Der kurze Traum vom Klinik-Konsens
Die Geschichte des Gocher Klinik-Krachs ist heute um ein neues Kapitel reicher geworden: Denn die Klever CDU schließt sich den Befürchtungen der Klever Ärzte an, dass in der Schwanenstadt bald nur noch ein "Rumpfkrankenhaus" stehen könnte und Patienten u.U. auf die lange, lange Reise ins 12 Kilometer entfernte Goch geschickt werden könnten. 30 "Patrioten in weiß", also Ärzte, hatten zuvor mit einem öffentlichen Brief protestiert. Jetzt hat auch die CDU einen Brief geschrieben. Und zwar an NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (war kürzlich beim Gesundheitstag in Goch!). Darin äußern CDU-Chef Jörg Cosar und Fraktionschef Udo Janssen ihre Bedenken gegen den Plan der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK): "Zwar mögen 12 Kilometer für einen gesunden Menschen nicht viel anmuten, für einen schwer Verletzten können diese aber zu einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes beitragen." Die Logik gilt ja aus unerfindlichen Gründen nur in der Richtung von Kleve nach Goch und nicht umgekehrt. Aber Udo Janssen erklärt: "Wir haben uns hier nur um unseren Krankenhausstandort zu kümmern. Wir haben dafür Sorge zu tragen, dass jede Versorgung, die hier nötig ist, auch möglich ist."
Die Meta-Ebene dieser Aussage kann man wohl so interpretieren: "Wir werden alles versuchen, die Verlegung von Abteilungen von Kleve nach Goch zu verhindern."
Aber das ist natürlich nicht so einfach, weil die KKiKK ein Unternehmen ist, das Entscheidungen ohne die Politik treffen darf. Deshalb will die CDU jetzt erstmal von Frau Ministerin wissen, ob die Verlegung rechtlich überhaupt erlaubt ist. Zitat aus dem Brief: "Wir möchten Sie als verantwortliche Landesgesundheitsministerin daher bitten, die genannte Maßnahme und gegebenenfalls weitere - uns bislang noch nicht bekannte - Maßnahmen im Zusammenhang mit der aktuellen Umstrukturierung auf Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu überprüfen."
In der KKiKK-Zentrale wird man nun erstmal hinten rüberkippen. Denn dort glaubte man bis jetzt, dass endlich "Ruhe im Karton" sei. Vom Schreiben an die Ministerin hat die CDU die KKiKK gar nicht erst informiert. Macht nichts - die lesen ja auch Plotke´s Notiz-Blog....
Erst vor wenigen Wochen hatte es ja ein Gespräch zwischen KKiKK-Führung, Klever Stadtverwaltung und Fraktionsspitzen in Kleve gegeben und man gab anschließend eine große "Friede-Freude-Eierkuchen"-Pressemitteilung heraus. Cosar: "Damals kam uns das Konzept ja auch logisch vor." Aus und vorbei. Der CDU-Führung ist der einstige Konsens erstmal schnuppe, denn "uns liegt die bestmögliche Gesundheitsversorgung unserer Klever Bürgerinnen und Bürger am Herzen." Und die Bürger in Goch sind uns pupsegal. Aber das steht da natürlich nicht.
Olaf Plotke, 6. Juni 2012
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Kommentare
Hat sich nicht die gesamte Klever Politik nach dem Infogespräch für den vorgeschlagenen Umbau der Kliniklandschaf t entschieden und den großen Konsens gelobt?
Wie immer interessiert die Herzöge nicht das Geschwätz von Gestern, klingt irgendwie doch nach dem 15ten Jahrhundert und dem Herzogtum!
Mein Appell an diese Gruppe der Klever Ärzte und den wenig einsichtigen Klever Politikern ist: Machen sie sich kundig zum Thema Erhalt von Kliniken im ländlichen Bereich. Beschäftigen sie sich mit den bereits dazu veröffentlichte n wissenschaftlic hen Studien. Dort finden sie viele Sachargumente, die den jetzt eingeschlagenen Weg der KKiKK bestätigen. Und hören sie auf Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten.
Sollte das Ganze aber darauf abzielen, den Standort für ein Zentralkrankenh aus im Kreis Kleve latent zu unterstützen, wird die Sache aus meiner Sicht scheitern, weil Kleve der sicher ungünstigste Standort im Kreis dafür wäre.
Ich kann mir einfach nichtvorstellen das es den Ärzten wirklich um das Wohl der Patienten geht.
Es waren doch Verwaltung und CDU in Kleve, die mal wieder darauf hinarbeiteten den KKIKK- Beschluss bzgl. Goch/ Kleve mitzutragen; Im Frühjahr 12...
Nun fallen Sie um - was die Dilettantenbude der CDU erklären mag. Hoffentlich erkennen das auch mal die Wähler.
Wie wäre es gewesen, wenn die CDU Kleve sich mal erst mit Ärzten und BürgerInnen unterhalten hätte bevor sie ihre göttlich anmutenden Erklärungen zu etwas abgibt?!
Zwei Dinge noch:
1) Lesmeister - nicht Lestmeister...
2) Dem Vernehmen nach die Hoffnung bei den nächsten BM-Wahlen...?
"Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont", Konrad Adenauer
"Mittelmäßige Geister verurteilen für gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht", François de La Rochefoucauld
Die Sprüche würde ich nicht auf die CDU, sondern auf viele "Führungskräfte" in der heutigen Zeit beziehen, Mundwerker statt Hand- und Kopfwerker.
Vollkommen richtig. Aber was mich überrascht: Ausnahmsweise nimmst Du den Brauer nicht von der Kritik aus...was ist los?
Glaube mir, ich kenne viele Führungskräfte, der Klever BM ist mir mit Abstand am liebsten, da er menschlich und sozial denkt und darüberhinaus diese Fähigkeiten hat, die ich bei vielen Vorständen, Geschäftsführer n und Kommunal"größen" vermisse.
Kleve lebt wieder, vorher vegetierte Kleve dahin.
Willi: Kompletter Widerspruch zu der Einschätzung vom Meisterbürger - aus der Erfahrung, und nicht Tee-Abenden, heraus!
Man kann mit ihm sachlich und fachlich auf hohem Niveau diskutieren. Er setzt allerdings hohe Qualität voraus. Diese Qualität hatten seine Vorgänger bei weitem nicht.
Obwohl ein Thread Willi und Theo .... könnte mir gefallen. Da kommen wieder viele Neider aus ihren Löchern hervor .... herrlich.