brittaschulz webKalkar (26.9.2015). Im letzten Jahr wurde Kalkar von einem lokalpolitischen Erdbeben erfasst: Die gerade erst gegründete Wählervereinigung Forum Kalkar wurde auf Anhieb stärkste Kraft im neuen Stadtrat. Jetzt schickt sich die Gründerin Dr. Britta Schulz auch an, Chefin im Rathaus zu werden. Im ersten Wahlgang erhielt sie 36,12 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Gerhard Fonck von der CDU nur 32,8 Prozent. Und Schulz hat nochmal Rückenwind bekommen: Grüne, SPD und Freie Bürger Kalkar (FBK) empfehlen ihren Anhängern, am Sonntag für Schulz zu stimmen. Der Kurier hat beiden Kandidaten noch einmal ein paar Fragen gestellt. Letzte Chance für alle, die noch unentschlossen sind. Bis 18 Uhr kann am Sonntag gewählt werden. Wer seine Wahlbenachrichtigung nicht findet: Personalausweis reicht.   .

Braucht Kalkar einen Wechsel im Bürgermeisteramt? Und wenn ja: Warum eigentlich? An den Machtverhältnissen im Rat ändert sich dadurch ja nichts?  

Fonck: „Aus meiner Sicht braucht Kalkar keinen Wechsel im Bürgermeisteramt, sonst wäre ich nicht wieder als Kandidat für eine weitere Amtszeit angetreten.“  

Schulz: „Einen Wechsel im Bürgermeisteramt wollten am 13. September mehr als zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler, weil sie erkannt haben, dass es mit  den festgefahrenen Strukturen in der CDU und der Uneinsichtigkeit des Herrn Fonck keine zukunftsweisende, bürgernahe Politik geben kann. Mir geht es als neue Bürgermeisterin nicht um die eine Stimme, die die Blockbildung nur in die andere Richtung verschieben würde, sondern darum, zu vermitteln und gemeinsame Politik zu machen. Gemeinsame Politik, die auch offen ist für die Meinungen Anderer, zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger. An den  Machtverhältnissen im Rat hat sich durch den Rücktritt von drei SPD-Ratsmitgliedern in der letzten Woche gewaltig etwas verändert. Es gibt nun eine SPD, die auch etwas ändern will und die zur Zusammenarbeit bereit ist.“

Was ist die größte Herausforderung, der sich Kalkar in den nächsten Jahren stellen muss?  

Fonck: „Zunächst einmal gilt es festzustellen, das an jedem Tag neue Herausforderungen an eine Stadt gestellt werden; oftmals auch solche, die gar nicht vorhersehbar sind. Wenn Sie jedoch nach der größten Herausforderung der Stadt Kalkar in den nächsten Jahren fragen, so gibt es nur eine Antwort: „Die Finanzen stabil halten“. Dabei gilt es als höchste Priorität eine Haushaltssicherung zu vermeiden, damit das Heft des Handelns bei der Stadt bleibt und nicht aufsichtsbehördlichen Vorgaben Folge zu leisten ist. Dazu müssen kostenentlastende Maßnahmen durchgeführt werden, wie z.B. die ausschließlich bedarfsgerechte Vorhaltung städtischer Liegenschaften.“

Schulz: „Die größte Herausforderung in Kalkar ist sicherlich die Sanierung oder zumindest die Stabilisierung des städtischen Haushaltes. Ausgaben müssen gesenkt und höhere Einnahmen generiert werden. Dabei muss man die Bürger mit ins Boot holen, denn ohne deren Engagement wird Kalkar in Zukunft ziemlich „alt“ aussehen. Geld ist schlichtweg nicht da, und immer höhere Kassenkredite sind keine Lösung, auch wenn die Rechnung von Herrn Fonck anders aussieht.“

Was sind Ihre drei zentralen Wahlversprechen, die Sie den Bürgern geben?  

