haus im park paeule werner webEmmerich (4.12.2016). Wenn in einem Artikel das Wort Kunst fällt, hören angeblich 80 Prozent der Leser auf zu lesen. Das wäre dramatisch, da ja schon 80 Prozent der Leser vorher weitergeblättert haben, weil sie am Foto bereits gemerkt haben, dass es um Kunst geht. Man schreibt also für ziemlich wenige Menschen, wenn die Vorurteile stimmen. Aber vielleicht sind es ja nur Vorurteile. Als ich kürzlich über Gerd Borkelmann aus Chicago schrieb, sollen doch tatsächlich mehrere Leser den Weg ins Haus im Park in Emmerich gefunden haben, wo er im Rahmen einer Ausstellung die Wände orchestrierte. Wenn Sie das jetzt nicht verstehen, ist das nicht schlimm, sondern Kunst. Sie sollten trotzdem weiter lesen.
Eine Leserin rief mich ein paar Tage nach dem Erscheinen des Artikels „Herr Borkelmann orchestriert die Wand“ an und riet mir, Kunst zu studieren und Thomas Ruffmann von der Klever VHS wollte mir gleich einen Kunstkurs schenken - bei Gerd Borkelmann. Nett.
Aber natürlich ist das völlig unnötig, weil es ganz leicht ist, was von Kunst zu verstehen. Man muss nur mit aller Ernsthaftigkeit blödsinnige Sachen schreiben und am besten auch sagen und dabei irgendwann das Wort Paris fallen lassen - oder natürlich Chicago, wenn man Gerd Borkelmann ist. Wilhelm Schlote z.B. ist ein Künstler, der wie ein kleines Kind zeichnet und das ist halt die Kunst daran. Damit aber keiner meint, seine Bilder wären vielleicht doch von seinem Enkel gezeichnet, schreibt man in den Pressemitteilungen immer dazu, dass er ein paar Jahre in Paris gelebt hat. Paris! Da riecht man förmlich den Rotwein und sieht den Maler Arm in Arm mit einer Burlesque-Tänzerin und Ernest Hemingway bei leichtem Nieselregen durchs Quartier Latin tanzen auf dem Weg zu einer Soiree mit Picasso, F. Scott Fitzgerald und Bunuel. Dort fließt der Champagner in Strömen, Josephine Baker tanzt im Hinterzimmer Charleston und Anita Berber macht, was Anita Berber eben so macht. In dieser Stimmung reicht jemand Wilhelm Schlote ein Blatt Papier und schon fliegt seine Hand über das Weiß und zeichnet mit leichten bunten Strichen ein Meisterwerk, das nur von Banausen als Krickekrakel bezeichnet wird. Das ist die Magie von Paris.
Zugegeben - Emmerich hat einen etwas anderen Klang als Paris. Und das Haus im Park umweht nicht das Flair des Quartier Latin und auch Wilhelm Schlote wird hier wohl nie ausstellen. Aber wohl auch nicht in Chicago. Insofern hat Herr Borkelmann Herrn Schlote etwas voraus. Und nicht nur er: Noch bis zum 8. Januar läuft die Jahresausstellung im Haus im Park im Emmericher Rheinpark. 14 Künstler zeigen dann einige ihrer Werke. Darunter sind auch Roswitha Lohmann aus Rees, Janine Tetzlaff-Koziol aus Emmerich sowie die Klever Marco Henkenjohann, Elisabeth Schink und Anne Thos. Und dann wird natürlich auch wieder der neue Art-Connection-Kalender vorgestellt. Das Haus im Park ist immer samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Kunst ist käuflich. Die Künstler nicht.

Olaf Plotke (Text & Foto)

Kommentare   

#1 Kunsthistorikerin 04.12.2016 15:01
Dieser Artikel ist eine bodenlose Unverschämtheit und ein Schlag ins Gesicht für alle Künstler und Kunsthistoriker.
Wie kann man nur sein Unwissen über moderne Kunst so selbstgefällig zur Schau tragen wie Sie, Herr Plotke?
Wenn Sie die Kunst von Herrn Schlote nicht mögen oder nicht verstehen, ist das ihre Sache. Das Herr Schlote ein großer Künstler ist, sieht jeder Mensch mit gesundem Kunstempfinden auf einen Blick. Was Sie als Kinderzeichnung verspotten, ist meisterlicher Minimalismus.
Kunst haben Sie also nicht studiert. Haben Sie überhaupt was studiert oder wenigstens mal einen Kurs bei der VHS belegt? Ich denke nicht. Anders ist dieser Artikel wohl kaum zu erklären.
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#2 Tyler Durden 04.12.2016 18:05
Talkshowmoderator, Literaturkritiker, Kunsthistoriker - drei Berufe, die die Welt nicht braucht...

