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Von Michael Terhoeven

Licht aus, Spot an. Auftritt Piratenpartei. Plötzlich stehen die Polit-Freibeuter im grellen Scheinwerferlicht, werden durchleuchtet und aufgrund ihres unkonventionellen, gelegentlich naiv wirkenden Auftretens zum verbalen Abschuss freigegeben. Doch: Sind die Piraten tatsächlich die von manch namhafter Konkurrenz prophezeite Luftnummer? Bei einer solchen Weissagung ist Vorsicht geboten. Man erinnere sich nur an die Grünen, die vor rund 30 Jahren ähnlich belächelt wurden und mittlerweile kurz davor stehen, zur dritten Volkspartei aufzusteigen. Geschichte, die sich durchaus wiederholen könnte – im Großen wie im Kleinen, also auch im Kreis Kleve. Das Berliner Wahlergebnis strahlt aus, lässt die Piraten am pechschwarzen Niederrhein hart am Wind segeln. Das Interesse an den Themen der noch junge Partei wurde geweckt. Regelmäßig trudeln in der Kreis Klever Parteizentrale Anfragen über das Wie und Wo ein (Siehe Artikel Seite 3). Die Zahl der Mitglieder dürfte sich in naher Zukunft verdoppeln oder verdreifachen. Eine Entwicklung, deren Ergebnis bei der Kommunalwahl 2014 zu sehen sein dürfte, denn das Ziel ist klar: Die Piratenpartei möchte mehr sein als Kult. Und mit lokalen Themen, die die Bevölkerung beschäftigen, und der Idee einer öffentlicheren Politik, die auch dem „kleinen Mann“ Einblicke liefert, ist das keine Utopie.



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Von Olaf Plotke

Es sollen mit die besten Anwälte gewesen sein, die vor mehr als 20 Jahren den Vertrag über die Stiftung Museum Schloss Moyland aufsetzten. Heute scheint es so, als wäre ihnen ein Anfängerfehler unterlaufen, der jetzt die Gründung der gesamten Stiftung in Frage stellt (siehe Artikel rechts). Die Sammlung van der Grinten wurde angeblich so schlampig katalogisiert, dass nicht mal die Beuys-Werke korrekt aufgeführt wurden, die zur Sammlung gehören. So dass die Stifter nun einfach behaupten können, dass ein Großteil der Werke im Schloss nicht zur Sammlung gehört. Vielleicht schreckte man damals davor zurück, die angeblich 60.000 Kunstwerke alle aufzulisten. Vielleicht war man aber auch einfach nur zu blöd. Blödheit über die sich die van der Grinten-Kinder freuen könnten. Allein die Beuys-Werke haben angeblich einen Marktwert von 500 Millionen Euro. Was würden Sie tun, wenn Ihre Eltern so ein sagenhaftes Vermögen verschenkt hätten und Sie nun statt des riesigen Erbes lediglich ein paar tausend Euro quasi als „Dankeschön“ pro Jahr vom Land NRW erhalten, sich aber plötzlich die Möglichkeit ergibt, doch wieder an das Vermögen ranzukommen? Also zumindest würden Sie doch versuchen, die jährliche „Dankeschön“-Überweisung deutlich nach oben zu korrigieren.

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Von Michael Terhoeven

Der Entscheidung gegen die große, wirtschaftlich weitaus interessantere Lösung rund ums Haffener Meer (mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Seite 3) fiel schnell und ohne Getöse. Vor nicht einmal zehn Jahren wäre eine solche Reaktion undenkbar gewesen. Beispiele dafür, dass millionenschwere Projekte dem Naturschutz zum Opfer fielen, waren „damals“ groß in Mode, jedoch alles andere als populär. Unüberhörbares Geschrei und jämmerliches Wehklagen waren an der Tagesordnung, wenn seltene Fledermäuse, Hamster oder Mücken bauliche Großprojekte zerbröseln ließen. Viel Zeit und noch mehr Geld wurden aufgewendet, um von Gerichten klären zu lassen was mehr zählt: der Schutz von Flora und Fauna oder die Schaffung von Arbeitsplätzen. Und jetzt? Der grüne Gedanke scheint auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten seinen Platz im ökologischen Gewissen gefunden zu haben. Der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers benutzte in der Pressekonferenz zwar Worte wie „Ernüchterung“ und „Enttäuschung“, ansonsten wurden die zwei gerade einmal fingerlangen Fischarten jedoch als gegeben hingenommen. Ein Zeichen von Schwäche? Keineswegs, sondern vielmehr konsequentes Handeln nach den Grundsätzen einer Gesellschaft, die den Umweltgedanken gesucht und gefunden hat.


