Windräder Weeze2 webWeeze (29.10.2016). Wer sich ein Bild von der Dimension der Windernergieanlagen (WEA) machen möchte, die ABO-Wind im Reichswald errichten will, für den ist Weeze-Kalbeck eine Reise Wert. Auf über 140 Meter sind die vier im Bau befindliche Türme mittlerweile angewachsen. „Der Betonbau ist abgeschlossen, jetzt übernehmen die Stahlbauer“, sagt Frank Dudek. Soll heißen: Maschinenhaus, Generator, Radnabe und die drei gigantischen Blätter werden in den kommenden Wochen montiert - so denn das Wetter mitspielt. Wenn sich die Windräder zu drehen beginnen, messen sie vom Fundament bis zur Spitze bis 210 Meter.
Im Gegensatz zum umstrittenen Projekt im Reichswald, liefen die Planungen in Weeze ziemlich glatt. „So ein gewaltiges Vorhaben geht nur, wenn alle mitmachen. Ich will mich schließlich noch auf der Kirmes sehen lassen können“, sagt Grundstückseigentümer Max von Elverfeldt. Allein die Stadt Goch zeigte sich nicht sonderlich angetan von dem Vorhaben. Am Ende gab es trotzdem grünes Licht vom Kreis.
Anfang Juni rollten zunächst Archäologen und der Kampfmittelräumdienst (fand zwei Weltkriegsgranaten) und dann die Bagger an. Riesige Fundamente, denen jeweils 68 Tonnen Stahl und 1000 Tonnen Beton Standfestigkeit verleihen, wurden gegossen und darauf schließlich die Betonringe wie Legosteine aufeinandergesetzt. Klingt einfach, war es aber nicht. „Starke Regenfälle haben unsanfangs sehr zu schaffen gemacht. Wir wussten kaum wohin mit dem Wasser, war doch auch die Niers weit über ihre eigentliche Ufer getreten“, erinnert sich Frank Dudek, Geschäftsführer der Bürgerwind Weeze Planungsgesellschaft. Problem Nummer zwei war (und ist) eine Hauptwasserleitung für die Gemeinde Weeze und den Flughafen. Die liegt zum Teil entlang der Zufahrtsstraße zur Baustelle. Das Kunststoff-Rohr drohte durch das Gewicht der Schwerlasttransporter zu bersten. Der Boden wurde mit Stahlplatten stabilisert, die Höchstgschweindigkeit der LKW auf 10 km/h beschränkt und penibelst auf Einhaltung geachtet. „Ein Riss in der Leitung wäre der Super-Gau gewesen“, so Dudek.
Passiert ist bisher nichts. Der Bau der WEA liegt voll im Zeitplan. „Doch jetzt beginnt erst der wirklich spannende Teil“, erzählt Bauleiter Georg Kühling. Schwere (100 Tonnen-Generator) und extrem sperrige (45 Meter Rotoblätter) Teile gilt es in 150 Meter Höhe anzubringen. „Dazu braucht es nahezu Windstille“, so Kühling. Und die ist im Herbst alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Parallel dazu wird die 4,7 Kilometer lange Kabeltrasse zum Umspannwerk Pfalzdorfverlegt. Wenn weiterhin alles nach Plan läuft, könnten die Anlagen im ersten Quartal 2017 ans Netz gehen.

 

Text & Fotos: Michael Terhoeven

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