hein driessen webEmmerich (5.11.2016). Er gehört einfach zu Emmerich: Hein Driessen (84) ist vermutlich der bekannteste Künstler der Stadt. Und man kann ihn noch immer fast jeden Tag in seinem Atelier an der Rheinpromenade besuchen. Bei gutem Wetter sitzt der Maler und Zeichner gerne mit seiner Frau Ute vor dem Atelier, trinkt Kaffee, beobachtet die Menschen, den Rhein, die Vögel. „Die Rheinpromenade ist ein Geschenk Gottes“, sagt er gerne. Seit 60 Jahren ist Driessen nun hauptberuflich Künstler. Im nächsten Jahr ehrt ihn die Stadt mit zwei großen Ausstellungen. Im Gespräch mit dem Kurier am Sonntag verrät Driessen, was es dort vermutlich zu sehen geben wird, setzt sich aber auch kritisch mit der Entwicklung der Stadt auseinander und findet klare Worte für das geplante Geschäftshaus auf dem Neumarkt.   

Sie sind fast jeden Tag in ihrem Atelier. Wie läuft das Geschäft?

Hein Driessen: „Gut, danke. Ich hatte gerade noch Besuch aus Oberammergau. Das sind gute Freunde, die ich auf Mallorca kennengelernt habe, wo ich ja auch 40 Jahre ein Atelier hatte. Die sind jetzt auf Niederrhein-Urlaub und haben mich besucht. Das kommt recht häufig vor, dass mich Menschen besuchen, die ich auf Mallorca kennengelernt habe. Ich habe da ja wirklich Menschen aus ganz Europa kennengelernt und sie dort für den Niederrhein begeistert.“

Seit 60 Jahren sind Sie nun im Geschäft. Wann setzen Sie sich zur Ruhe?

Hein Driessen: „Ein Künstler setzt sich nie zur Ruhe. Ich erlebe immer wieder, dass Leute in Pension oder Rente gehen. Dann spazieren die hier zwei, drei Jahre über die Rheinpromenade und dann sieht man sie plötzlich nicht mehr, weil sie verstorben sind. Arbeit hält jung und macht Spaß. Sie arbeiten doch auch gerne.“

Und deshalb sind Sie jeden Tag im Atelier?

Hein Driessen: „Nicht nur zum Arbeiten. Manchmal bin ich auch einfach hier, genieße die Aussicht und freue mich über schöne Gespräche. Ich bin gerne mit Menschen zusammen.“

Was ist denn zu Ihrem Künstlerjubiläum geplant?

Hein Driessen: „Die Stadt hat mich eingeladen, zwei Ausstellungen zu machen. Eine wird am 2. Oktober im Stadttheater eröffnet. Das ist sehr passend, denn an dem Tag haben meine Frau und ich Geburtstag. Die andere Ausstellung wird im Rheinmuseum sein. Ich denke, dass ich dort Bilder von meiner Reise mit der Gorch Fock zeigen werde, die ich vor 20 Jahren gemacht habe. Das würde doch gut passen. Was ich im Stadttheater zeigen werde, weiß ich noch nicht. Das werde ich am Ende einfach aus dem Bau heraus entscheiden.“

Gibt es eigentlich Überlegungen für ein Hein Driessen-Museum. Immerhin sind sie ein bekannter Sohn der Stadt, der weit über die Grenzen Emmerichs hinaus einen Namen hat.

Hein Driessen: „Diese Überlegungen gibt es noch nicht. Es ist das Schicksal vieler Künstler am Niederrhein, das ihre Heimatstädte sie vergessen. Ich will gar nicht von mir reden. Aber nehmen Sie mal einen Künstler wie Eduard Künneke - ein wirklich berühmter Operettenkomponist, der von seiner Heimatstadt Emmerich gerade mal mit einer Straße geehrt wurde. Mein Freund Hazy Osterwald, selbst ein berühmter Musiker, hat immer bedauert, dass Emmerich sich nicht mehr zu diesem großen Sohn der Stadt bekennt. Es geht auch anders, wie man an Rees und Kleve sieht. Die tun wirklich viel für ihre Künstler und die Kunst überhaupt. Wenn ich allein wahrnehme, wie elektrisiert man in Kleve über die Sammlung Wörner ist, die derzeit im Museum Kurhaus ausgestellt wird und den Fund des Dürer-Bildes in diesem Zusammenhang. Toll, dass die Stadt da so hintersteht. Wir haben hier das PAN, das auch ein wunderbares Museum ist, aber eben auch nicht städtisch. Letztlich muss man aber sagen, dass es für so eine Kultur wie in Kleve oder Rees auch ein Bewusstsein in der Bürgerschaft geben muss, das sich dann im Stadtrat wiederfinden muss. Aber in Emmerich passiert vieles nicht oder vieles zu spät.“

Das hört sich aber verbittert an.

