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Freitag 18 Mai 2012

Wer Sarazzin duldet, darf sich nicht wundern, wenn die NPD kommt

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Integrationstalk in der Stadthalle. Großartig waren vor allem Aydan Özoguz (3.v.l.) und Kirchenrat Rafael Nikodemus (re.). Normalerweise freuen sich Parteien über jeden Gast bei einer ihrer Veranstaltungen. Denn sie verwenden viel Mühe und Arbeit darauf, politische Informationsveranstaltungen "auf die Beine zu stellen" und oft genug kommen außer den paar Parteimitgliedern keine Gäste.

Es gibt aber durchaus auch Gäste, über deren Fernbleiben man sich freut.

Gestern hatte die Kreis Klever SPD zur Veranstaltung "Integration geht uns alle an" in die Stadthalle Kleve geladen. Referentin war die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz, die auch Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion ist. Wie man das so macht, damit Leute kommen, hatte die SPD die Veranstaltung groß angekündigt, um viele Gäste anzulocken. Außerdem musste man sich anmelden. Es war dann aber doch ein schöner Schock für die Kreis Klever SPD, als sich dann der Krefeld/Klever Ortsverband der NPD mit vier Personen zu der Veranstaltung anmeldete.

Das war dann auch der Grund dafür, dass der Staatsschutz einen Beamten für die Bewachung der SPD-Veranstaltung abstellte.

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz hielt einen informativen, klugen Vortrag, der die Schlagworte "Das Boot ist voll", "Ansturm der Armen" und "Multikulti am Ende" als das entlarvte was sie sind: wenig fundierte, dafür aber menschenverachtende Sprüche. Man darf sicher nicht vergessen, dass es der SPD-Spitzenpolitiker Thilo Sarazzin war, der diese Debatte vor etwas mehr als einem Jahr wieder so richtig ins Rollen brachte, nachdem er in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" so ziemlich jedes noch so plumpe Vorurteil gegen Ausländer und ausländisch stämmige Menschen wieder aufwärmte. Für viele Genossen war das unerträglich, die Bundes-SPD, in deren Vorstand ja auch die Kreisvorsitzende Dr. Barbara Hendricks sitzt, jedoch duldet eben auch solche Menschen in ihren Reihen. Ich habe ja auch schon einmal darüber geschrieben, dass sich auch die Kreis Klever SPD nicht dazu durchringen konnte, auf ihrem Parteitag klar Position gegen Sarazzin zu beziehen (Einfach auf dem Satz klicken, dann geht es zu dem Artikel). Die Jusos hatten einen solchen Antrag auf dem Kreisparteitag gestellt. Barbara Hendricks war die prominenteste Sprecherin gegen den Antrag.

Und so durften sich die Genossen auch nicht wundern, dass sich dann in der gestrigen Diskussion auch mal einer der Gäste von rechtsaußen zu Wort meldete und die Sprüche kloppte, die man von so einem eben erwartet. Im Grunde nichts anderes als das, was die SPD auch schon von ihrem Spitzenpolitiker Sarazzin zu lesen und zu hören bekam.

Lange hielten es die NPDler aber nicht in der Stadthalle aus. Nachdem sie ihre sarazzinschen Thesen vom Stapel gelassen haben, zogen sie ab. Als kleine Erinnerung hinterließen sie am Ausgang auf dem Informationstisch der SPD noch einen Stapel NPD-Broschüren, die SPD-Kreis-Fraktionschef Roland Katzy sofort entdeckte und entfernte.

Wie blöde die Thesen von Sarazzin und Co. so sind, offenbarte eine kleine Bemerkung von Kirchenrat Rafael Nikodemus von der evangelischen Kirche im Rheinland, der nach dem Vortrag von Aydan Özoguz u.a. mit ihr und dem türkischstämmigen Ismet Kezer von der AOK Kleve auf dem Podium saß. Nikodemus berichtete u.a. von seiner Zeit in der Türkei: "Sechs Jahre habe ich dort gelebt. Und damit war ich vermutlich länger in der Türkei als jeder, der hier heute auf dem Podium sitzt!"