Schlote als "meisterlichen Minimalisten" zu bezeichnen, ist allerdings korrekt, denn mit minimalem Talent scheffelt Herr Schlote meisterlich viel Geld ;-)
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#3 Künstler/in 04.12.2016 18:33
# 1. Kunsthistorikerin

Ihre "Ironie" ist "köstlich"..... :-)

Warum sollte sich ein/e Künstler/in, in die Situation versetzt fühlen, einen Schlag ins Gesicht zu bekommen?

Die Kunst der richtigen Künstler ist doch, dass man sein mitgegebenes Talent, auch ohne großartigem Studium "ausleben" und verarbeiten kann!

Leider können sich viele wirkliche Künstler nicht gut vermarkten...... aber auch das ist "Kunst", minimalistisch leben zu können und zufrieden zu sein.......
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#4 Kunstlehrer a.D. 04.12.2016 22:44
Was masst sich eigentlich der Deutschlehrer Werner Steinecke an, etwas von Kunst zu versthen?
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#5 Fredl Haimer 05.12.2016 11:42
Chapeau Hr. Plotke :-) Schön, mal wieder keine verschwurbelte und schleimige Definition von Kunst zu lesen.

Kommt Kunst nicht von Können? Heute wohl eher von "kunst mir den Schmarrn ned teuer abkaufen". Ich hab da noch die Storys im Hinterkopf, in denen von Schimpansen und Elefanten gemalte "Bilder" von Kunstexperten als geradezu unglaublich kreativ und fantasievoll beurteilt wurden.

Kreativ sind diese "Künstler" lediglich darin, ihre Pinseleien zu abenteuerlichen Preisen zu vermarkten. Aber wie sagt man in Bayern: Es kimmt jeden Tog a Depp aus Dachau - musst nur am Bahnhof stehen.
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#6 Max Knippert 05.12.2016 21:23
@4 Kunstlehrer außer Deutsch

Als Namenloser melden Sie sich zu Wort und wollen mal Kunst gelehrt haben? Soll ich Ihnen jetzt einen Vortrag über Kunstfreiheit und/oder Meinungsfreiheit um die Ohren hauen oder reicht Ihnen der Begriff Courage?

Wenn Sie nur ein Promille so viel Courage hätten wie Werner Steinecke, hätten Sie alle Spiegel Ihrer Umgebung bereits abgenommen.
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#7 Michael Strogies 05.12.2016 23:07
Es ist wie mit den politischen Umständen, mit denen wir uns momentan auseinanderzusetzen haben. Die Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft, in der sie entsteht. Das weitverbreitete Unverständnis von Kunst hat sich die Kunst selber zuzuschreiben. Sie folgt dem Ruf des Marktes und konzentriert sich auf die obere Elite, die das nötige Kleingeld hat, um die völlig überzogenen Preise zu zahlen. Es werden Kunstwissenschaftler für Pamphlete beauftragt, die möglichst niemand verstehen soll, um zu zeigen, wie gross die Kunst ist. So hat der Kunstmarkt jegliche Bodenhaftung verloren. So wie den Kontakt zu den "normalen" Menschen, an denen niemand im Kunstmarkt Interesse hat. Für mich selber geniesse ich alle Arten der Kunst und weiss...umso sperriger sie daherkommt, desto reicher ist sie, wenn man sie sich erschlossen hat. Aber das ist Arbeit. Und an diese wird in unserer Gesellschaft niemand mehr herangeführt. So entstehen Lächerlichkeiten auf beiden Seiten. Künstler, die mit dem Anschein des creativ Intellektuellen wie Gnome um das goldene Kalb tanzen und Unwissende, die mit ihren Kommentaren nicht mehr als ihre peinliche Unwissenheit dokumentieren, und denen man am liebsten zurufen möchte "Oh hättest Du doch geschwiegen". Es wird Zeit, dass sich beide wieder in der Mitte treffen. Dann wird Kunst wieder zu dem, wozu sie eigentlich gedacht ist. Zu einer universellen Sprache, über die sich Macher und Publikum austauschen und gegenseitig bereichern können. Nicht oder nicht nur im monetären Sinne.
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#8 Andreas Kreimendah 06.12.2016 00:42
zitiere Kunsthistorikerin:
Dieser Artikel ist eine bodenlose Unverschämtheit und ein Schlag ins Gesicht für alle Künstler und Kunsthistoriker.
Wie kann man nur sein Unwissen über moderne Kunst so selbstgefällig zur Schau tragen wie Sie, Herr Plotke?
Wenn Sie die Kunst von Herrn Schlote nicht mögen oder nicht verstehen, ist das ihre Sache. Das Herr Schlote ein großer Künstler ist, sieht jeder Mensch mit gesundem Kunstempfinden auf einen Blick. Was Sie als Kinderzeichnung verspotten, ist meisterlicher Minimalismus.
Kunst haben Sie also nicht studiert. Haben Sie überhaupt was studiert oder wenigstens mal einen Kurs bei der VHS belegt? Ich denke nicht. Anders ist dieser Artikel wohl kaum zu erklären.


