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Freitag 18 Mai 2012

Bay weg, Peters weg: Kreis-Grüne mit neuer Spitze

E-Mail

Überraschung bei den Kreis Klever Grünen heute Abend in Uedem:  Der langjährige Vorsitzende Michael Bay erklärte, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Und seine langjährige Mitvorsitzende Anne Peters wurde dann auch noch zu Gunsten der praktisch unbekannten Birgitt Höhn aus Rees abgewählt. Auch die Wahl des ehemaligen Bundestagskandidaten Bruno Jöbkes zum gleichberechtigten Vorsitzenden änderte nichts daran, dass dieser Abend ein Desaster war und die Grünen im Kreis mittelfristig vermutlich schwächen wird.Einmal drücken: Michael Bay nahm seine abgewählte, langjährige Vorstandkollegin Anne Peters in den Arm.

„Wenn Politik keine Lust mehr bereitet, soll man aufhören“, begründete Michael Bay, warum er nicht erneut für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung stehe. Die Mitglieder hatten ihrem langjährigen Vorsitzenden keinen schönen Abschied bereitet. Mit Verweis auf Formalien gönnte man ihm nicht, seine vorbereitete Rede zu halten, sondern gestand ihm nur einige wenige Sätze zu. Bay bedankte sich bei seinen politischen Mitstreitern der letzten Jahre und ganz besonders beim Kreisgeschäftsführer Hermann Brendieck, der einst alles andere als ein politischer Freund war. „Aber Hermann hat das getan, was man tun sollte, hat mich angerufen und wir haben unsere Probleme geklärt“, erklärte Bay. „Heute ist Hermann einer, dem ich blind vertraue.“ Ein schöneres Kompliment kann man eigentlich nicht machen. Bay hatte dabei Tränen in den Augen und drückte Hermann Brendieck zum Abschied. Im Amt zu Freunden geworden: Hermann Brendieck und Michael Bay

Für Anne Peters war der Abend vermutlich noch bitterer als für Bay: Trotz einer beeindruckenden Bilanz sägten die Mitglieder ihre langjährige Vorsitzende gnadenlos ab. Mit 23 zu 27 Stimmen unterlag sie der praktisch unbekannten Birgitt Höhn aus Rees. Die bekam ihre Wahl zuerst kaum mit, weil sie ständig mit ihrem Mobiltelefon beschäftigt war.

Nachfolger von Michael Bay wurde der ehemalige Bundestagskandidat Bruno Jöbkes. Zumindest er erhielt ein beeindruckendes Ergebnis: Die Mitglieder wählten ihn einstimmig zu ihrem neuen Chef.

Als weitere Vorstandsmitglieder gewählt wurden Herbert Schramm aus Rees als Kassierer sowie die Beisitzer Yvonne Stalder aus Goch, Hermann Brendieck aus Goch und Bärbel van Dornick aus Geldern.

Zum Ende der Sitzung wurde die versammelte Presse übrigens der Veranstaltung verwiesen. Die Grünen wollten unbedingt noch einmal die Auseinandersetzung um den Klever Grünen Friedrich Foerster diskutieren. Allerdings nicht öffentlich. Der Klever Fraktionsvorsitzende Siegbert Garisch hatte noch einmal versucht, die Diskussion (die er ja selbst angestoßen hatte) nicht zu führen. „Ich sehe nicht ein, hier die Empfindlichkeiten eines einzelnen Mitglieds zu thematisieren“, sagte Siegbert Garisch. „Vor allem, weil dort mittlerweile auch rechtliche Verfahren laufen und ich deswegen gar nichts zu dieser Thematik sagen werde.“ Doch die Mitglieder wollten diskutieren und beschlossen, am Ende der Versammlung nicht-öffentlich über die Foerster-Diskussion zu sprechen. Garisch verließ die Versammlung dann auch noch vor dem Ende der Vorstandswahlen.