Hein Driessen: „Es ist halt so, dass ich in den 40 Jahren auf Mallorca gesehen habe, wie es dort gelingt, Plätze zu schaffen, an denen sich Menschen treffen, wo was passiert, wo Leben ist. Das lockt ja nicht nur die Bürger, sondern auch Menschen von außerhalb an. Und was macht man in Emmerich? Da haben wir am Neumarkt einen Platz, der eine Lunge für die Stadt sein könnte und wir setzen da wieder so ein schreckliches Einkaufszentrum hin, wie wir es schon vorher da hatten. Die Fläche müsste frei bleiben und so gestaltet werden, dass man dort etwas veranstalten kann, z.B. einen Fischmarkt oder von mir aus den größten Möbelmarkt vom Niederrhein, der einmal jährlich oder jeden Monat stattfindet. Auf alle Fälle müsste man da einen Platz schaffen, an dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden können und der ansonsten einfach schön gestaltet ist mit einer attraktiven Bepflanzung. Da gehört natürlich ein wenig Fantasie dazu. Aber ich bin überzeugt, dass man die Bürger nur ein bisschen kitzeln müsste, um ganz viele Ideen für so einen Platz zu bekommen. In Barcelona lässt man jetzt überall in der Stadt, Grünflächen, Spiel- und Bolzplätze anlegen. Bei uns wird dagegen viel zu viel vollgebaut. Und am Neumarkt hat Herr Schoofs die Stadt doch richtig im Griff. Was soll man da noch sagen?“

Aber mit der Rheinpromenade hat Emmerich nun wirklich eine Attraktion, die auch Leute von außerhalb anlockt.

Hein Driessen: „Die Rheinpromenade ist ein Geschenk Gottes. Aber man pflegt sie nicht richtig. Neben meinem Atelier werden jetzt 9 Wohnungen gebaut und im Stadtrat haben 31 Ratsmitglieder zugelassen, dass für diese Wohnungen hier nun auch 6 Garagen gebaut werden für 11 Fahrzeuge. Das ist doch eine Promenade für Fußgänger und Radfahrer und keine Autostraße. Man kommt hier her, weil man die Aussicht, die Ruhe und die Luft genießen möchte und dann fahren hier Autos. Ich finde das wirklich schlimm. Die Promenade müsste eigentlich autofrei sein. Ich werde bei Gelegenheit mal Barbara Hendricks darauf hinweisen, die ich ja gut kenne. Warum konnte man die Garagen nicht so bauen, dass sie von der anderen Seite aus erreichbar sind? Die Rheinpromenade ist doch die Attraktion von Emmerich. Man muss sich um sie kümmern, wenn man nicht möchte, dass sie so aussieht wie die Kaß- oder die Steinstraße, die halbleer sind.“

Gibt es ein Projekt, das Sie noch gerne realisieren möchten?

Hein Driessen: „Ja, ich möchte auf dem Nonnenplatz eine Skulptur ‚Gegen das Vergessen‘ bauen. Das Modell ist beim Steinmetz Guido Splittorf und könnte realisiert werden. Es soll an die Bürger Emmerichs erinnern, die im Krieg gestorben sind. Nicht die Soldaten, sondern die Zivilbevölkerung, die bei den Angriffen und Gefechten ihr Leben verloren haben. Ihre Namen möchte ich auf der Skulptur verewigen, darunter auch die Namen von Angehörigen von mir. Aber auch den unserer Nachbarin, der alten Frau Kamp. Die lag nach einem Angriff eines Tages tot vor ihrem Haus. Ich kam gerade nach Hause, als ich sie da fand. An sie und die 500 anderen Bürger unserer Stadt möchte ich erinnern.“

Fragen & Foto: Olaf Plotke

Kommentare   

#1 anonymous 06.11.2016 09:58
Da muß man Herrn Driessen recht geben, was den Neumarkt in Emmerich betrifft. Wie kann man so lange an dem Investor Schoofs festhalten ? In den vergeudeten Jahren wäre der Neumarkt schon lange gepflastert gewesen. Gleiches gilt auch für das alte Zollamt an der Rheinpromenade. Die niederländische Vink-Gruppe/Nerbenta hat schon 2008 dieses Gebäude der BIMA abgekauft, aber es passiert nichts...
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#2 Susanne M. 06.11.2016 21:49
Solange DIESE Leute im Rathaus agieren, geht nichts voran in Emmerich.
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#3 Flotte Lotte 07.11.2016 13:39
Dieser SPD-Bürgermeister ist unfähig und überfordert. Lieber haut er die Baugenossen in die Pfanne. Pfui, für mich ein Wahlbetrüger! Da hätten wir auch weiter Dicks wählen können. Der hat wenigstens seinen Mund aufgemacht.
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