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Von Olaf Plotke

Haben die Proteste um Stuttgart 21 vielen Bürgern Mut gemacht, für ihre Überzeugungen „auf die Straße zu gehen“? Es ist zumindest erstaunlich, dass sich sogar in Kalkar schon eine Bürgerbewegung formiert hat, die für das alte Gesicht des dortigen Marktplatzes eintritt und Unterschriften sammelt. Sie befürchtet, dass das neue Beleuchtungskonzept und die neuen Parkpoller den Charakter des Platzes zerstören. In Bedburg-Hau fordert indes die FDP, die Bürger auch an der Diskussion um die Zukunft des Hallenbades zu beteiligen. Ein echtes Großprojekt steht zukünftig in Emmerich an. Hier soll auf dem Neumarkt ein Einkaufszentrum oder eine Kombination aus Handel und Wohnen entstehen. Die Politik ist gut beraten, hier schon frühzeitig auf Bürgerbeteiligung zu setzen. Denn besonders das Einkaufszentrums-Projekt mit seinem starken Flächenzuwachs wird den heimischen Händlern Angst machen. Vielleicht war Stuttgart 21 das Signal an die Politik, dass die Zeit der einsamen Ratsentscheidungen vorbei ist. Im Ratssaal können sich Bürger praktisch kaum einbringen. Auf der Straße kann man sie jedoch nicht übersehen. Für die Politik ergibt sich aber natürlich das Problem, wobei und ab wann die Bürger informiert und befragt werden sollen, bevor der Rat entscheidet. Wer hätte schon vorher gedacht, dass die Beleuchtung des Marktplatzes in Kalkar die Bürger mobilisieren würde?

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Von Olaf Plotke

Die nächste Woche wird spannend für den FC Kleve. Direkt zu Beginn steht ein erstes Endspiel für den Verein an. Dann soll dem Finanzkontrolleur „thp“ das neue Finanzkonzept des Vereins präsentiert werden. Die große Hoffnung des angeschlagenen Vereins ist, dass „thp“ einen Haken daran macht und damit bestätigt, dass die finanzielle Situation des FC Kleve solide und der Spielbetrieb bis zum Ende des Saison sichergestellt ist. Der Verein ist überzeugt, dass er damit dann nicht nur die Rückzahlungsforderung der Stadt über 650.000 Euro abgewen det, sondern im Gegenteil die Voraussetzungen für die Auszahlung der Raten 2 und 3 über noch mal rund 600.000 Euro geschaffen hätte. Das wäre dann Endspiel Nummer zwei. Mut wird dem Verein machen, dass CDU und SPD bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert haben. Dass er bei den Grünen weniger Glück haben wird, weiß der FC Kleve. Deren ablehnende Haltung ist wohl zementiert. Und auch viele Bürger sind mittlerweile für eine knallharte Linie gegenüber dem Verein. Wenn das Finanzkonzept so solide ist wie der Verein hofft, dann wird der Kampf um die verloren gegangenen Sympathien das schwierigste Endspiel werden.

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Von Olaf Plotke

Über den Existenzkampf des FC Kleve könnte man ein Buch schreiben. Die Geschichte hat alles, was ein Wirtschaftsthriller braucht: ein Unternehmen am Abgrund, die Steuerfahndung, Politiker, sehr reiche Menschen und allerlei Sonderbarkeiten, die die Geschichte undurchsichtig machen. Da ist ein hoch verschuldeter Verein, der seine Zukunft davon abhängig macht, dass ihm die Stadt das Stadiongrundstück in Erbpacht überlässt, um eine Sicherheit für die Bank zu haben. Ohne dieses Erbpachtgrundstück drohe die Insolvenz. Wie aber kann ein Fußballstadion eine Sicherheit für eine Bank darstellen? Abreißen und Einfamilienhäuser auf das Grundstück bauen geht nicht. Nur eine buchhalterische Nummer? Das haben auch die Ratspolitiker nicht verstanden. Aber jetzt plötzlich braucht der Verein das Grundstück doch nicht, weil viele reiche Menschen auf einmal ihre Portemonnaies für den Verein aufgemacht haben. Und welche Rolle spielt eigentlich die Steuerfahndung? Ist doch seltsam, dass kurz vor einem entscheidenden Treffen der Fraktionsvorsitzenden und der Stadtspitze eine Mitteilung bekannt wird, nach der der Verein über eine halbe Million Euro an das Finanzamt zurückzahlen soll. Seltsam gutes Timing. Wie wir jetzt wissen, wird die Geschichte fortgeschrieben. Der FC Kleve sorgt weiter für Spannung und Emotionen. Leider vor allem abseits des Spielfelds.

