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Von Michael Terhoeven

Die Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab. 1.400 kommen derzeit Tag für Tag nach Nordrhein-Westfalen. Die Erstaufnahmeeinrichtungen sind längst hoffnungslos überlaufen. Im ganzen Land wurden und werden Sporthallen umfunktioniert, zum Teil sogar Zeltstädte errichtet, um den Asylsuchenden eine Unterkunft bieten zu können.  Kurzum: Es herrscht der Ausnahmezustand. Obwohl im Kreisgebiet bereits eine Erstaufnahmeeinrichtung in Rees (150 Personen) und eine Notunterkunft in Weeze (250) eingerichtet wurden, war es nur eine Frage der Zeit, bis den Kreis Kleve ein Hilferuf erreichen würde. Und man muss keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen um vorauszusagen, dass weitere folgen werden. Also aufgepasst Emmerich, Goch oder Bedburg-Hau. Wirklich überrascht wird in der Klever Verwaltung niemand gewesen sein, als das Telefon klingelte. Von der Dringlichkeit und der Kürze der Vorbereitungszeit hingegen schon. Die Stadt hätte die Bitte um Amtshilfe durchaus ablehnen können. Hat sie aber nicht. Und das war ebenso gut wie richtig. Denn auch in Zeiten knapper Kassen, ungeklärter Finanzierungsfragen und personeller Engpässe muss die Menschlichkeit in der Entscheidungsfindung an erster Stelle stehen. Erst recht wenn es um Menschen geht, die alles verloren und sogar ihre Heimat aufgegeben haben.

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Von Olaf Plotke

Wir Menschen können zwar Jahrzehnte im voraus berechnen, wann wir die Sonde „New Horizons“ starten müssen, damit sie den Pluto in 5 Milliarden Kilometer Entfernung erreicht, bevor die Atmosphäre des Zwergplaneten ausfriert. Was wir aber nicht können: Eine Straßenbaumaßnahme in der prognostizierten Zeit abschließen. Die Anwohner und Geschäftsleute auf der Briener  Straße in Kleve leben seit mehr als einem Jahr auf einer Baustelle. Der Zeitplan ist längst heillos überschritten und selbst der Tiefbauamtsleiter der Stadt Kleve will keinen Termin mehr für den Abschluss der Arbeiten nennen. Dass es an der Briener Straße überhaupt noch Geschäfte gibt, grenzt beinahe an ein Wunder. Mittlerweile ist man zwar im letzten Bauabschnitt angekommen, aber was heißt das schon. Da muss wieder nur irgendein olles Fundament im Boden auftauchen und schon verzögert sich wieder alles um Wochen und Monate.
Auf dem Pluto können wir nun schon das Alter einer Eisfläche auf 100 Millionen Jahre datieren. Was unter dem nächsten Stein an der Briener Straße auf die Anwohner wartet, wissen wir nicht.
Eins aber wissen wir: Irgendwann ist auch diese Baumaßnahme fertig. Wann? Das kann keiner so genau sagen. Dafür wissen wir aber, dass die Sonde New Horizons im Jahr 2047 die Heliopause erreicht, wo alle Einwirkung  unserer Sonne endet. Toll.

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Von Olaf Plotke

Die bisherigen Wahlkampf-Versuche der Klever Bürgermeister-Kandidaten Udo Janssen (CDU) und Dr. Artur Leenders (Grüne) wurden jeweils von einem so lauten und abstoßenden innerparteilichen Gezänk und teilweise anschließenden Rücktritten wichtiger Parteimitglieder (u.a. Manfred Palmen, Gudrun Hütten) begleitet, dass es für beide vermutlich am besten ist, wenn sie künftig einfach keinen Wahlkampf mehr machen. Dann tritt auch nicht mehr zutage, wie gespalten die eigenen Parteien in Wirklichkeit sind und wie sehr sie mit ihren Kandidaten hadern. Vielleicht ist es deswegen ja so muchsmäuschenstill geworden um Leenders und Janssen. Ganz anders dagegen die parteilose Verwaltungsexpertin Sonja Northing: Das Bündnis aus SPD, FDP und Offenen Klevern steht geschlossen hinter ihr und zusammen geht man so demonstrativ gut gelaunt in den Wahlkampf, dass Janssen und Leenders vermutlich vor Neid platzen. Dass Sonja Northing es überhaupt geschafft hat, diese drei doch sehr unterschiedlichen und sich teilweise spinnefeind seienden Parteien in ihrer Kandidatur zu einen, zeigt schon, dass diese Frau über die menschliche Qualität verfügt, die eine Bürgermeisterin braucht: Sie bringt die Menschen zusammen und nicht gegen sich auf.

