Abzocke auf sozialdemokratisch (oder: Warum die SPD Kevelaer vor den Machenschaften der eigenen Partei warnt)
Die Mitglieder der SPD im Kreis Kleve haben in den letzten Tag Post von ihrer Landesvorsitzenden Hannelore Kraft (Foto) bekommen. Das ist schön und mancher denkt vielleicht: „Ach, von der netten Ministerpräsidentin möchte ich auch mal einen Brief bekommen.“
Aber über diesen Brief können sich die Genossen eigentlich nicht freuen. Denn die selbst ernannte „Partei der kleinen Leute“ will nun vor allem denen ans Portemonnaie. Aber das schreibt sie natürlich nicht so.
Aber der Reihe nach:
Der Brief (ohne Betreffzeile o.ä.) beginnt mit den üblichen Jubelarien, die man als Parteimitglied in schöner Regelmäßigkeit zugeschickt bekommt und die man deshalb meist schnell in der nächsten Altpapiertonne entsorgt oder in den Kamin steckt, damit sie wenigstens irgendeinen Zweck erfüllen. Gut möglich, dass man bei der SPD genau darauf hofft. Aber dazu später. „Wir können gemeinsam auf ein sehr erfolgreiches Jahr der SPD-geführten Landesregierung in NRW zurückblicken“, heißt es da. Blabla halt.
Dann dauert es 15 Zeilen und 11 Sätze bis plötzlich das Wort „Beitragssolidarität“ fällt. Solidarität ist gut und bei Sozialdemokraten durchweg positiv belegt. Da wird dem Genossen gleich warm ums Herz und es legt sich ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht. Wie schön, Solidarität. Man möchte gleich anfangen "Die Internationale" zu singen...
Doch die SPD ist seit langem meisterlich darin, böse Überraschungen in eine schöne Verpackung zu stecken. So weiß seit der Regierungszeit Schröder jeder, dass das Wort Reform für Steuererhöhung steht.
Ähnlich kreativ geht man bei der SPD jetzt mit dem Wort Solidarität um. Das steht nämlich ab jetzt auch für ei
ne Erhöhung. In diesem Fall eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge.
„Wir schreiben Dich heute an und möchten Dich herzlich bitten, deine monatlichen Zahlungen um einen Euro pro Monat anzuheben“, schreibt Hannelore Kraft. Obwohl bitten eigentlich auch schon wieder eine Verniedlichung ist. Denn ein paar Sätze später heißt es dann: „Wenn wir von dir bis zum 31.12.2011 keine Rückmeldung erhalten, werden wir deine monatlichen Zahlungen um einen Euro pro Monat erhöhen.“ (Rechts der ganz Brief zum Nachlesen. Draufklicken zum Vergrößern.) Noch heftiger trifft es übrigens die Mitglieder, die weniger als 5 Euro zahlen, z.B. Rentner und Arbeitslose. Für die gibt es nämlich noch einen Spezialbrief. Ihr Beitrag von 2,50 Euro wird einfach auf 5 Euro erhöht, wenn die nicht von sich aus widersprechen. Ja, wenn es um den Griff ins Portemonnaie geht, ist man bei der SPD ratzfatz. Sage noch einer, die Genossen könnten mit Geld nicht umgehen.
Obwohl vermutlich genau da das Problem liegt. Sie können es vielleicht wirklich nicht. Die Zeitung „Die Welt“ berichtete im Juli, dass der SPD bis 2014 ein Schuldenloch in Höhe von 20 Millionen Euro droht. Man könnte natürlich die Kosten senken und vielleicht den bürokratischen Wasserkopf abbauen. Aber man kann natürlich auch einfach die Einnahmen erhöhen.
Gut, dass man mit Dr. Barbara
Hendricks (Foto) eine erfahrene Schatzmeisterin in der SPD-Zentrale in Berlin hat. Dumm nur, dass in ihrem eigenen Wahlbezirk im Kreis Kleve die ehrenamtlichen Funktionäre Sturm laufen gegen diese Art der Solidarität, die man guten Gewissens als „hinterfotzig“ bezeichnen kann. Oder man sagt es noch deutlicher wie die SPD Kevelaer: "Geld einzuziehen ohne Zuspruch des Mitgliedes ist für uns eher eine unseriöse, dem mittelalterlichen Dorfrecht geschuldete, Handlungsweise."