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Von Olaf Plotke

Den härtesten Kampf trägt der FC Kleve derzeit nicht auf dem Fußballplatz, sondern in Sitzungszimmern mit den Ratsfraktionen aus. Es geht um nicht weniger als die Existenz des Vereins. Denn der hoch verschuldete Klub bekommt nur dann noch Geld von der Bank, wenn er denen eine Sicherheit bietet. Und die soll nun die Stadt Kleve beitragen, indem sie dem Verein das Erbbaurecht für das Stadiongrundstück überlässt.  Gerettet wäre der Verein damit nicht. Er hätte nur etwas Luft gewonnen. Der Existenzkampf für den tief in den Miesen steckenden Verein ginge weiter. Aber die Stadtvertreter könnten  auch wieder mit dem FC mitfiebern, denn geht der „über die Wupper“ ist das Grundstück für die nächsten 50 Jahre in den Händen der Bank. Für die sicher kein schlechtes Geschäft.  Würde es sich hier nicht um einen Fußballverein handeln, sondern um ein Kunst-Museum, wäre die Sache vermutlich längst „geritzt“. Aber ob die Ratsmitglieder große Fußball- und speziell FC Kleve-Fans sind, darf bezweifelt werden.  Genauso wie die Aussage von FC-Sprecher Frank Wöbbeking im Kurier-Interview (Seite 2), dass der Verein „erhebliche Werbewirksamkeit“ für Kleve habe. Aber ist es gute Werbung für Kleve, wenn in der NRW-Liga der „Rote Zahlen“-FC auf RW-„Insolvenz“ Essen trifft?

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Von Olaf Plotke

Kochen Sie auch gerne? Dann freuen Sie sich sicher, am Niederrhein zu leben. Denn wir haben es leicht, gute Produkte zu kaufen und saisonal zu kochen. Der nächste Bauernladen ist nur wenige Minuten entfernt. Die Auswahl ist riesig und unsere Bauern pfiffig, wie z.B. auch Johannes Hesseling beweist, der die Süßkartoffel bei uns heimisch machen will (siehe unten).  Kochen ist in und längst nicht mehr nur Frauensache. Aber der Koch-Boom täuscht darüber hinweg, dass sich hier eine 2-Klassen-Kochgesellschaft gebildet hat. Da gibt es die passionierten Hobbyköche und es gibt eine immer größere Masse, die überhaupt nicht mehr kocht, weil sie es gar nicht mehr kann. Der Mitarbeiter eines Tafelladens berichtete mir, dass er Kunden habe, die nicht wüssten, wie sie Würstchen im Kochtopf warm machen sollten. Was so jemand isst? Fertiggerichte, die mit Hilfe der Mikrowelle und des Backofens warm gemacht werden. Einzelfälle? Leider nicht. Das Café Konkret in Uedem wird nun sogar einen Kochkurs starten, bei dem den Teilnehmern beigebracht wird, wie man mit Pfannen und Töpfen umgeht.  Gut, dass jemand das Problem anpackt.  Die gesellschaftliche Trennlinie wird nicht erst in der Schule gezogen, sondern schon in der Küche und beim Einkauf.  Zeig´ mir, welche Lebensmittel Du kaufst und ich sage Dir wer Du bist. Traurig.

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Von Olaf Plotke

In Deutschland gibt es für jeden Quatsch Gesetze, Vorschriften und Regeln. Natürlich auch für einen verkaufsoffenen Sonntag wie den in Kleve. Man könnte ja meinen, dass die Geschäfte am Sonntag einfach morgens um 9 Uhr öffnen und abends um 18 Uhr wieder schließen. Denkste. Wir sind doch in Deutschland! Laut Gesetz dürfen Geschäfte an einem verkaufsoffenen Sonntag fünf Stunden geöffnet haben. Warum? Das steht halt so im Gesetz. Also machen die Klever Händler am Sonntag von 13 bis 18 Uhr auf, weil sie das für die beste Zeit halten. Die Antiquariate mit ihren Ständen in der Herzogstraße dürfen aber schon ab 11 Uhr verkaufen. Das heißt: alte Bücher darf man schon zwei Stunden vor neuen kaufen.  Warum das so ist? Weil für Bücherstände andere Vorschriften gelten als für Buchhandlungen. Dass die nicht schon um 9 Uhr verkaufen dürfen hat mit den Kirchen zu tun: Man nimmt Rücksicht auf den Gottesdienst. Vermutlich hat man Angst, ein Büchertisch könnte interessanter sein als ein Gottesdienst.  Es wird noch verrückter: Denn die Bäckereien können Sonntag in Kleve den ganzen Tag geöffnet haben. Sie dürfen ohnehin sonntags fünf Stunden lang geöffnet haben. Kombiniert mit dem verkaufsoffenen Sonntag kommen sie also auf 10 Stunden.  Gesetze und Vorschriften sorgen für Recht und Ordnung? Ne, ist klar…