Fonck: „Mit Wahlversprechen ist das immer so eine Sache. Mein Prinzip war und ist es, nichts zu versprechen was nicht gehalten werden kann. Dem möchte ich auch jetzt treu bleiben. Gerne möchte ich jedoch drei Themenkomplexe aufzeigen, für die ich mich, wie bisher, besonders einsetze: 1. die Sicherung des guten Schul- und Bildungsangebotes in Kalkar. 2. Die Förderung der wichtigen ehrenamtlichen Vereins- und Jugendarbeit, ohne finanzielle Belastung durch die Stadt. 3. Eine weitere positive Stadtentwicklung zur Stärkung der Wirtschaftskraft und Erhaltung des hohen Wohn- und Freizeitwertes in Kalkar; dazu gehören beispielsweise der Ausbau der Kita-Plätze, die Sicherung der ärztlichen Versorgung, aber auch die Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen um Wachstum zu ermöglicGerhard Fonck - Stadt Kalkar webhen.“

Schulz: „Eine der Ursachen für Politikverdrossenheit sind nicht eingehaltene Wahlversprechen und mangelnde Bürgerbeteiligung. Deshalb habe ich nur Dinge versprochen, die ich auch halten kann. Ich verspreche den Bürgerinnen und Bürgern, dass ich auf sie zugehen, sie informieren und ihre Meinungen einholen werde, bevor Entscheidungen getroffen werden.“

Für den Fall, dass Sie am 27. September zur/-m Bürgermeister/-in gewählt werden: Was werden Sie am ersten Arbeitstag (21. Oktober) machen?  

Fonck: „An diesem Arbeitstag werde ich wie bisher meine Aufgaben wahrnehmen, will heißen die anstehende Verwaltungsarbeit erledigen oder auch Repräsentationstermine wahrnehmen. Inhaltlich wird sich zu dieser Zeit die Verwaltung – und damit auch der Bürgermeister – vorrangig mit der Erstellung des städtischen Haushalts für das Jahr 2016 befassen.“

Schulz: „Gespräche mit den zuständigen Mitarbeitern über die dringend anstehenden Probleme (Themengebiete „Haushalt“ und „Asyl“) führen und einen Termin für meine erste Bürgersprechstunde festlegen.“

Was hat Sie eigentlich bewogen, sich politisch zu engagieren und warum sind Sie in der Partei (bzw. Wählervereinigung), in der Sie heute sind?  

Fonck: „Bereits als junger Mensch - ob in der Schule oder auch schon in Vereinen – war es mir wichtig, Dinge mit gestalten zu können und nicht nur von anderen zu verlangen etwas zu tun. Dies galt auch für den politischen Bereich. In der CDU bin ich, weil mir die Inhalte und Werte dieser Partei zusagen..“

Schulz: „Das Forum Kalkar ist Anfang 2014 gegründet worden, um die jahrzehntelange Alleinherrschaft der CDU zu beenden. Innerhalb der CDU gab es keine Möglichkeit, von „innen“ heraus etwas zu ändern. Eine Einsicht in ihre bürgerferne, selbstgefällige Politik gab und gibt es bis heute nicht. Kritik wird abgebügelt, es wird genickt bevor die Frage überhaupt gestellt worden ist. Alles ist gut und genauso ist es richtig. Nicht mal ein Stimmenverlust von mehr als 20% bei der Kommunalwahl 2014 hat bei der CDU eine Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen bewirkt.“

 