Der SPD-Vorstand in Kevelaer hat seine Mitglieder jetzt in einem Brief vor den Machenschaften der eigenen Landespartei gewarnt. „Wichtig!!! Der Inhalt des Briefes ist eine versteckte Beitragserhöhung!“, schreibt Parteichef Heinz Ermers in großen Lettern seinen Mitgliedern. Der engagierte Parteichef spricht aus, worum es hier in Wahrheit geht: eine „heimliche Beitragsanpassung“.
Ermers weiß natürlich, dass Mitglieder so angefressen vom Vorgehen der Landespartei sein könnten, dass sie ihm gleich ihr Parteibuch nach Hause schicken. Deshalb fleht Ermers: „Wir bitten Euch uns treu zu bleiben da der Ortsvereinsvorstand die Art und Weise des Umgangs mit Mitgliedern nicht hinnehmen möchte. Da es in letzter Zeit so einige Kommunikationsstörungen zwischen ´Wir hier unten – Ihr da oben´ gegeben hat, wollen wir auf dem politischen Weg dagegen halten.“
Schade eigentlich, dass es noch nicht die Verbraucherzentrale im Kreis Kleve gibt, die die Kreis Klever SPD so vehement fordert. Die könnte sich jetzt mal mit dem Geschäftsgebahren der Partei beschäftigen.
Bis dahin tut es auch ein Blick in die Bibel: "Du weißt ja die Gebote wohl: (...) du sollst niemanden täuschen." (Markus 10.19)
Olaf Plotke, 8. Dezember 2011
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Kommentare
Von solchen Genossen brauchen wir mehr!
In Zeiten, in denen die etablierten Parteien mir oftmals intern immer undemokratische r zu werden scheinen, finde ich's lobenswert.
Es hat halt nicht jeder Genosse die Größe zur eigenen Meinung öffentlich zu stehen.
Ich empfinde es als Ausdruck von journalistische r Unabhängigkeit und Professionalitä t auch über Vorgänge in Organisationen, deren aktives Mitglied man ist, berichten zu können. Auch mittels provokanter Zuspitzung.
Wie langweilig sind mir mittlerweile Kommentare in Zeitungen wie taz, SZ, FR, FAZ, Spiegel, RP, NRZ etc., bei denen man vorher schon weiß, in welche politische Richtung der Wind wehen wird. Weil die Redakteure nicht anders dürfen ...
Selbstkritik gehört zu demokratischen Organisationen und Transparenz ist unverzichtbar für ernsthafte Demokratie.
Sorry, Erich Ollenhauer ( ist wohl eher nur Mißbrauch des guten Namens, oder...?): Wenn eine Wahrheit, eine Begebenheit, nicht veröffentlicht werden sollte weil sie gegen das äußere Bild sei und "Sauereien" verschwiegen werden sollen mit Berufung auf Parteiloyalität - dann sind wir bald wieder so weit...
www.youtube.com/watch?v=UFM2N-8Yo9M
Aber auch Respekt vor der SPD Kevelaer die eigenen Mitglieder auf diese unseriöse Art der eigenen Partei hinzuweisen. Man kann den Sozis da nur gratulieren einen so starken Mann an der Spitze zu haben wie Herrn Ermers, der sich auch mal gegen die große Vorsitzende stellt.
Entsetzt bin ich von dem ersten Kommentar hier. Das ist ja offensichtlich ein Sozialdemokrat. Das man die aufrechten Parteimitgliede r mit Rückgrat in dieser Art und Weise beschimpft, ist schon allerhand. Wo kommen wir denn hin, wenn man so etwas nicht mehr sagen darf? Würde mich nicht wundern wenn sich hinter Erich Ollenhauer eine SPD-Frau von ganz oben verbirgt.
Verräter?! Wenn Genossen eigenständig denken und das Parteivorgehen kritisieren sind Sie also gleich Verräter? Das wirft ein bezeichnendes Bild auf den Geisteszustand einiger Anhänger. Schon klar, das Kollektiv geht über alles, Abweichler haben zu schweigen... tolles Demokratieverst ändnis, weiter so!!
@Ollenhauer
Warum unterstellen Sie OP finanzielle Interessen? Ich kann hier keine Werbung entdecken (warum eigentlich nicht, würde mich nicht stören).
An wie vielen Printmedien ist die SPD doch nochmal direkt oder indirekt beteiligt? Natürlich vollkommen ohne Gewinnerzielung s- oder Meinungsbildung sabsicht...
eigenen Mitgliedern vorzugehen.