DANKE OLAF. Genau dafür! Es gibt Künstler vom Können oder Künstler, die künstlich mit Nichtigkeiten gepäppelt werden. Sehr gut umschrieben und erfasst. Beuys konnte was, Picasso, Dali, aber nicht der hansel da oben.
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#9 Andreas Kreimendahl 06.12.2016 00:50
zitiere Kunsthistorikerin:
Dieser Artikel ist eine bodenlose Unverschämtheit und ein Schlag ins Gesicht für alle Künstler und Kunsthistoriker.
Wie kann man nur sein Unwissen über moderne Kunst so selbstgefällig zur Schau tragen wie Sie, Herr Plotke?
Wenn Sie die Kunst von Herrn Schlote nicht mögen oder nicht verstehen, ist das ihre Sache. Das Herr Schlote ein großer Künstler ist, sieht jeder Mensch mit gesundem Kunstempfinden auf einen Blick. Was Sie als Kinderzeichnung verspotten, ist meisterlicher Minimalismus.
Kunst haben Sie also nicht studiert. Haben Sie überhaupt was studiert oder wenigstens mal einen Kurs bei der VHS belegt? Ich denke nicht. Anders ist dieser Artikel wohl kaum zu erklären.


Danke Olaf, Du hast genau das Skizziert, skelettiert, was hier in der Kunstszene falsch läuft und viel auf Hochgebausche und Hübschung und Inszenierung läuft, wovon der Obengenannte schön profitiert. Don't believe the hype! Superartikel!
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#10 Controleur 06.12.2016 14:30
Es ist erfrischend amüsant zu lesen, wie es Herrn Plotke wieder einmal mehr gelun-gen ist, einen Zwergenaufstand der selbsternannten sogenannten „Kunstversteher“ zu initiieren.
Wie die zahlreichen Kommentare auf seinen Artikel zeigen, sind diese Kunstver-steher tatsächlich über das Stöckchen gesprungen, dass ihnen Herr Plotke hinhielt. Herausgekommen ist eine wunderbare Realsatire mit lebendigen Darstellern.
Im Gegensatz zur auf alle möglichen Kapitalinteressen rücksichtnehmenden breit angelegten „Lügenpresse“ hebt sich Herrn Plotke mit seinen Beiträgen wohltuend von diesem journalistischen Mainstream ab.

Danke Herr Plotke
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#11 heinemann 06.12.2016 17:20
Hallo!

Ich will´s mal so sagen: "Nur Frisöre können, was Frisöre können."

Wann hat denn das letzte Mal einer der Herrschaften eine Ausstellung besucht, sich den Katalog gekauft - UND ihn auch gelesen?

Aha? Ja, das hatte ich mir schon gedacht ;-)


Eine Anregung zum Weiterdenken:

Mit der Kunst und der Kunstwissenschaft ist es wie mit allen anderen Künsten und Wissenschaften auch - da beschäftigen sich FACHleute mit FACHthemen, und mehren das Wissen der Menschheit.

Dass Fachleute nicht immer zu interessanten + bereichernden Ergebnissen kommen, kennen wir aus vielen Fachgebieten - ich war z.B. schon bei Frisören zu denen ich kein zweites Mal gehen werde.


Aber was ist denn nun an der Kunst + der Kunstwissenschaft so besonders schlimm/schlecht?
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#12 Max Knippert 06.12.2016 18:28
@8
Warum nicht die Dinge beim Namen nennen? Der Hansel da oben sind Zwei. Werner Steinecke und Wilfried Porwol, Sie meinen wahrscheinlich, aber jemand anders?

@9
Inwiefern profitiert der Obengenannte? Im Moment muss er doch wohl eher einen Shitstorm ertragen. Aber aus Scheiße Geld machen wäre in diesem fall ein wahrer Geldregen oder Segen, egal.