Das war für mich die Bemerkung des Abends. Großartig!

Olaf Plotke, 15. September 2012

 

Kommentare 

 
#1 Friedrich Hecker 16.02.2012 08:45
Man muß den Veranstaltern und der Referentin dafür danken, das Thema in die Öffentlichkeit in Kleve gebracht zu haben.Und Frau Özoguz hat wohltuendes gemacht: Sie hat alle gefühlshaften Unterstellungen einer Realitätsprüfun g unterzogen. Mehreres wurde dabei deutlich: Zum einen hängt die Staatsbürgersch aft immer noch zu sehr an Begriffen wie Gemeinschaft, Abstammung und ist zu wenig an die Verfassung dieses Landes gebunden. Zum anderen sind es, lieber Herr Plotke, nicht nur dieser fehlsichtige Genosse und seine (NPD) Konsorten, sondern auch die Spiegel- und Focusleserinnen , die das Ressentiment der überlasteten Volksgemeinscha ft, des vollen Bootes, der Leitkultur schärfer in die Öffentlichkeit tragen als dieser unsägliche Glatzkopf, der versuchte, seine Idiotismen zu erbrechen. Aber der Fehler, zu meinen, dieser Mensch habe ja seine Motive, so zu sein wie er ist, zeugt von einer krassen Fehleinschätzun g des demokratischen Diskurses. Sonst: Gute Veranstaltung.
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#2 Der da 16.02.2012 09:06
Die SPD ist sicher keine Sympathisantin der NPD. Das Sarazin aber in der SPD bleiben durfte hat sicher damit zu tun, dass die SPD am rechten Rand Stimmen fischen wollte.
Wenn es um die Macht geht ist es den Parteien egal woher die Stimmen kommen.
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#3 Willem Heuvens 16.02.2012 16:53
Die heutige SPD -nicht die von Wehner und Brandt- ist mitverantwortli ch für eine immer wachsende Rechtsradikalit ät, verursacht u.a. durch die Agenda 2010, Hartz IV.
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#4 Klaus Reiners 16.02.2012 18:25
Es war ein kluger, interessanter und sehr ehrlicher Vortrag.
Sarrazin war nicht. Um den ging es auch nicht!,
U.a. am Beispiel des Spiegels erläuterte die Referentin wie auch durch ( Titel) Bilder Meinung gemacht wir von und durch Journalisten- sicher nicht mit Vorsatz!
Ja und dann haben sich ein paar NPD angemeldet.gesehen habe ich nicht. Diskutiert haben sie auch nicht. Erwähnenswert im Blog?
Keine Freiheit den Feinden der Freiheit!!
Darum gehts zur Zeit bundesweit!
Um eine real existierende Gefahr für die Demokratie.
Und nicht darum eine (gute) Veranstaltung daran zu messen, ob, wievielte Nazis sich anmelden!
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#5 Jens-Uwe Habedank 17.02.2012 08:49
Mal eine Info:
"am kommenden Samstag, also dem 18.2.12, veranstaltet die Grüne Jugend Kreis Kleve in Geldern eine Demonstration gegen rechts.
Denn auch am Niederrhein versuchen Neonazis aktuell Ängste in der Gesellschaft für ihre Zwecke auszunutzen und zu missbrauchen.
So werden beispielsweise Parolen wie «Todesstrafe für Kinderschänder» verbreitet.
Für ein «Nein!» zu rechtem Stimmenfang.
Anti-Nazi-Demo in Geldern! Nazis raus aus unseren Städten!
Mit der Aktion wollen wir auch unsere Solidarität mit den Demos für ein nazifreies Dresden zeigen.
Auch wenn der Termin kurzfristig ist, bitten wir um eure Unterstützung. Also kommt am 18.2. um 11 Uhr zum Bahnhof in Geldern."
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#6 Der da 18.02.2012 12:28
@Klaus Reiners:
"Keine Freiheit den Feinden der Freiheit"
Das ist aber eine wenig demokratische Haltung. Unsere Demokratie ist deswegen so gut weil sie auch Antidemokraten mit der Toleranz begegnen die diese verachten. Der norwegische Regierungschef hat das nach dem furchtbaren Attentat eindrucksvoll deutlich herausgestellt. Der Verachtung mit mehr Demokratie begegnen.
Was Sie aber vorschlagen ist nichts anderes als ein intoleranter Umgang mit Intoleranten.
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#7 Willem Heuvens 18.02.2012 17:56
Die großen Parteien haben Sarrazin erst salonfähig gemacht, wer die Menschen in Armut stürzt, verantwortet das Aufflammen der Rechten und die suchen die Schuldigen bei den Migranten.
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#8 Der da 18.02.2012 20:22
@Willem Heuvens:
Das sehe ich auch so.
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#9 Friedrich Hecker 19.02.2012 18:06
Und jetzt kommt Gauck als Kandidat ins Spiel. Ein neoliberaler Schwätzer. Der lobt auch noch den Sarrazin für seinen Mut, das alles auszusprechen.
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#10 Bernd Derksen 20.02.2012 08:46
zitiere Friedrich Hecker:
Mut, das alles auszusprechen.