Was bei dieser geheimen Aussprache gesagt wurde, wird sicherlich alsbald an dieser Stelle veröffentlicht werden.

Olaf Plotke, 18. Mai 2011

PS: Lesen Sie sich auch den Notiz-Blog zur Mitgliederversammlung der Kreis-Grünen in Uedem.Der neue Kreisvorstand der Grünen: (v.l.) Herbert Schramm, Hermann Brendieck, Birgitt Höhn, Bruno Jöbkes, Bärbel van Dornick, Yvonne Stalder.

 

Kommentare 

 
#1 Frank Thon 18.05.2011 22:28
Eine Partei mit kreisweit 50 aktiven Mitgliedern, die öffentliche Auseinandersetz ungen führt, deren Ausmaße in großen Zügen erschreckend sind! Weit entfernt scheinen mir die hippen Grünen vom oft angedichteten Weg zur Volkspartei. Eine Atmosphäre in der jederman und jederfrau unabhängig von Status und Oberflächlichke iten die Möglichkeit zur freien Entfaltung hat scheint mir hier nicht vorhanden zu sein. Die viel gescholtene Politikerverdro ssenheit scheint mir persönlich durch die nicht nur medial breit getretenen Ereignisse innerhalb des Grünen Kreisverbandes nur noch weiter zementiert zu werden. Der Auftrag als Partei im Auftrag der Bürgerinnen und Bürger aktiv für die Demokratie zu werben und auch in schwierigen Zeiten einzustehen ist offensichtlich völlig in Vergessenheit geraten.
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#2 Bernd Derksen 18.05.2011 23:12
> Zum Ende der Sitzung wurde die versammelte Presse übrigens der Veranstaltung verwiesen. >

Wobei zu diesem Zeitpunkt keine Presse mehr vor Ort war...

Einige Bewertungen des Artikels teile ich nicht. Z.B. die des "Desasters".
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#3 Jens-Uwe Habedank 19.05.2011 06:48
@ Frank Thon: Warum sollte eine Partei, ein Kreisverband nicht öffentliche Auseinandersetz ungen führen? Gerade Kungeleien in Hinterzimmern etc. schreckt doch die Leute ab von Teilnahme, demotiviert! Wer Friede-Freude-Eierkuchen-Shows will kann ja den Fernseher einschalten...Für die Demokratie kann nur werben, wer auch ehrlich ist und sich an innerparteilich er Demokratie beteiligt.
Im übrigen - Nur weil man versucht die Öffentlichkeit zu verhindern, wird die Causa DuschDas-Garisch nicht besser. Hier kann Öffentlichkeit sogar derartige "Politik" verständlich machen...

Wenn Bay, und die ihm stets zustimmende und gewährende Frau Peters, nun nicht mehr am Ruder sind - ist das eine Chance für den Kreisverband dem Etikett "Grün" wieder mehr authentischen Inhalt zu geben. Siehe Flughafen Niederrhein oder Schuldiskussion in Kleve...
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#4 Wim Heuvens 19.05.2011 07:21
Basisdemokratis ch heißt natürlich, auch mit harten Bandagen zu kämpfen, trotzdem ist die Partei auf dem Weg zur Volkspartei.
Hauptsache, Hermann Brendieck macht weiter, ein durchaus ehrliches Urgestein grüner Politik.
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#5 Jörg Lorenz 19.05.2011 13:42
Armer Hermann Brendieck. Nun auch noch Lob aus der falschen Ecke. Demnächst weird er noch in einem Atemzug mit Theo B. aus K. genannt.....
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#6 Thomas Velten 19.05.2011 16:30
Lieber Olaf,
man merkt, dass du den Beitrag noch in der Nacht (wahrscheinlich etwas übermüdet)zusam mengeschustert hast.