@10
Wenn mich nicht alles täuscht, sind sie auch über das Stöckchen gesprungen und das ist in der Tat die Idee von Artikel & Kommentar. Das Wir alle Realsatiere betreiben ist wohl auch wahr. Aber Sie bringen das Stöckchen zum Herrchen zurück und mache spielen halt gern damit.
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#13 Landschaftsmaler 07.12.2016 09:21
Wenn ich den Artikel richtig verstehe, werden in erster Linie die Beschreibung von Kunst und der Habitus der Künstler kritisiert. Beides steht doch in einem Wechselverhältnis, denn die Journalisten wollen die große Geste, den Spleen, die Marke (Hut, Anglerweste, Wuschelkopf, übertriebener Schnurrbart etc.) und der Künstler bedient das, damit er auffällt. Das Bedauerliche ist, dass die Kunst so hinter die Showfassade zurücktritt und Hintergrund wird. Wer ein Bild von Beuys kauft, kauft dann im Grunde nicht das Biod, sondern das Image von Beuys.
Wenn man bei Schlote immer Paris erwähnt, dann geht es eben vor allem um das Image, das damit transportiert wird, da hat der Autor recht.
Es wäre wohltuend, wenn es jemandem gelänge mal über die Kunst zu schreiben, die man in einer Ausstellung sieht und nicht über den Künstler, dabei in einer Sprache, die man versteht. Die Frage ist ob Künstler und Journalist daran ein Interesse haben???
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#14 Kaubeuhut 07.12.2016 10:55
Ich betrachte den Artikel als Kunstwerk.
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#15 heinemann 07.12.2016 17:47
Hallo!

Es geht halt - ganz allgemein - um "Aufmerksamkeit".
Es ist doch keine Überraschung, dass man sich diesem "Diktum" auch (oder gerade) als Künstler nicht entziehen kann.

Die Biografien von Van Gogh, Picasso und Beuys - um mal drei ganz große Namen zu nennen - sind in diesem Zusammenhang sehr interessant.

Aber das begann natürlich auch alles schon viel früher (Da Vinci, Michelangelo, Dürer etc.).

Davon abgesehen, schafft ein Künstler eben ein "Werk" - oder einen "Werkkörper". Eben die gesammelten Werke, inkl. "gelungenen" oder "mißlungenen" Versuchen, Veränderungen und Entwicklungen etc.pp.

Das (also das "Werk") ist ja eigentlich das Interessante - würde aber nur von wenigen Menschen wahrgenommen, wenn der Künstler (oder sein Umfeld / Galeristen / Freunde / Förderer) nicht darauf aufmerksam machen würde.
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#16 Landschaftsmaler 07.12.2016 19:34
Sehr geehrter Herr Heinemann,
Aber dieses Werk könnte außer dem Künstler selbst doch niemand erleben. Man sieht immer nur einen Ausschnitt des Werks. Aber ich glaube, dass an dem einzelnen Werk immer auch ein Image hängt, vielleicht meinen Sie das mit "Werk", und das nehme ich wahr.
Ich weiss natürlich nicht alles über Picasso und seine Bilder, aber ich habe ein Bild von Picasso im Kopf und das beeinflusst meine Sicht auf seine Kunstwerke. In diesem Fall würde es dafür sorgen, dass ich alle Bilder unter dem Eindruck betrachte, dass der Mann das vielleicht größte Genie der Kunst war. Da würde ich mir nie erlauben, Spinner zu sagen.
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#17 heinemann 07.12.2016 22:21
Hallo Herr Landschaftsmaler!

"...ich glaube, dass an dem einzelnen Werk immer auch ein Image hängt, vielleicht meinen Sie das mit "Werk"."

Vielleicht habe ich mich da undeutlich ausgedrückt.
Mit dem "Werk" meinte ich das, was der Künstler tatsächlich macht/erschafft. Vielleicht viele hundert einzelne Arbeiten, oder - wie bei Pablo Picasso - sogar einige tausend.

Das "Image" - z.B. ein Hut mit Feder (Rembrandt), oder ein Hut mit Anglerweste (Beuys), oder ein toller Schnurrbart (Dali), oder ein Gehstock mit silbernem Knauf (Markus Lüpertz) - ist eben ein "Bild", das der Künstler benutzt um Aufmerksamkeit zu erregen, bzw. um sich wiedererkennbar/wahrnehmbar zu machen.
Das bist einfach das berühmte "Klappern" das zum "Handwerk" gehört.

Das eigentliche "Werk" entsteht und existiert aber auch ohne das "Image".


Vielleicht eine interessante Fußnote:

Auch Pablo Picasso war bis in seine 50er (im Sinne von Lebensjahren) weitgehend unbekannt/erfolglos (im monetären Sinne).
Er hatte aber bis dahin bereits einen "Werkkörper" geschaffen, der sehr eindrucksvoll war - und es bis Heute ist.
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