltu ng".

Für den MinoritenPlatz war ein WorkShop versprochen worden.
bei dem VOR jeglicher FestLegung des Rates hätte diskutiert werden können.
Bei dem die Bürger Wünsche hätten äußern und Ideen hätten einbringen können.
Doch dieses Verfahren wird nun beendet.

Das neue Verfahren ist eines im EilDurchGang.
Bin gespannt, wann wir zu einer "BürgerInformationsVeranstaltu ng" eingeladen werden.

Laut ihren EckPunkten
( www.derwesten.de/.../die-neuen-ideen-fuer-den-minoritenplatz-id11717400.html )
sehen die CDU-grünen vor,
daß zuErst die Politik die "GrobPlanung" festLegt
und lediglich danach die Bürger beteiligt werden.
Was wird es dann noch zu entscheiden geben ?
dunkelRoter Klinker oder schwarzer ?

"Fähre" BürgerBeteiligung à la CDU-grün nach grober Planung ?
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