Ja, schon bedrohlich, wenn jemand seine eigene Meinung äußert. Besser sollte man sich als guter Politiker hinter Pseudonymen im Internet verstecken... Denn das ist ja wahrer Mut ... ;-)

Oder, Herr "Hecker"? ;-) Keine Sorge, ich würde Sie nie verraten ... ;-)

Aber ich würde gerne mal mit Ihnen in der realen Welt darüber reden. Trauen Sie sich?
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#11 Willem Heuvens 20.02.2012 09:08
Deshalb wäre Frau Käßmann die ideale Präsidentin gewesen, Gauck ist letztlich ein Mitläufer.
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#12 Willem Heuvens 20.02.2012 14:42
Im übrigen unterstützt Gauck den Afghanistan-Krieg.
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#13 Jens-Uwe Habedank 21.02.2012 23:11
@Bernd Derksen:
Unsere Demokratie besteht nun mal darin, dass jeder seinen Schwachsinn/ Unsinn verzählen und verbreiten darf - dazu gehören auch Sarrazin, NPD und meinetwegen auch ich...
Dem kann man dann zustimmen oder widersprechen.Sobald wir aber anfangen, lieber "Herr Hecker/ Heckenschütze", dies unterbinden zu wollen - dann sind wir wieder so weit...
www.youtube.com/watch?v=UFM2N-8Yo9M
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#14 Jens-Uwe Habedank 21.02.2012 23:21
@ Willem Heuvens, #12: Welchen Afghanistan-Krieg denn nun? Staatsstreich 1978, Einmarsch Sowjets 1979, Mudsachhidin bis 1989 oder, oder, oder...?!
Taliban, Pakistan, Iran, EU, D, USA, Rußland...
Es kann für nmich hier nur eine Kritik geben - dass D die Marionette der USA ist, entgegen der Präambel zu unserem GG!
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#15 Willem Heuvens 22.02.2012 08:56
Außerdem hat er kein Herz für die Armen im Land, für Hartzer, für Randgruppen, für Protestbewegung en gegen Ausbeutung und Kapitalismus.
Meine Eltern sagten immer: Vorsicht bei Pfarrern und Pastören, die vertreten sich selbst, aber nur selten die Lehre Jesu.
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#16 ND 25.02.2012 02:10
zitiere Willem Heuvens:
Die großen Parteien haben Sarrazin erst salonfähig gemacht, wer die Menschen in Armut stürzt, verantwortet das Aufflammen der Rechten und die suchen die Schuldigen bei den Migranten.


Wir suchen die Schuld nicht bei den Migranten, sondern genau dort wo wir Anwesend waren, bei den Blockparteien die unser Volk allesamt verraten.
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