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Von Michael Terhoeven

Uedem in der Identitätskrise? Es scheint fast so. Der von den örtlichen CDU- und SPD-Parteispitzen gemeinsam erarbeitete und groß angekündigte Versuch, der Gemeinde das Cittaslow-Siegel zu verschaffen, hängt nach einer Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses am seidenen Faden. Dieses weltweit anerkannte Zertifikat, so der Gedanke der Planer, soll das Motto der Kommune „Uedem - lebenswert, liebenswert“ greifbar machen, die Identität schärfen, Außendarstellung auf ein höheres Level heben. Doch: Uneinigkeit war an besagtem Abend Trumpf. Parteiübergreifend. Ob es an den möglichen Kosten in Höhe von 2500 Euro im Jahr gelegen hat? Egal. Fest steht: Der Ausschuss schlägt dem Rat eine Bürgerversammlung vor, bei der über die Cittaslow-Bewerbung abgestimmt werden soll. Ergibt das Sinn? Wohl eher nicht, da vermutlich eine äußerst überschaubare Anzahl Bürger den Weg zur Abstimmung finden wird. Ein repräsentatives Ergebnis ist damit überaus fraglich. „Stirbt“ Cittaslow in Uedem, könnte sich eine Nachbarkommune ins Fäustchen lachen: In Kalkar hat die Werbegemeinschaft die Idee von der „Stadt des Genusses“ in den Ring geworfen (siehe Artikel Seite 7). Klingt super und würde sich mit einem Cittaslow-Siegel bestens vermarkten lassen.






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Von Michael Terhoeven

Randalierende Fans, meckernde Trainer, brutal einsteigende Spieler, die sich trotz übelster Tritte oftmals keiner Schuld bewusst sind. Bilder, die man aus dem Fernsehen kennt. Szenen, die sich aber nicht nur in der weiten Welt des Fußballs sondern auch im kleinen Kreis (Kleve) abspielen. Es wird, wo es auf überschaubaren sportlichem Niveau doch vor allem um den Spaß am Spiel gehen sollte, gepöbelt, beleidigt, gedroht und die  Verletzung eines Gegenspielers auch schon mal billigend in Kauf genommen. Ein Problem des Fußballs? Eine Frage, die ich nicht mit „Nein!“ beantworten möchte. Denn dass es auch anderes geht, beweist ein Blick über den sportlichen Tellerrand. Klar, auch beim Handball, Eishockey oder Rugby fallen deftige Worte, doch von Ausschreitungen und Keilereien auf und neben dem Platz hört und liest man wenig bis gar nichts… selbst wenn die Schiedsrichter noch so sehr daneben gelegen haben. Genau das sind in der Regel diejenigen, die im Zentrum regelmäßiger Frustentladungen stehen. Umso mehr muss man den Hut vor denen ziehen, die Woche für Woche das Risiko eingehen, sich einem 90-minütigen Spießrutenlauf auszusetzen. Früher oder später bleibt der Spaß auf der Strecke… und damit auch die Unparteiischen. Und dann?





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Von Olaf Plotke

Die Zerstörungswelle von Kalkar offenbart ein Totalversagen von Eltern, Schule und Jugendamt. Wie ist es eigentlich möglich, dass sich 15-Jährige auf einer Party besaufen, in den Drogenrausch kiffen und nachts durch die Gegend ziehen? Psychologe Michael Bay hat recht, dass das die Frage ist, die wir uns als Gesellschaft eigentlich stellen müssen (siehe Artikel unten). Dass die Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht ernst genug nehmen, kann man sicher behaupten. Und zwar nicht nur die Eltern der drei Kinder, die die Tat begingen, sondern auch die Eltern der anderen Kinder, die auf dieser ominösen Fete waren. Haben hier zu viele Menschen weggeschaut? Es scheint zumindest kein verlässliches Frühwarnsystem zu geben, das Vernachlässigung von Kindern feststellt und dem effektiv entgegen wirkt. Vielleicht stehen den Profis in Schulen und Jugendamt aber auch nur die geeigneten Instrumente nicht zur Verfügung. Man darf jetzt auf alle Fälle nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern sollte Konsequenzen für die Arbeit in Schulen und Jugendamt ziehen. Denn auch wenn der Kreis jetzt ein Loblied auf die Arbeit seines Jugendamtes anstimmt - hier hat es versagt. Jetzt gilt es ähnliche Fälle zu vermeiden.