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Von Olaf Plotke

Was Kulturministerin Ute Schäfer niedlich als „Lösung der Sammlung aus der Umarmung der Sammler“ formulierte, könnte man auch als Vertreibung der Brüder van der Grinten aus Moyland beschreiben. Wer am Wochenende (bei freiem Eintritt) die neue Präsentation im Schloss Moyland besichtigt, muss sich auf „was“ gefasst machen: Die Ausstellung sagt m. E. vor allem eins: Wir sind jetzt ein Museum für die Kunst-Elite! Die Zeiten des Sammler- und Volksmuseums, in dem auch Panikrocker Udo Lindenberg ausstellen konnte, sind ein für allemal vorbei. Dass Sammler Franz-Joseph van der Grinten und die Witwe seines Bruders Hans, Marcella van der Grinten, der Wiedereröffnung fernblieben, kann man wohl als deutliches Zeichen werten. Den Brüdern van der Grinten war immer wichtig, dass Moyland ein Erlebnis für alle Menschen ist, nicht nur für eine Elite. Ganz im Sinne von Joseph Beuys eben, der auch immer nah am Menschen war, der Kunst für jeden machen wollte. Wenn die neue Schlossherrin Dr. Bettina Paust heute auf die Frage nach Besucherzahlen antwortet „Zahlen interessieren mich nicht.“, dann kann man das wohl so verstehen: Ob es den Menschen gefällt, ist mir egal. Es ist ein neuer Geist ins Schloss Moyland eingezogen. Traurig.



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Von Olaf Plotke

Donnerstagnacht um 21.02 Uhr wurden wir ziemlich deutlich daran erinnert, dass die Natur unberechenbar ist. Das Erdbeben am Niederrhein kam ohne Vorwarnung, kein Experte hatte zuvor etwas Ähnliches vorausgesagt. Soweit man weiß, ist es wohl glücklicherweise zu keinen größeren Schäden gekommen. Trotzdem waren auch Stunden später noch viele Bürger geschockt. Nach der Erdbebenkatastrophe in Japan haben wir immer wieder gehört, dass Deutschland kein Erdbebengebiet sei. Seit Donnerstagnacht wissen wir, dass das so nicht stimmt. Es war zwar „nur“ ein Beben der Stärke 4,6, aber sollte man das deswegen auf die leichte Schulter nehmen? Was, wenn das Beben nicht nur 5 Sekunden, sondern länger gedauert hätte? Man fühlt sich hilflos gegenüber dieser Macht der Natur. Dieses Grollen, das da aus dem Erdreich anhub und immer lauter wurde, klang am Ende wie sich entladender Zorn. Und das Gefühl, dass die Erde keinen sicheren Halt mehr bietet, war für mich verstörend. Vielleicht klingt das jetzt übertrieben, aber als alles vorüber war, fielen mir die Worte von Politikern ein, dass Deutschland kein Erdbebengebiet sei. Und da war ich doch ganz froh, dass der „Schnelle Brüter“ in Kalkar heute ein Freizeitpark ist.

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Von Michael Terhoeven

Es knirscht im Gesundheitssystem. Das ist nichts Neues, geistern in unschöner Regelmäßigkeit doch immer wieder neue Schreckensmeldungen und –szenarien durch die Medien.  Wie groß muss eigentlich die Frustration sein, damit ein niedergelassener Arzt seine Praxis aufgibt und lieber im Krankenhaus arbeitet - bei niedrigerem Gehalt und schlechteren Arbeitszeiten (siehe Artikel rechts)? Die kurze und knappe Antwort: gewaltig!  Die Reaktion von Thomas Pietsch, nach über 20 Jahren seine Zelte in Uedem abzubrechen, ist da nur konsequent… wenn auch für seine Patienten schwer nachvollziehbar. Für sie heißt es nun, sich auf längere Warte- und eventuell kürzere Behandlungszeiten einzurichten. Oder, wenn sie denn bei keinem anderen Uedemer Arzt unterkommen, längere Anfahrtszeiten nach Kalkar oder Goch in Kauf zu nehmen, denn: Einen „Ersatz“ wird es aller Voraussicht nach nicht geben.  Das von Pietsch angeprangerte System verhindert, dass junge Ärzte eine Praxis auf dem Land übernehmen und gleichzeitig werden  angestammte Ärzte desillusioniert.  Der Dumme im chaotischen Geflecht aus Sparzwang, Bürokratie und politischem Hick-Hack ist auf jeden Fall der Patient, der das zu Schlucken hat, was ihm vorgesetzt wird… und sei die Pille noch so bitter.