Aber woher soll auch bei einer SPD Schatzmeisterin betriebswirtsch aftliches Denken kommen,da sie selber nie in der freien Wirtschaft gearbeitet hat.
zunächst einmal möchte ich mich von Sprüchen wie "Verräter" oder sonstiger Beschimpfungen des Autors distanzieren. Ich schätze Herrn Plotke, wenn ich auch eine Debatte in den Parteigremien zunächst für das geeignete Mittel gehalten hätte. Schließlich ist die Darstellung der vom Parteivorstand( NRW) an den Ortsvereinen vorbei delegierten Beitragserhöhun g sachlich inkorrekt. Bereits im Sommer diesen Jahres wurde auf einer Ortsverein(OV)s vorsitzendenkon ferenz das mittlerweile viel diskutierte Vorhaben angesprochen und unterredet.(Fortsetzung unten)
Damit unterscheidet sich die Sozialdemokrati e ganz erheblich von einer Partei wie der FDP, die ja gerne auch mal Gesetze auf den Weg bringt um diese wichtige Säule ihrer Finanzierung nicht zu gefährden.
Zum Thema sparen besonders für "den Laien": In den letzten Jahren hat die NRWSPD ganz erheblich Personal eingespart.(Fortsetzung unten)
Solidarischer Beitrag: Die SPD hat sich im Sinne ihrer Grundwerte dazu entschieden einen solidarischen und freiwilligen Beitrag zu erheben. Wer viel Geld verdient muss also mehr zahlen, als jemand, der über weniger Einkommen verfügt. Nicht zuletzt besteht auch noch die Möglichkeit für Auszubildende, Studierende, Rentner o. Arbeitslose einen ermäßigten Beitrag von 2,50 € zu zahlen, der keineswegs die Verwaltungskost en für das Mitglied deckt. Dieser Umstand war allerdings nie Entscheidend, da es immer Anliegen war und noch ist, eben auch diejenigen an der politischen Willensbildung zu beteiligen, die nichts haben. (Fortsetzung unten)
Damit Sie nun nicht den Eindruck erhalten, dass ich als Funktionär der Jungsozialisten völlig unkritisch an das Vorgehen der eigenen Partei gehe noch einen letzten Kommentar(s. unten)
Frank Thon/stellvertretend er Vorsitzender der Jusos im Kreis Kleve
"Solidarische Beitragserhebun g" - nun, diesen Gedanken hätte ich mir bei einer SPD gewünscht als sie den Spitzensteuersa tz von 53% auf 42% runterbrachte und dafür unaufhörlich Kleinverdiener und Arbeitnehmer immer mehr belastete. Wo war da, wo ist da, die "Solidarität", geht diese auch mal über die eigene Parteikasse hinaus?!
Danke für Deine umfangreiche Kommentierung.
Vorweg: Von einer Liste, von der ich Mitglieder streichen konnte, ist mir nichts bekannt. Ich habe aber einen Brief an die Landes-SPD geschrieben und gebeten, den von mir kritisierten Brief nicht an Uedemer Mitglieder zu versenden. Ich weiß, dass auch Heinz Ermers das getan hat. Wirkung gleich null. Keine Reaktion, keine Antwort und der Brief wurde trotzdem verschickt.
So viel zu Deiner Kritik, man müsse doch erst versuchen, intern etwas zu regeln.
Wenn hier jemand schreiben würde, dass sich die SPD Drückermethoden bedienen würde, um an das Geld ihrer Mitglieder zu kommen, würde ich nicht widersprechen.
Es geht hier um eine moralische Frage: Ist jedes Mittel erlaubt, wenn man nur meint, einer guten Sache zu dienen?
Ich verwahre mich auch gegen die Unterstellung, ich wolle die Sozialdemokrati e "nach vorne bringen". Mein Engagement gilt den Menschen, nicht einer Ideologie.
Und schon gar keiner, die moralisches Handeln nur im Geiste, nicht im praktischen Tun beweist.
Natürlich ist es zunächst eine interne Angelegeheit der SPD,bei sinkenden Mitgliederzahle n zum Großteil auch Alters bedingt,schafft man durch diesen besonderen Stil, im Umgang mit Mitgliedern nicht die Basis um neue Genossen zu gewinnen.
Wer mit Summen im Millionenbereic h hantiert,sein Auto nicht selber betanken muß,dem zufolge auch keine Benzinrechnung selber bezahlen muß, verliert schon mal
den Überblick der Größenordnung.