Kommentare   

#1 Willi Heuvens, Spark.ang.a.D. 26.09.2015 08:15
Ich glaube, die Zeit für einen Wechsel ist überfällig. Man kann Frau Dr. Britta Schulz, mit der ich mehrere Unternehmensbesuche unternommen habe, nur raten: Holen Sie sich Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen von außen, neue fundierte Ideen, wissenschaftlich abgesichert ... zum Wohl der Nicolaistadt.
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#2 David Krämer 26.09.2015 10:15
Es wird sicherlich eine spannende Wahl in Kalkar am Sonntag.
Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, das die CDU um Ihre Langjährige
Vormachtstellung in Kalkar bangen muß.
Ich glaube mittlerweile auch das ein Wechsel des Bürgermeisters nicht mehr zu verhindern seit wird.
Man kann nur wünschen das es dann Finanziell besser um Kalkar gestellt sein wird. Sicher ist das jedenfalls nicht.
Hoffentlich gehen keine größeren Betriebe aus Kalkar weg.
der Verlust an weiteren Steuereinnahmen wäre nicht mehr zu kompensieren.
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#3 Willi Heuvens, Spark.ang. a.D. 26.09.2015 15:53
Wenn ich heute im Kurier/Printausgabe die drei CDU-Herren in einer Anzeige sehe, muss ich doch schmunzeln. Weder Herr Spreen, noch die Herren van Baal oder Fonck sind in der Lage, einen öffentlichen Haushalt positiv und erfolgreich zu führen, nicht weil sie es nicht möchten - Nein - weil sie keine Fachleute sind. Für Kalkar wünsche ich mir Frau Dr. Schulz als Verantwortliche für die nächsten Jahre, weil sie Fachleute in der Fraktion hat. In Goch haben wir Knickrehm und sein Team, die können es - da bin ich fest überzeugt.
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#4 Jörg Sadlowski 26.09.2015 20:15
Und wieder das Märchen von den Fachleuten des Forum. Nehmen wir doch mal das Thema Steuern. Man will die Einnahmen aus Steuern erhöhen. Dazu das Forum, Zitat: "..... es geht auch um die Erträge aus Steuern, wir bekommen ja vom Land prozentuale Anteile an Steuern, vielleicht ist dort noch was zu erlösen."
Das ist Bundesgesetzgebung an der nicht geschraubt werden kann. Das ist kommunalpolitisches Grundwissen, das wohl fehlt.
Das ist in der Gemeindefinanzierungsreform veranckert, die zuletzt 2012 geändert wurde. Demnach erhalten wir einen Anteil an der Einkommenssteuer von 15% und einen Anteil von 2,07% an der Umsatzsteuer.
Das Forum und damit Frau Schulz wollen also ein Bundesgesetz ändern, das durch die Länder umgesetzt wird? Völlig utopisch, aber der Wähler möchte es glauben und rennt dem auch noch hinterher. Der eine Kandidat ist vielleicht nicht zeitgemäß, aber geeignet. Der andere Kandidat ist vielleicht zeitgemäßer, dafür aber ungeeignet. Aber es scheint egal zu sein, Hauptsache neu.
Nicht nur die Niederschriften der Ratssitzungen lohnen sich zu lesen. Auch die Niederschrift der Bauausschusssitzung vom 23.10.2014 ist lesenswert. Da kann man lesen wie bürgerfreundlich man tatsächlich ist und wie man den Bürger einbindet. Da wird mal eben gegen eine Sitzungsunterbrechung und damit auch gegen das Rederecht eines Bürgers gestimmt. Total bürgernah. Man beachte TOP 4 der Tagesordnung. Dem Bürger werden falsche Informationen zum Themka Windkraft vorgesetzt. Internetseite des Forum vom 30.11.2014 und Hönnepel.de vom 04.02.2015. Hier werden, obwohl man es besser weiss falsche Angaben zu den Abständen der Wohnbebauung zu den Konzentrationszonen gemacht. Anstatt 700m werden 350m bzw. 450 m behauptet. Ebenso wird ein ganzer Fragen- und Antwortenkatalog vor dem Bürger zurückgehalten. Total bürgernah und informativ. Das genaue Gegenteil von dem was hier versprochen wird. SUPER und alles belegbar.
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#5 Willi Heuvens, Spark.ang.a.D. 27.09.2015 13:01
@ 4

Dann gibt es immer die Möglichkeit, sich Fachleute "von außen" zu holen, gut investiertes Geld! Es gibt übrigens viele Arbeitssuchende, die hohes wirtschaftspolitisches Wissen haben, überqualifiziert sind ... das nur nebenbei. .... brach liegende Kapazitäten ....
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