Erps1-webGoch (11.12.2016). Das Jesuskind in einer Futterkrippe, Maria und Joseph, die drei heiligen Könige, Ochs und Esel und vielleicht noch ein Hirte mit einigen Schafen und der Verkündigungsengel. - Das ist das klassische Ensemble von Weihnachtskrippen, wie sie zum Teil bereits seit Jahrhunderten in der Adventszeit aufgestellt werden. In der Familie von Theo Erps war das nicht anders. Für ihn wurde aus einer geliebten Tradition allerdings eine echte Leidenschaft, die er seit knapp zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Monika pflegt. Das bisherige Ergebnis: Über 700 Krippen aus zahlreichen Ländern der Welt nennen die beiden Gocher ihr Eigen. Einen großen Teil davon stellen sie seit 2012 im Krippenparadies GocherLand an der Graefenthalstraße 15 in Asperden aus. Dort wo zuvor Schlecker seine Filiale hatte. Kurier-Redakteur Michael Terhoeven sprach mit Theo Erps über Sammlerglück, seelenlose Massenware und das Bewahren von Traditionen.

Herr Erps, über 700 Krippen haben Sie mittlerweile gesammelt. Irgendwann muss doch mal Schluss sein?!

Theo Erps: Zuhause stapeln sich schon wieder neue Weihnachtskrippen. Ich weiß noch gar nicht wohin damit. Die eine oder andere Krippe aus der Ausstellung wird dafür wohl weichen müssen. Das wird mir zwar in der Seele wehtun, doch bringt es ja nichts hier alles dermaßen vollzustellen, dass ein entspanntes Gucken am Ende nicht mehr möglich ist.

Wird es nicht langsam schwierig, neue, noch nicht da gewesene Ausstellungsstücke zu finden?

Theo Erps: Die Vielfalt der Weihnachtskrippen ist ungemein groß. Das Christentum hat sich im Laufe der Jahrhunderte über den gesamten Erdball verbreitet und damit auch die Geschichte von Christi Geburt. Deren Darstellung wird von den Krippenbauern gerne in ihre jeweilige Heimat verlegt. Unter unseren Tannenbäumen finden sich oftmals Krippen, die einem Alpenidyll entsprungen zu sein scheinen. Das ist genau so weit von der Situation von vor 2.000 Jahren in Bethlehem entfernt wie die Lamas, die sich statt des Esels in vielen Weihnachtskrippen Südamerikas finden oder ein Jesuskind, das friedlich in einer Hängematte schläft, wie es bei einem Exemplar aus San Salvador der Fall ist. Es ist nicht nur die Art der Darstellung unterschiedlich, sondern auch die verwendeten Materialien. Holz, Berkalith und Kunststoff sind „normal“, doch werden Krippen und deren Figuren auch aus Stroh geflochten, aus Wolle gefilzt, Papier gefaltet oder, jetzt wird es besonders exotisch, aus Bananenblättern oder Orangenschalen.

Erps2-webWie kommen Sie an all diese Krippen?

Theo Erps: Ich fahre viele Weihnachtsmärkte ab, bekomme mittlerweile aber auch Einladungen von Krippenbauern und Ausstellern, wenn sie mal wieder etwas ganz Neues angefertigt oder aufgetan haben. Und natürlich ist auch das Internet eine wichtige Hilfe. Und doch gibt es Krippen, an die ich trotz aller Bemühungen bisher noch nicht drangekommen bin.

Zum Beispiel?

Theo Erps: Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer speziellen Krippe aus Nigeria. Ich weiß wie sie aussieht und aus welchem Material sie hergestellt ist, doch habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, sie zu erwerben.

Ist das Sammeln von Krippen eigentlich ein teurer Spaß?

Theo Erps: Durchaus. Vor allem dann, wenn es sich bei den Figuren um echte Handarbeit handelt. Es werden jedoch immer weniger, die von diesem alten Handwerk leben können. Der Aufwand ist immens, aber kaum jemand dazu bereit, den Preis dafür zu zahlen. Dementsprechend geht der Trend hin zur Massenware aus Fernost. Die lässt das Herz eines Sammlers aber nicht gerade höher schlagen. Ich bekomme mittlerweile aber auch immer mehr Krippen geschenkt. Die Freude darüber hält sich allerdings in Grenzen.

Warum?

Theo Erps: Es geht mir darum, die Tradition zu erhalten und das funktioniert am besten, wenn die Krippen da bleiben wo sie hingehören: ins heimische Wohnzimmer, zumal sie auch im öffentlichen Raum immer seltener zu finden sind. Die Zahl der Weihnachtsmärkte, auf denen keine großen Krippen mehr aufgebaut werden, wird immer größer. Das ist schade und für mich unverständlich. So viel Religion wird man in der Öffentlichkeit ja wohl noch zeigen dürfen.

Wie und wann entstand eigentlich Ihre Leidenschaft für Krippen?

Theo Erps: Das fing eigentlich schon in meiner Kindheit an. Da hatte ich schon Spaß an Krippen - bei meinen Eltern im Wohnzimmer, auf den Märkten, in Kirchen. 1992 habe ich in Münster Rifos-Krippen aus Tirol gesehen, mir ein Jahr später ein Ensemble mit Heiliger Familie, Ochs und Esel und Stall gegönnt. Das habe ich bis heute immer weiter ausgebaut. Daraus ist mittlerweile eine Krippenlandschaft geworden. Jüngster Zugang ist ein kleiner Elefant. Das Wohnzimmer wurde von Jahr zu Jahr voller. Später habe ich die Krippe aus Platzgründen in unserem Keller aufgebaut. Mit dem Sammeln von Krippen habe ich aber erst 2007 angefangen. Die erste Ausstellung gab‘s dann 2008 in Kessel, 2012 sind wir in das ehemalige Schlecker-Gebäude nach Asperden gezogen.

Was ist eigentlich aus der Krippe Ihrer Eltern geworden?

Theo Erps: Das ist eine irre Geschichte. Die war für mich eigentlich längst verschollen. 30 Jahre lang habe ich sie nicht gesehen und plötzlich erzählt mir meine Schwägerin, dass die Krippe bei ihr in Berlin steht. Auf die Idee bin ich, warum auch immer, nicht gekommen. Für mich wäre es etwas sehr Emotionales, wenn sie nach Goch zurückkehren sollte. Und das könnte bald der Fall sein...

Das Krippenparadies GocherLand finden Besucher an der Graefenthalstraße 15 in Goch-Asperden. Bis zum 15. Januar ist die Ausstellung sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Zu jeder anderen Zeit (auch an Feiertagen) können nach Absprache unter den Rufnummern 02823/ 9763247 und 0151/ 19122394 individuelle Besichtigungstermine ausgemacht werden.

Fragen: Michael Terhoeven

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