Daher hier zur Auffrischung:
11,4 Millionen € Ausschüttung aus der Verlagsgesellsc haft an die SPD, 128 Mio Steuergelder zum Betrieb der Friedrich Ebert Stiftung durch 614 treue Parteigenossen zur Förderung des Politiker Nachwuchses, ja der formelle Sprachgebrauch lautet Studentenförder ung mit dem Zusatzangebot der ideellen Förderung.
auch ich Danke für Deine umfangreiche Kommentierung.
Gerne hätte ich früher und gezielter eingegriffen in den Gremien, denen ich angehören. Deshalb hat der OVV Kevelaer 2 Stunden nach Erhalt der Info (im November) reagiert. Deshalb auch die Besprechung im UB - Ausschuss, an der auch Du teilgenommen hast. Ich danke dort haben mehrere Ortsvereine deutlich gemacht, dass sie von einer frühen Beteiligung nichts erfahren haben. es war gut, dass wir dort mehr Info´s zum vorgehen bekommen haben, nur für mich der ich handeln musste zu spät. Übrigens hatte da ein Juso in der Debatte solidarisch verkündet:" Ich bekomme keinen Brief, dann brauche ich mich ja nicht ärgern."
Lg
H. Ermers
Es ist doch immer wieder faszinierend zu beobachten wie treue Vasallen die versuchen fertigzumachen die eine eigene Meinung haben. Das ist ja leider nicht gewünscht wie man an den Kommentaren von Herrn Thon und den anderen sehen kann.
Mein Eindruck ist schon lange das Frau Hendricks hier im Kreis die Basta-Politik praktiziert die sie von ihrem einstigen Chef Gerhard Schröder gelernt hat. Und wer aufmuckt bekommt einen drauf.
Aber Herr Thon denkt vielleicht auch nur an seine Zukunft. Mit diesem beherzten Eintreten für das dreiste Vorgehen der Partei hat er sich sicher für einen führenden und gut dotierten Posten empfohlen.
Natürlich haben Sie recht, dass manch anonymer Schreiber dies ausnutzt. Z.B. auch der vermutliche Genosse "Erich Ollenhauer".
Aber wie wäre es Ihrerseits mit einer Auseinandersetz ung mit den angeführten Gegenargumenten ? Gerade denen der unter ihrem Namen schreibenden Kommentatoren.
Auch mir drängte sich unmittelbar der Eindruck auf, dass da jemand (Sie) was für die eigene (partei)politis che Karriere tun wolle. Und zu jeder Zeit und in jedem System geschieht dies am leichtesten durch Opportunismus gegenüber "Mächtigen".
Aber wenn Sie von Ihrer Position aus inhaltlichen Gründen überzeugt sind, dürfte die argumentative Debatte ja kein Problem sein, oder?
1. bin ich sehr stark in ehrenamtliche Tätigkeit involviert,
2. bin ich kein Parteimitglied,
3.würde ich spätenstens nach den hier abzulesenden parteiinternen Reaktionen meine Gedanken an einen vielleicht, eventuell unter bestimmten Voraussetzungen in Zukunft oder später angedachten Parteibeitritt bis auf Weiteres in weite Fernen zurückstellen,
4.sollten die "Verräterschreie r"doch etwas intensiver über die Sprengwirkung solcher Äusserungen nach draussen reflektieren und ihre Wirkung in Richtung Stärkung der latent vorhandenen Parteien- und Politikverdross enmheit überprüfen.
"Kein Mensch hat die Absicht..." Mitgliederbeitr äge in Frage zu stellen. Vereine und Parteien sind darauf angewiesen.
Diskussionen über weitere Parteienfinanzi erungen interessieren mich nicht (mehr), das führt ja doch nicht weiter!!!!!!!
Das kann man auch als Desinteresse interpretieren. Aber derzeit gibts da wohl wichtigere Probleme zu lösen.
Was aber weiterführt in die Unanständigkeit ist die Art,wie hier eine "Vergesslichkeit "im Stil von fragwürdigen Marketingmethod en für Parteifinanzier ung benutzt wird!
Und da werden nicht nur Niederrheiner sauer, das geht auch anderen auf den Keks!
Auch mir. Ich mag absolut keine unsauberen Callcenter- oder Versicherungsme thoden
Moin!
Niemand spuckt Ihnen ins Gesicht. Es ist lobenswert das Sie sich engagieren.
Aber wenn Sie hier das Schreiben verteidigen wollen, dann wäre es schön wenn Sie sich auch mit dem Kern der Kritik auseinandersetz en würden. Das Schreiben können Sie doch nicht ernsthaft gut finden.
Ich hatte nichts anderes erwartet.