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Freitag 18 Mai 2012

EU-Hygiene-Verordnung „droht“ Tagespflegern

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Kreis Kleve. (5.02.2012) Im Sommer 2013 soll für jedes Kind ein U3-Beteuungsplatz eingerichtet sein - so will es zumindest der Gesetzgeber. Nordrhein-Westfalen wird dieses Ziel mit ziemlicher Sicherheit nicht erreichen. Tagesmütter und –väter entpuppen sich für Kommunen und Eltern als letzter Rettungsanker. Doch genau denen droht jetzt Ungemach durch eine EU-Verordnung für Lebensmittelhygiene aus dem Jahr 2004.

Im Kampf gegen Keime müssten die Tagespfleger in der Küche künftig Schutzkleidung tragen, Reinigungsprotokolle führen, Lebensmitteleinkäufe und die Versorgung der Kinder dokumentieren und mehrmals täglich die Temperatur im Kühlschrank kontrollieren. Zu den Dingen, die gnadenlos aus der Küche zu verbannen sind gehören Haustiere, Blumen, Gummistiefel und Spielsachen, während die Kinder im Nebel der Desinfektionsmittel auf blanken Fliesen sitzen, da Holzböden oder Teppiche ebenfalls nicht dem Reinheitsgebot entsprechen.

„Sollte die Verordnung auch für uns greifen, wird durch sie meilenweit über das Ziel hinausgeschossen“, sagt Tagesmutter Imke Becker. Ihren Arbeitsplatz, die eigenen vier Wände, sieht sie nicht auf einer Stufe mit Restaurants und Pflegeheimen. „Der Publikumsverkehr ist doch nicht vergleichbar. Zudem halte ich extreme Hygiene bei Kindern eh nicht für den richtigen Weg“, so die Reeserin. Es sei geradezu paradox, Kinder draußen im Dreck wühlen zu lassen, während wenige Meter weiter nicht einmal ein Pfannekuchen gebacken werden darf, denn: Auch die Verarbeitung von frischen Eiern wäre tabu.

Ebenfalls auf wenig Gegenliebe stößt bei Imke Becker die drohende Bürokratie. „Ich hatte gehofft, dem Ganzen als  Tagesmutter entkommen zu sein“, erinnert sich die gelernte Arzthelferin in ihrem vorherigen Beruf an einen ähnlichen Dokumentationswahn. Zusätzliche Zeit, die neben der bis zu zehnstündigen täglichen Pflege für ihre Schützlinge aufgewendet werden müsste.

Fördern, erziehen und bilden seien jedoch die eigentliche Aufgabe von Tagesmüttern und –vätern, von denen es nicht nur in Ress noch viel zu wenige gibt. „Ich denke, eine solch strenge Auslegung der Hygieneverordnung würde sehr abschreckend wirken“, prophezeit Imke Becker ein nachlassendes Interesse „an einer eigentlich tollen Aufgabe“.

 

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