JugendcafeEmmerich (15.10.2016). Es gibt Geburtstagsfeiern, die sind etwas Besonderes. Für das Jugendcafé am Brink steht eine solche an. Am Samstag, 22. Oktober, wird wird nämlich die Volljährigkeit der Einrichtung gefeiert. 1998 wurde sie aus der Taufe gehoben wurde. JuCa-Leiterin Karin Ingendahl und der pädagogischen Mitarbeiter Rainer Heusen haber vom Startschuss bis zum Hier und Jetzt alles miterlebt. Sie sprachen mit Kurier-Redakteur Michael Terhoeven über die Anfänge des Jugendcafes, den Wandel in der Jugendarbeit und darüber, dass eine Haus für Kinder und Jugendliche, Volljährigkeit hin oder her, nie erwachsen werden darf.

18 Jahre JuCa sind eine lange Zeit...

Karin Ingendahl: Ich war sehr erstaunt, ein wenig erschrocken, aber auch stolz als mir bewusst wurde, wie lange es uns schon gibt. Rainer und ich haben noch die Bilder von der Eröffnung vor Augen. Es ist unfassbar. Eine unfassbar lange, eine unfassbar spannende und unfassbar ereignisreiche Zeit, die wir erlebt haben und noch erleben werden. Wobei: Rainer geht ja bald in Rente. Sein Abschied wird die nächste große Party sein, die hier gefeiert wird.


Warum wurde das Jugendcafé am Brink 1998 überhaupt eingerichtet?

Karin Ingendahl: Es ist nicht so, dass die Jugendarbeit in Emmerich erst mit dem JuCa anfing. Es gab Absprachen mit den Kirchengemeinden, dass die Stadt Emmerich das Personal für die Jugendheime in Speelberg, Elten und dem Aldegundisheim stellte, während die Kirchen ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten.

Rainer Heuser: Das waren aber mehr oder weniger Provisorien, die sich mit viel Herzblut, großem Einsatz und zum Teil tollen Ideen für die Kids eingesetzt haben. Wirklich professionell ist dass Ganze nicht abgelaufen. Am Ende waren sich alle einig, dass es feste Strukturen braucht, um wirklich erfolgreiche und sinnvolle Jugendarbeit betreiben zu können. So wurde das Jugendcafé in der Werkhalle der Europaschule als gemeinsame Lösung für Emmerich erdacht und dank großer Unterstützung aus allen Richtungen schließlich realisiert.

Vom Start weg ist das JuCa angenommen worden. Was war das Geheimnis Ihres Erfolges?

Rainer Heuser: Wir haben die Kinder- und Jugendlichen von Anfang an ganz eng in die Themenfindung und auch in die Organisation eingebunden. Schon vor der Eröffnung haben wir stundenlang mit den Kids zusammengesessen, Wünsche notiert, Ideen gewälzt und versucht, möglichst viel  möglich zu machen. Das hat nicht immer funktioniert und auch nicht alles kam gut an, doch unterm Strich geben uns die 18 erfolgreichen Jahre recht.

Karin Ingendahl: Ein ganz dickes Plus der Einrichtung war in den Anfangsjahren die Betreuung nach dem Schulunterricht. Hier konnte zu Mittag gegessen und Hausaufgaben gemacht werden. Der schulische Ganztag steckte zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen. Ich denke, wir haben berufstätigen Eltern das Leben ziemlich erleichtert. Darüber hinaus wurde hier schon Netzwerkarbeit betrieben, bevor es das Wort überhaupt erfunden wurde.

Rainer Heuser: Und nicht zu vergessen: die vielen Konzerte und Partys, die im JuCa stattgefunden haben. Oftmals ging es da von unserem eigenen Proberaum direkt auf die Bühne. Sponsoren sei Dank waren wir technisch immer gut ausgestattet und damit auch immer unser eigener Herr.

Und der Umzug im Sommer 2014 hat daran nichts geändert?

Karin Ingendahl: Anfangs war es ein komisches Gefühl, doch heute kann man sagen, dass das JuCa durch diesen Schritt an Qualität gewonnen hat. Es ist gemütlicher geworden. Statt der großen Halle haben wir jetzt verschiedene Räume, die unterschiedlich genutzt werden können ohne dass andere Besucher sich gestört oder beobachtet fühlen. Außerdem können wir die Werkhalle, die heute Mensa der Gesamtschule ist, weiterhin für Veranstaltungen nutzen.

18 Jahre Jugendarbeit in Emmerich: Da hat sich bestimmt auch einiges geändert und verändert?

Karin Ingendahl: Die Antwort ist, so blöd es sich anhört, ein klares Jein! Die Welt in der wir und damit auch die Jugendlichen Leben ist eine andere geworden. Damit müssen wir „alten Hasen“ zurechtkommen, uns darauf einstellen und ins in diese neue Lebewelt hineindenken bzw. hineinfühlen. Unsere Aufgabe besteht auch darin, von der Jugend zu lernen und damit dafür zu sorgen, dass das JuCa, egal ob volljährig oder nicht, niemals erwachsen wird. In Sachen Sozialisation ist aber alles noch so wie vor 18 Jahren: Die Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, suchen nach ihrer Identität... und das mit allem was dazu gehört: Sie verlieben sich glücklich oder unglücklich, haben Ärger mit Eltern, Lehrern, Schulkameraden, brauchen Ansprechpartner, Freunde, Unterhaltung. Damit ist das Jugendcafé am Brink nach wie vor Treffpunkt, Anlaufstelle und Ort zum Abhängen.

Rainer Heuser: Was sich jedoch deutlich verändert hat, ist Zusammenarbeit mit den Schulen. Wir sind mittlerweile Teil des schulischen Ganztag. Heute ist es so, dass wir zuerst zu den Kindern kommen indem wir in den Schulen Kurse und AGs durchführen und sie dann später am Nachmittag zu uns ins Jugendcafé kommen - so sie es denn zeitlich hinbekommen.

Das müssen Sie erklären...

Rainer Heuser: Die Schüler von heute sind nicht mehr so flexibel. Ein Schultag bis 16 Uhr ist nicht die Ausnahme sondern vielmehr die Regel. Entsprechend gezielt werden sich Angebote rausgepickt, die im Anschluss noch in Anspruch genommen werden. Durch unsere Präsenz an den Schulen und den guten Kontakt zu den Schülern finden aber nach wie vor viele den Weg zu uns.

 

Der 18. JuCa-Geburtstag wird ausgiebig gefeiert und zwar am Samstag, 22. Oktober. Die Party steigt ab 19 Uhr in der Mensa der Gesamtschule. Drei Livebands werden den Festsaal rocken:  Ab 20 Uhr stehen „The Cradle of Jacks“ aus Emmerich auf der Bühne. Im Anschluss drehen „Flametree“ aus Dorsten mit ihrem Rockprogramm von Blues- Hard bis Psychodelicrock auf. Dass der Abend in bester Feierlaune zu Ende geführt wird, dafür werden „Snitlev“ aus Vrasselt sorgen. Der Eintritt für Jugendliche ab 16 Jahren kostet 3 Euro.

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