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Von Olaf Plotke

Sie sind beseelt von der Idee, dass es bald im ganzen Kreis Kleve einen freien und kostenlosen Zugang für alle Bürger und Besucher der Städte gibt: Der Verein Freifunk hat ein System entwickelt, wie Städte diesen Traum kostengünstig realisieren können, der natürlich auch ein echter Standortvorteil ist. Es sind vor allem die beiden Kreistagsmitglieder Tim Reuter (Piraten) und David Krystof (Grüne), die diese Idee im Kreis Kleve nach vorne bringen. Dabei geht es ihnen nicht um Werbung für ihre Parteien. Sie betonen Journalisten gegenüber stets, dass sie doch bitte die Parteizugehörigkeit bei Berichten weglassen sollen. Sie sehen in einem kostenlosen, freien Internet ein Mittel, um den Zugang zu Wissen auch denen zu ermöglichen, die sich keinen Internetanschluss leisten können. Dass Emmerich bald ein freies Internet in der Innenstadt hat, ist vor allem dem Engagement dieser beiden jungen Leute zu verdanken. Dass Bürgermeister Johannes Diks sich auf der Blitz-Pressekonferenz lieber selbst als der große Macher inszeniert (Artikel unten), ist wahltaktisch vielleicht clever gedacht. Dass er die Freifunker erst gar nicht zur Pressekonferenz einlud und auch die Initiative der Emmericher Grünen zu Freifunk unerwähnt ließ, zeigt allerdings, dass es ihm an der überparteilichen Größe gebricht, die ein Bürgermeister haben sollte.

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Von Michael Terhoeven

Es ist eine Zahl, die einen ungläubig mit dem Kopf schütteln lässt. 2014 starben in Deutschland 392 Menschen durch Ertrinken. Und auch in diesem Jahr reißen die Meldungen von Badeunfällen mit tödlichem Ausgang nicht ab. In Emmerich ertrank zuletzt ein Mann in einem Baggersee. Es ist eine Entwicklung vor der Schwimmmeister und Rettungsschwimmer auch im Kreis Kleve schon seit Jahren warnen. Längst nicht mehr alle Kommunen sind mit einem Schwimmbad „gesegnet“. Die wenigen freien Hallenzeiten müssen unter zahlreichen Interessenten aufgeteilt werden. Viele Kinder kommen, wenn überhaupt, nur noch ein Schuljahr lang in den Genuss von Schwimmunterricht. Eine ordentliche Schwimmtechnik ist in dieser kurzen Zeit kaum zu vermitteln. Vielen Kindern gelingt es gerade so, sich über Wasser zu halten. Das reicht zum Planschen aus, nicht aber, um in Stresssituationen das nackte Leben retten zu können. Das Problem: Wenn Kinder nicht in der Schule schwimmen lernen, dann lernen sie es womöglich überhaupt nicht mehr. Umso mehr sind Eltern in der Pflicht, sich um den Nachwuchs zu kümmern, ihm „Nachhilfe“ zu geben. Schwimmen lernen ist nämlich genauso wichtig wie Deutsch oder Mathe... allerdings mit dem Unterschied, das es einem das Leben retten kann.

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Von Olaf Plotke

Wirtschaftsförderer und Politiker schwätzen ständig davon, wie nötig eine Attraktivierung der Innenstadt sei. Und dann sowas: Jo Mies hatte vor seinem Modegeschäft „haha heartwear“ in der Herzogstraße in Kleve eine Art Strandoase mit Sand und Strandliegen aufgebaut. Ein echter Hingucker. Seit Dienstag ist die Strand-Oase geräumt. Das Ordnungsamt rückte aus und ordnete die Entfernung an. Denn in Kleve gilt eine Gestaltungsrichtlinie und dagegen verstieß die Strand-Oase. Laut „Zielsetzung“ soll die Richtlinie das Einkaufserlebnis in Kleve befördern und die „Gleichförmigkeit“ der Innenstadt verhindern. Das soll durch „eine dezente, zurückhaltende Gestaltung der privaten Möblierungselemente im öffentlichen Raum“ erreicht werden. Auf 16 Seiten wird genau vorgeschrieben wie viel Warenauslagen, welche Werbeständer erlaubt sind, wie groß eine Markise sein darf usw. usw.  Die Richtlinie befördert am Ende den Einheitsbrei, den sie doch eigentlich verhindern wollte, wenn sie sogar vorgibt, aus welchen Materialien Pflanzentöpfe und Warenständer sein sollen. Hier waren Bürokraten am Werk, die Einheitlichkeit mit Attraktivität verwechselt haben. Wenn die Richtlinie bewirkt, dass kreative Ideen zunichte gemacht werden, dann gehört sie entweder abgeschafft oder die Gestaltungsrichtlinie braucht Gestaltungsspielraum.