Was soll der Quatsch von der "Schwächung" der Grünen? Ich lamentiere doch auch nicht vom "Ende" der SPD, wenn bei den "Roten" mal jemand nicht mehr für ein Vorstandsamt antritt oder ein Kandidat gegen einen anderen verliert! Anne Peters und Michael Bay sind weiterhin an führenden Positionen bei den Grünen aktiv. Sei es im Rat, im Kreistag, im Landschaftsverb and, im Städte- und Gemeindebund, im Förderverin der Hochschule usw.

Und zu Friedrich Foerster: Da wurde nicht langatmig "diskutiert". Und schon gar nicht kontrovers. Es gab lediglich einen Bericht des Kreisvorstandes und des Ortverbandsvors tandes aus Kleve. Ein paar kurze zustimmende Statements - das war´s.
Selbst Friedrich Foerster gab sich friedlich.
Also keine "Geheimnisse" und auch nichts für Voyeuristen ...
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#7 Wim Heuvens 19.05.2011 16:32
@ Jörg Lorenz

Neid ist ein schlechter Politikbegleite r, gerade die "Sozialdemokrate n" sollten als Verursacher großer Armut (auch Kinderarmut) durch die Agenda 2010 und Hartz IV zurückhaltend sein. Als Neoliberale hat die SPD ihre Glaubwürdigkeit verloren, eine Partei der Arbeitnehmer und der Bedürftigen zu sein.
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#8 Bernd Derksen 19.05.2011 17:42
@Thomas Velten
>Was soll der Quatsch von der "Schwächung" der Grünen? >

Peters wie Bay sind innerparteilich "geschwächt". Aber das sind normale demokratische Prozesse.
Der Einfluss von Personen in demokratischen Organisationen verändert sich laufend. Mal als Wille der- oder desjenigen selbst, mal mittels Abstimmungen o.ä..
Für die Partei muss das sicherlich keine Schwächung bedeuten, sondern kann auch das Gegenteil bewirken.

Ich persönlich sehe die Kreisgrünen gestärkt.
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#9 Bernd Derksen 19.05.2011 17:45
@Thomas Velten
>Und zu Friedrich Foerster: Da wurde nicht langatmig "diskutiert". Und schon gar nicht kontrovers. >

Davon gehe ich aus.

(War's nicht nicht-öffentlich? ;-) )

Aber wie wäre diese Diskussion wohl verlaufen, wenn sie nicht um elf sondern drei Stunden früher stattgefunden hätte?

Wer hätte von den noch anwesenden Grünen zu diesem Zeitpunkt noch ein großes Interesse an einer ausführlichen Meinungsbildung über die unterschiedlich en Sichtweisen haben sollen?
Erst recht nach den "Klärungen" durch die Neuwahlen?

:::
Nebenbei, nur zur Klarstellung: Halten Sie die Beobachtung politischer Prozesse (d.h. demokratischer Transparenz), z.B. durch Medien, für voyeuristisch?
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#10 Friedrich Foerster 19.05.2011 18:00
Durch die Wahl der Reeser Stadtverordnete n und Parteitags-Delegierten Birgitt Höhn zur Sprecherin und durch die Wahl des Bundestags-Kandidaten Bruno Jöbkes zum Sprecher ist der bundes-grüne Kreisverband mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichk eit deutlich gestärkt und keineswegs geschwächt worden.
Michael Bay war immerhin klug genug, nicht mehr zu kandidieren, und ist damit vielleicht einer denkbaren Abwahl zuvorgekommen.
Zu Anne Peters gab es diesmal eine überzeugende Alternativ-Kandidatur, deren Erfolg alles andere als überraschend war.
Wenn Michael Bay seine "Abschiedsrede" als politischen Rechenschafts-Bericht vorgetragen hätte, wie es angemessen gewesen wäre, dann hätte er sie bestimmt vollständig und ungestört vortragen können. Aber eine ungefähr sechs eng getippte Seiten lange Rede als Gründe dafür, warum er NICHT mehr antritt, vortragen zu wollen, das hätte auch jede andere Partei wohl kaum zugelassen.
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