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Von Olaf Plotke

Am 26. November wird es in Moyland sicher mächtig krachen: Dann trifft sich nämlich das Kuratorium und wird sich mit vielen unangenehmen Themen beschäftigen. Da ist vor allem der Brief von Stiftersohn Franz-Rudolf van der Grinten, der die Rechtmäßigkeit der Stiftungsgründung in Frage stellt und mit dem Abzug der Sammlung droht (Der Kurier berichtete). Die Moyländer wollen van der Grinten nun angeblich wegen stiftungsschädigendem Verhalten aus dem Stiftungsvorstand werfen. Kein Wunder, denn mit seinem Brief hat er bewirkt, dass Bedburg-Hau und der Kreis Kleve mehr oder weniger offen darüber nachdenken, ob man in ein Konstrukt, das vielleicht gar kein juristisches Fundament hat, weiter zehntausende Euro pro Jahr stecken soll. Und auch die Landespolitiker sind nervös geworden: NRW hat mehr als 35 Millionen in das Schloss gepumpt. Und nach dem 2,7 Millionen-Euro-Umbau will Moyland jetzt noch mal eine siebenstellige Summe vom Land haben um den Turm zu renovieren. Ganz schön happig! Der Kulturausschuss des Landes wollte am Donnerstag von Kultusministerin Schäfer wissen, ob es überhaupt noch einen Sinn hat, weitere Steuermillionen nach Moyland zu schicken. Die Antwort steht noch aus. Die Ministerin wollte zu den kritischen Punkten nicht öffentlich Stellung nehmen. Da darf man wohl vermuten, dass alles noch viel schlimmer ist.

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Von Olaf Plotke

Das ginge auch besser: 27 Kinder der St. Georg-Grundschule Goch waren am Freitag die Eröffnungsgäste der Ausstellung „Leseräume – Bilderträume“ im Museum Goch (siehe Artikel unten). Dort sind Kinderbücher aus mehr als 100 Jahren zu sehen. Dazu gibt es fantastische Bilder der Harry Potter-Illustratorin Sabine Wilharm. Die Kinder wuselten durch die Ausstellung und hätten sich vielleicht auch ganz gerne in die Bilder der berühmten Malerin „hineingeträumt“, wie es sich Museumspädagogin Jasmin Schöne in ihrer Eröffnungsrede gewünscht hatte. Doch das war leider nicht möglich. Denn die Bilder hängen nicht auf einer kinderfreundlichen Höhe, sondern so, dass Erwachsene sie bequem betrachten können. Na klar, die Ausstellung ist nicht nur für Kinder. Aber Eltern können sich doch bücken um Bilder anzugucken! Einem 7-Jährigen dagegen fällt es schon schwer, ein Bild in 1,70 Meter Höhe zu betrachten. Deshalb guckten sich die St. Georg-Kinder auch eigentlich nur die Exponate an, die in den unteren Fächern der Vitrinen lagen. Hier würde ich mir von einem Museum wünschen, dass es für eine ungewöhnliche Ausstellung auch mal eine ungewöhnliche Präsentation wählt. Und so manchem Erwachsenen täte es ohnehin ganz gut, die Welt mal aus der Perspektive eines Kindes zu betrachten.

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Von Michael Terhoeven

In Deutschland wird nahezu alles subventioniert, offen oder gut versteckt. Energie und Nahrungsmittel, aber eben auch der Posten Kultur gehören dazu. Zahlen aus dem Klever Rathaus, wonach „der Steuerzahler" jede Eintrittskarte fürs Theater in nicht unerheblicher Höhe bezuschusst, lassen dennoch aufhorchen. Ließe sich nicht Vernünftigeres, Schöneres, ja Besseres (ökonomisch wie moralisch) mit dem vielen Geld anfangen? Und schon ist die Büchse der Pandora geöffnet. Ganz schnell heißt es Hartz IV gegen Eliteförderung, Kunst gegen Kommerz, Erziehung gegen Unterhaltung, oder kurz: das Kulturprogramm gegen Kitas, Altersheime, Bibliotheken, Schwimmbäder, das Polizeiwesen und die Schneeräumung. Im Gegensatz zu einer körperlichen Ertüchtigung, einem Sprachkurs oder einer warmen Mahlzeit seien Theater, Museum und Co. nicht existenziell, sagen die einen. Seit wann der Mensch im Land der Dichter und Denker nur leibliche Bedürfnisse habe, fragen die Anderen. Es ist wie so oft: Irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit zwischen weltanschaulichen Argumenten und ausschließlich wirtschaftlichen Kriterien. In Zeiten chronisch knapper Kassen klingt Letzteres vernünftig, ein Eindampfen des Klever Kultur-Budgets wäre nur logisch. Beschweren dürften sich nur wenige: Diejenigen, die das bisherige Angebot regelmäßig genutzt haben.